"Das Labyrinth des Schweigens"

Film über Auschwitz-Verbrechen: Reporter-Sohn im Gespräch

Im Filmgespräch: Reporter-Sohn Bastian Gnielka. Fotos: znb

Witzenhausen. FAZ-Reporter Thomas Gnielka half, die Auschwitz-Verbrechen aufzuklären. Jetzt wird er im Film "Das Labyrinth des Schweigens" gewürdigt. Sohn Thomas sprach jetzt über die Filmvorbereitungen.

„Auschwitz, schon mal gehört?“ Nein war die Antwort auf die Frage, die FAZ-Reporter Thomas Gnielka in der Frankfurter Staatsanwaltschaft von allen hörte. Der Kinofilm „Im Labyrinth des Schweigens“ zeigt die Aufarbeitung der größten Menschheitskatastrophe, den sich Reporter-Sohn Bastian Gnielka von der Brüder-Grimm-Schule Eschwege jetzt mit seinen Schülern im Capitol-Kino in Witzenhausen anschaute. Und im anschließenden Filmgespräch verriet er dazu weitere Details.

Um den Film so authentisch wie möglich darzustellen, versuchten die Produzenten Hauptfiguren ausfindig zu machen. Da Thomas Gnielka im Alter von 36 Jahren an Hautkrebs starb, wurden die fünf Kinder Gnielkas ausfindig gemacht und zu bestimmten Situationen aus dieser Zeit befragt. „Aus diesen Fragmenten und mit Hilfe von Fotos ist die Filmperson Thomas Gnielka entstanden, die die Charaktereigenschaften und Wesensart meines Vaters exzellent wieder geben“, lobte Bastian Gnielka die Schauspieler und den Regisseur.

Knackpunkt seines Vaters beim Aufdecken von Nazi-Verbrechen sei gewesen, als er 1959 miterleben musste, wie ein Betroffener seinem Peiniger gegenüber stand. Fortan sei für ihn klar gewesen: Das kann so nicht stehen bleiben. Bastian Gnielka, das zweitälteste Kind, war zu diesem Zeitpunkt acht Jahre alt.

Wie im Film dargestellt, hat sein Vater die Erschießungsliste ausfindig gemacht, die die Ermittlungen in Gang brachten. Auch das Auto und den Revolver im Handschuhfach, mit dem er auch mal in die Luft schoss, gab es wirklich.

Als 15-jähriger Gymnasialschüler war Thomas Gnielka mit seinen Mitschülern zur Wehrmacht eingezogen worden und musste als Flugabwehrsoldat das Gebiet des Konzentrationslagers Auschwitz vor Luftangriffen beschützen. Bevor die Russen Auschwitz einnahmen, konnte er zusammen mit seinem Kameraden Ede fliehen. Sohn Bastian hat Ede später getroffen. Er konnte ihm noch einiges von seinem Vater erzählen und bestätigen.

Nach dem sehr authentisch inszenierten Film hatte Bastian Gnielka noch eine Überraschung für die über 100 Schüler parat. Er zeigte ihnen ein Interview des Süddeutschen Rundfunks, in dem sein Vater nach den Gefahren des Rechtsextremismus in Deutschland befragt wurde.

„Auch heute gibt es noch Folterlager in vielen Diktaturen, die vom Volk bewusst oder unbewusst ignoriert werden“, sagte Bastian Gnielka im anschließenden Filmgespräch. Aus Angst vor Verfolgung und Folter schwämmen die Leute lieber mit dem Strom und tauchten ab, als sich wie sein Vater mutig gegen das Unrecht zu erheben.

Für die Schüler war es durch den Bezug zu ihrem Lehrer erlebte Geschichte, in die man sich gut hineinversetzen konnte.

Von Hartmut Neugebauer 

Hintergrund

Der Spielfilm "Das Labyrinth des Schweigens"

Der Film „Das Labyrinth des Schweigens“ zeigt in beeindruckender Art und Weise wie in Zeiten des deutschen Wirtschaftswunders die Aufarbeitung der Vergangenheit um die Verbrechen des Konzentrationslagers Auschwitz nach 14 Jahren ihren Anfang nahm. FAZ-Reporter Thomas Gnielka und der junge Staatsanwalt Johann Radmann stießen aufgrund der von oben propagierten Schlussstrich-Mentalität und kollektiver Verdrängung überall auf eine Mauer des Schweigens.

Mit Generalstaatsanwalt Fritz Bauer im Rücken wurden Stück für Stück Grausamkeiten aufgearbeitet, Betroffene und Täter zum Reden gebracht, bis der junge Staatsanwalt fast selbst zerbrach, weil er in jedem einen potentiellen Täter sah. In dem Film wurde die Geschichte des Reporters Gnielka und des Generalstaatsanwaltes Bauer so weit als möglich authentisch nachgestellt; der Staatsanwalt Radmann sowie dessen Liebesgeschichte geben dem Film die nötige Würze. (znb)

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