Landwirtschaft

Interesse an Hanf wächst

Feldbesichtigung auf der Domäne Hebenshausen: An der Hanftagung konnten corona-bedingt statt 60 nur 38 Personen teilnehmen.
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Feldbesichtigung auf der Domäne Hebenshausen: An der Hanftagung konnten corona-bedingt statt 60 nur 38 Personen teilnehmen.

Der Anbau von Faserhanf verschafft Landwirten eine zusätzliche Einnahmequelle, sorgt für breitere Fruchtfolgen und hat ökologische Vorteile:

Witzenhausen - Das waren einige der Themen der dritten Witzenhäuser Hanftagung. Der Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen und der Kreisbauernverband Werra-Meißner organisierten sie im Nawarum Am Sande.

„Verschiedene Pflanzen anzubauen, mindert das durch den Klimawandel zunehmende Risiko von Ernteausfällen“, führte Hanf-Experte Erich Gersbeck vom Landesbetrieb aus. So ist in den vergangenen Jahren das Interesse an Faserhanf gewachsen, der nur Spuren des Rauschmittels THC enthält. Derzeit ziehen im Werra-Meißner-Kreis acht Landwirte zwischen Hebenshausen und Wanfried auf 70 Hektar Fläche die Pflanze. Zum Vergleich: In ganz Hessen sind es 160 Hektar.

Aus den Stängeln lassen sich haltbare Fasern für Seile oder Textilien gewinnen. Sie spielten jahrhundertelang in der Segelschifffahrt eine zentrale Rolle. Die Biolandwirte der Wanfrieder Werra-Hanf-Genossenschaft liefern die Fasern an Hersteller von Dämmstoffen etwa für die Sanierung von Fachwerkhäusern, berichtete die Vorstandsvorsitzende, Diana Wetzestein.

Ein Vorteil: Hanf hält offenbar Nager und Marder auf Distanz. 141 Mitglieder hat die Genossenschaft, darunter neben Bauern auch Wissenschaftler, Ölmühlen sowie Brauereien wie Schinkels Brauhaus aus Witzenhausen. „Unser großes Ziel ist derzeit der Bau einer Anlage zur Faseraufbereitung in der Region“, führte Wetzestein aus. Derzeit müssen die Stängel in die Uckermark gebracht werden.

„Hanf bietet weitere Nutzungsmöglichkeiten“, führte Fachgebietsleiter Björn Staub vom Landesbetrieb aus. Die Stängelreste lassen sich zu Einstreu für die Tierhaltung verarbeiten. Aus dem Samen wird Salatöl gewonnen. Den Blütenständen und Blättern kann das Nahrungsergänzungsmittel Cannabidiol entzogen werden, das eine beruhigende, schmerzlindernde Wirkung haben soll.

Da Hanf erst Ende September, Anfang Oktober geerntet wird, bietet sie den Tieren der Feldmark nach der Getreideernte Rückzugsmöglichkeiten, erklärte der Witzenhäuser Agrarwissenschaftler Dr. Rüdiger Graß. Bienen und Hummeln finden dort noch spät im Jahr Pollen, hat Sarah Wittkamp in einer wissenschaftlichen Arbeit herausgefunden.

Die 38 Teilnehmer der Konferenz besuchten nach den Vorträgen eine 1,6 Hektar große Versuchsfläche auf der Staatsdomäne Hebenshausen. Landwirt Philipp Kawe hat dort im Auftrag des Landesbetriebs die zehn in Deutschland gängigsten Hanfsorten gepflanzt. Neben der nur 80 Zentimeter hohen, geruchsintensiven Sorte Finola wachsen dort auch Sorten, die mehr als drei Meter hoch werden. Sie lassen sich nur mit speziellen Geräten ernten, führte der Landesbetriebsberater Marc Fricke-Müller aus.

Die Hanfstängel bleiben nach dem Dreschen noch einige Wochen zum Nachreifen auf dem Feld liegen, dem sogenannten Rösten. Das kann bei regnerischem Wetter zu Verzögerungen bei der Winterweizenaussaat führen, warnte er. (Michael Caspar)

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