Kunst mit und aus Computern: Ausstellung im Café Ringelnatz

Witzenhausen.  Die besten Ideen kommen dem Bildhauer Karl-Heinz Gollhardt immer in seiner Werkstatt.

Dort schaffte er die Kunst-Körper, die in einer Ausstellung im Café Ringelnatz in Witzenhausen noch bis zum 9. Oktober zu sehen ist.

Er kreiert Körperwelten zwischen innen und außen, wie er seine Skulpturen beschreibt. Das Thema ist stets der durch die Verrohung von Natur und Umfeld zerrissene Mensch. Und deutlich macht er dies mit Figuren, an denen etwas fehlt: Mal die Arme, mal der Kopf.

Ein häufiges Motiv in seiner Kunst ist die Literatur, die ihn inspiriert, und das nicht nur wenn er liest. „Ein Impuls, etwas mit den eigenen Händen zu schaffen, der kann immer kommen“, erklärt der 65-Jährige aus Suhl in Thüringen. Auch dann, wenn man ihn nicht erwartet oder braucht. „Vor allem dann fließt die Kreativität ungehindert“, sagt er lachend. Er fertigt emotionale Skizzen an, wie er sagt, merkt sich, was er sah und fühlte. Man könne Ideen nicht festhalten, aber sie bewahren, damit sie wachsen, gären und sich formen, ehe er sie in Skulpturen aus Zinn, Stein oder sogar ausrangierten Computerteilen formt.

Für die Kunstwerke seiner Ausstellung „Literarische Tischgesellschaft“ nutzte er Materialien, die er fand, und stellte aus ihnen seine Version literarischer Stereotypen dar: Die Muse, der ewige Narziss oder der Held, der seinen Platz in der Welt verlässt. Die Skulpturen, sagt er, sollen nicht schön sein. Ihre rauen Oberflächen sind oft zerfurcht. Aber Schönheit, sagt der Bildhauer, sei manchmal eben genau so.

Auch der Fotograf und Grafikdesigner Frank Melech lässt sich von dem, was er findet und wahrnimmt, inspirieren. Jeden Gang durch seine Heimatstadt Suhl zum Beispiel unternimmt er nur mit seiner Kamera. Dann sammelt er Momentaufnahmen von Gebäuden, der Natur oder von Tieren. Der 51-Jährige sucht nicht nur aktiv nach Motiven, er schafft sie auch selbst: Als Model steht ihm seine Ehefrau Birgit Boden zur Seite, die der Fotograf in einer Vielzahl seiner Werke verewigt hat. „Meistens fotografiert er mich quasi zwischen Tür und Angel“, sagt sie lachend.

Danach geht Melech mit dem Foto an den Computer, wo er das Bild digital bearbeitet, bis man es kaum mehr aus dem Original heraus erkennt. Die Bilder sind ein oft mystischer Blickfang: Melech nutzt Detail- und Landschaftsaufnahmen, um surreale Welten für seine Werke unter dem Titel „FRANKsREICH“ zu schaffen. Ein Puzzlespiel, wie er es nennt, und ein Verformen der Realität mit Ausschnitten aus eben dieser. Auch er thematisiert ebenso wie Gollhardt das Motiv der Verrohung. „Damit haben wir eine gemeinsame Grundlage gefunden und diese Ausstellung auf die Beine gestellt“, sagt Melech.  

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