Eine Woche Hitze im Juni sorgt für mindere Qualität

Landwirte im Werra-Meißner-Kreis ernten bereits Wintergerste

Mähdrescher auf einem Feld
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Gerstenernte auf dem Hof von Familie Spundflasche in Hedemünden. Mit den Wolken dokumentiert es auch dieses unwirkliche Wetter - Kälte und bedeckt, statt heißes Mähdresch-Sommerwetter

Sie warteten nur auf das Ende des zeitweiligen Dauerregens: Am Sonntag haben die ersten Landwirte im Werra-Meißner-Kreis mit dem Drusch der Wintergerste begonnen, am Montag folgten viele andere. Mittlerweile sind im Werratal die meisten Felder abgeerntet, schon zum Wochenende hin soll die Raps-Ernte in Angriff genommen werden. Das berichtet Uwe Roth, der Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes, auf Anfrage.

Werra-Meißner – Die Wintergerste müsse man jetzt so schnell wie möglich vom Acker kriegen, bevor es wieder regnet. Denn sonst würden die Halme ganz niedergedrückt und noch schwerer zu mähen. Durch Sturm und die starken Niederschläge seien viele Halme schon umgeknickt, auch weil sie durch Feuchtigkeit und Wärme bereits porös geworden seien, erläutert Roth.

Abgeknickte und niedergedrückte Halme erschwerten den Mähdrusch und führten zu Qualitätsminderungen. Darauf weist auch Karsten Schmal, der Präsident des Hessischen Bauernverbandes, in einer Pressemitteilung hin. Teilweise seien Flächen aufgrund der durchnässten Böden kaum befahrbar.

Wichtig sei für die Landwirte auch, dass ihr Korn nicht zu feucht ist, sagt Uwe Roth. Habe es mehr als 15 Prozent Nässe, gibt es Abzüge beim Verkauf. Und die wenigsten Bauern im Kreis verfügten über eine eigene Trocknungsanlage. Die Gerste hat laut Roth in diesem Jahr eine mindere Qualität. Grund sei, dass sich die Körner wegen des heißen Wetters in einer Juni-Woche gerade zur Kornfüllphase nicht voll ausbildeten und klein blieben. Die Temperaturen hätten den Pflanzen da schon das Signal zur Abreife gegeben – zu früh.

Dieses Problem habe es beim Winterweizen nicht gegeben, sagt er. In der Hitzewoche sei diese Frucht in der Entwicklung noch nicht soweit gewesen. Inzwischen habe der Weizen aber aufgeholt. Mit dem Beginn des Druschs rechnet er Ende Juli/Anfang August. Zum Raps merkt Roth an, dass die Kälte im Frühjahr die Schädlinge von der Ölpflanze ferngehalten hätte. Weil es im vergangenen Spätsommer aber zu trocken gewesen sei, hätten nicht so viele Landwirte Raps gesät.

Vermehrt langsam fahrende Fahrzeuge unterwegs

Aufgrund der anstehenden Erntearbeiten werden in den nächsten Wochen auf den Straßen vermehrt langsam fahrende Mähdrescher und Traktoren mit Anhängern unterwegs sein.

Deshalb bittet Hessens Bauernverbandspräsident Karsten Schmal alle Verkehrsteilnehmer um Verständnis und gibt zu bedenken, dass auf den Anhängern mit Getreide und Raps Lebensmittel und Futter transportiert würden. Karsten Schmal: „Gegenseitige Rücksichtnahme ist das Gebot der Stunde.“ (sff)

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