Feldrundfahrt mit Politikern

Landwirte im Werra-Meißner-Kreis sorgen sich wegen der Suedlink-Stromtrasse

Landwirt Andreas Kunkel (rechts) zeigt Politikern den Verlauf der Suedlink-Trasse.
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Die 35 Meter breite Suedlink-Trasse wird quer durch die Aue bei Bad Sooden-Allendorf führen: Landwirt Andreas Kunkel (rechts) zeigt Politikern den Verlauf.

Monatelange Behinderungen durch Baufahrzeuge, Bodenverdichtung, Zerstörung des Bodengefüges – die Nerven der Landwirte im Werra-Meißner-Kreis, über deren Äcker und Weiden die Suedlink-Trasse führen wird, liegen blank. Einige von ihnen berichteten bei der alljährlichen Feldrundfahrt des Kreisbauernverbands Landtagsabgeordneten, Bürgermeistern und dem Landrat von ihren Sorgen.

Werra-Meißner – „Auf einer Strecke von 60 Kilometern führt die Stromautobahn durch den Werra-Meißner-Kreis, über die voraussichtlich von 2026 an Gleichstrom von Nord nach Süd fließen wird“, sagte Verbandsgeschäftsführer Uwe Roth. „90 Prozent der benötigten Flächen werden landwirtschaftlich genutzt“, wusste Gerhard Müller-Lang von der Agrarverwaltung des Landkreises.

Verlegt werden die Suedlink-Erdkabel in einem 35 Meter breiten Graben. „Er wird etwa zwei Meter tief ausgeschachtet“, führte Roth aus. Dazu schöben Bagger zunächst einmal den fruchtbaren Oberboden auf die eine Seite der Trasse, dann den häufig steinigeren Unterboden auf die andere Seite. „Vor allem wenn der Boden nass ist, werden sich die Erdschichten nicht sauber trennen lassen“, warnte Landwirt Andreas Kunkel beim Vor-Ort-Termin in der Aue bei Bad Sooden-Allendorf.

Kunkel rechnet „in jedem Fall“ mit einer „massiven Veränderung des Bodengefüges“. Eventuell verliere der Boden an Tragfähigkeit. Landmaschinen würden stärker einsinken. „Hanglagen lassen sich danach vielleicht gar nicht mehr bewirtschaften“, befürchtet die Wendershäuser Domänenpächterin, Michaela Breun. Sie verfügt über Steilflächen unterhalb von Burg Ludwigstein.

Durch die großen Erdbewegungen könnten grundwasserführende Schichten gestört werden. Möglicherweise fallen Quellen und Brunnen trocken. „In jedem Fall gehen die Gänge der Regenwürmer verloren“, gab Verbandsgeschäftsführer Roth zu bedenken. Dadurch versickere weniger Regenwasser im Boden und fließe verstärkt oberflächlich ab. Jahre vergingen, bis sich das Bodenleben regeneriert habe. „Mir blutet das Herz“, erklärte Landwirtin Breun. Ihr Vater hörte aus Rücksicht auf Bodenlebewesen bereits in den 1970er-Jahren mit dem Pflügen auf. Strukturen, die sich in den vergangenen Jahrzehnten herausgebildet haben, würden nun von Baggern in Stunden zerstört. Sorgen machen den Bauern die Bodenverdichtungen durch schwere Fahrzeuge. An die 100 Tonnen wögen zum Beispiel die Trommeln mit den Erdkabeln. Viele Feldwege seien im Anschluss an die Bauarbeiten wohl komplett zu erneuern.

„Drei, vier Jahre lang werden die Landwirte die betroffenen Flächen gar nicht nutzen können“, erwartet Geschäftsführer Roth. Es soll Entschädigungen für die Eigentümer und Schadenersatz für die Nutzer geben. Das Problem: Ein Großteil der Pachtverträge sei nicht schriftlich fixiert. Das lasse sich aufgrund einer zum Teil zersplitterten Eigentümerstruktur auch nicht ändern.

Die Suedlink-Erdkabel werden aufgrund ihrer Abwärme von 30 bis 40 Grad Celsius in einem 70 Zentimeter hohen Sandbett verlegt“, führte der Geschäftsführer des Kreisbauernverbands, Uwe Roth, bei der Feldrundfahrt aus. Darüber wird 1,2 bis 1,5 Meter Mutterboden geschoben. Von einem „dauerhaften Fremdkörper im Boden“ sprach Bauer Andreas Kunkel. An der Oberfläche werde der Boden am Ende voraussichtlich ein, zwei Grad wärmer sein. Das führe dazu, dass die Pflanzen dort im Frühjahr früher anfangen zu wachsen. Im Sommer drohten diese Flächen schneller auszutrocknen. Solche Unterschiede auf dem Acker erschwerten die Bewirtschaftung. „Ungeklärt ist, was mit den 70 Zentimetern Bodenaushub passiert, der aufgrund des neu geschaffenen Sandbetts nicht zurück auf den Acker kommt“, sagte der Vorsitzende des Kreisbauernverbands, Torsten Möller.  (zmc)

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