25,25 Meter: Lang-Lkw rollen bald durch Witzenhausen

Gut zu steuern trotz großer Länge: Kraftfahrer Nikolai Antipov demonstriert auf dem Hof von SCA, dass der Lang-Lkw den gleichen Wendekreis von 12,50 Metern hat wie ein Standard-Lkw. Möglich wird das, weil das Fahrzeug an zwei – statt wie sonst nur einer – Stelle abknicken kann: Direkt hinter dem Führerhaus und vor dem Anhänger. Kreisverkehre sind so kein Problem. Foto: Steensen

Witzenhausen. Über zwei Jahre nach dem Testlauf wird der Einsatz von Lang-Lkw in Witzenhausen Wirklichkeit. Sie beliefern ab Ende November das Hygienepapier-Werk von SCA.

Damit ist das Unternehmen im Gelstertal in Witzenhausen der erste deutsche Standort des schwedischen Konzerns, der Lang-Lkw nutzt.

Auch die Stadt hat jetzt ihre Erlaubnis gegeben. Schon in zwei Wochen kann das 25,25 Meter lange Fahrzeug von der Autobahn-7-Abfahrt Hedemünden aus über die Bundesstraßen 80 und 27 sowie die Landstraße nach Wendershausen das Gewerbegebiet im Gelstertal erstmals ansteuern. Künftig soll das SCA-Werk ein- bis zweimal pro Woche so beliefert werden. SCA hofft, dadurch 50 bis 70 Lkw-Fahrten pro Jahr einzusparen und so auch die Stadt vom Schwerverkehr zu entlasten, sagt Werksleiter Dietmar Haschke.

SCA kooperiert mit der Spedition BTK aus Rosenheim, die eigens einen mit speziellen Sicherheitssystemen ausgerüsteten Sattelzug samt Anhänger angeschafft hat. Das Gespann kostet laut BTK-Logistik-Geschäftsführer Josef Heiß 130 000 Euro, wobei allein 100 000 Euro auf das Zugfahrzeug entfallen. Man habe sich bewusst für eine Variante aus einem herkömmlichen Sattelzug und einem Anhänger entschieden, sagt Heiß. Denn die Lang-Lkw dürfen nur auf dafür freigegebenen Strecken fahren. Sollten dort Baustellen den Einsatz des Lang-Lkw verhindern, könnte man einfach den Anhänger abhängen und das Zugfahrzeug als normalen, 18,75 Meter langen 40-Tonner nutzen.

Eine Baustelle hat bereits den Zeitplan durcheinander gebracht: Wegen der Straßenerneuerung zwischen Wendershausen und Witzenhausen konnte der Einsatz des Lang-Lkws nicht wie geplant im März beginnen, sondern erst jetzt, sagt Michael Knobloch, SCA-Logistikleiter für Deutschland, Österreich und die Schweiz.

Hintergrund:Feldversuch läuft noch bis 2016 

Der Feldversuch des Bundesministeriums für Verkehr testet noch bis Ende 2016 der Einsatz von Lang-Lkw in Deutschland. Die Fahrzeuge dürfen nur in Bayern, Hamburg, Hessen, Niedersachsen, Sachsen, Schleswig-Holstein und Thüringen fahren, Bremen und Mecklenburg-Vorpommern erlauben die Fahrt mit Einschränkungen. Die Lang-Lkw dürfen nur das sogenannte Positivnetz nutzen, das 10 150 Kilometer umfasst. 70 Prozent der freigegebenen Strecken sind Autobahnen. Laut dem Ministerium kann etwa die Hälfte des deutschen Autobahnnetzes genutzt werden. Derzeit haben sich 50 Firmen mit insgesamt 133 Lang-Lkw für den Test angemeldet.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.