„Es ist ein hartes Geschäft“

Landwirte im Kreis werden Probleme bekommen, Erntehelfer zu finden

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Ist Vorarbeiter auf der Plantage der Kiebes: Marek Pawlus kommt aus Polen und ist schon seit sechs Jahren für den Obst-und Gemüsehandel tätig. 

Witzenhausen. Laut Bauernverband wird es schwierig, Erntehelfer für die Landwirtschaft zu finden, weil die wirtschaftliche Lage in Osteuropa besser wird. Wir haben einen Obstbauern getroffen.

Bernd Kiebe, 75 Jahre, schwarzes Polohemd, Dreiviertel-Hose, Clogs, hat einen silbergrauen Kurzhaarschnitt und sitzt in seinem Büro am Ortsrand von Unterrieden. Neben ihm seine Tochter, Berit Pöhlmann, 42 Jahre alt. Sie leitet seit 2015 den Obst-und Gemüsehandel Kiebe. Ein Familienbetrieb und das seit Generationen.

Kiebe hält kurz inne, bevor seinen Satz beginnt. Und irgendwie will er ja doch reden. Über Gerechtigkeit, Erntehelfer, Kirschen und die Zukunft des Betriebs. Er spricht nicht nur für sich, sondern für die Kirschenbranche. In der gebe es immer wieder dieselben Themen: Man redet über Sorten, Dünger oder Schädlinge wie die asiatische Kirschessigfliege, die im Übrigen ein großes Problem sei. Aber es geht auch um diesen Mindestlohn und seine Kirschen. 

Die dunkelroten Burlat-Kirschen. 150 bis 160 Tonnen ernten sie in der Saison. Ihre Einkommensquelle. Das „rote Gold“ von Witzenhausen, von dem so viel abhängt. „Letztes Jahr war eine Katastrophe“, sagt Berit Pöhlmann. Der Frost hatte nahezu die komplette Ernte vernichtet. So etwas hätte es zum letzten Mal 1981 gegeben, ergänzt Bernd Kiebe.

Bernd Kiebe

Kiebe ist ein alter Hase und schon lange im Geschäft, seit mehr als 60 Jahren. „Es ist ein hartes Geschäft“, sagt Kiebe. Mit 14 ist er in den Betrieb von seinem Vater eingestiegen. „Das war 1960“, sagt er. Mit zwei Hektar haben sie angefangen. Heute sind es 26. Sein Vater hatte auch eine Genossenschaft gegründet, dessen Vorsitz er innehatte. Bis 1993, dann war Schluss, er machte sich selbstständig. Und 2015 wollte er aufhören. „Alter, Gesundheit, kein Nachfolger, nennen sie es, wie sie wollen“, sagt Kiebe. Die Tochter sprang ein und führt seitdem den Familienbetrieb.

Jeden Sommer arbeiten mehr als 30 polnische Kirschenpflücker auf ihren Plantagen. „Wir sind zu 100 Prozent in polnischer Hand“, sagt Kiebe und lacht. Viele Konkurrenten würden längst Rumänen beschäftigen. Weil sie billiger sind. Doch er und die Polen, das sei eine „Solidargemeinschaft“ seit Generationen. Er wolle zuverlässige Arbeiter, die Polen zuverlässiges Geld. Das bekommen sie auch.

„Aber der Mindestlohn von knapp neun Euro macht halt jedem zu schaffen“, sagt Kiebe. Es werde zukünftig immer schwieriger, geeignete Saisonkräfte zu finden, da ist sich Kiebe sicher.

Hinzu komme das Wetter. „Das macht sowieso immer, was es will“, sagt Kiebe. Dieses Jahr war es einfach zu warm, die Kirschen sind zu klein. „Der Handel will 26 Millimeter Durchmesser, da muss man ganz schön wässern,“ sagt Kiebe. Es geht ums Geld. Wie so oft im Leben. Ein Dilemma. Ob es den Betrieb in zehn Jahren noch geben wird? „Weiß ich nicht“, sagt Kiebe. Die Preise werden nicht steigen. Die Kosten aber schon. Obstbau war eben schon immer ein Weltmarkt, sagt Kiebe. Sein Telefon klingelt.

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