Anmeldung sorgt für Frust

Grundschullehrer aus Witzenhausen kritisieren Terminvergabe zum Impfen

Bald sollen hier wieder mehr Kinder toben: Die Kesperschule in Witzenhausen soll nach den Osterferien in den eingeschränkten Regelbetrieb zurückkehren.
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Bald sollen hier wieder mehr Kinder toben: Die Kesperschule in Witzenhausen soll nach den Osterferien in den eingeschränkten Regelbetrieb zurückkehren.

Einige Grundschullehrer aus dem Raum Witzenhausen kritisieren die Vergabe von Impfterminen durch das Land. Schulamt und Kultusministerium sehen das etwas anders.

Werra-Meißner – Seit Kurzem darf sich in Hessen das Personal an Grund- und Förderschulen gegen das Coronavirus impfen lassen, um den eingeschränkten Regelunterricht nach den Osterferien abzusichern. Die Vergabe der Impftermine im Werra-Meißner-Kreis sorgt bei einigen Betroffenen für Ärger.

Die Lehrer

Dazu gehören Andreas Bothmann und einige seiner Kollegen der Kesperschule Witzenhausen. Als das Land am 25. Februar verkündete, dass Lehrer und Erzieher in die zweite Prioritätengruppe aufrücken, hätten sie sich sofort privat für Impftermine registriert, sagt Bothmann. Ein paar Tage später habe die Schulleitung sie informiert, dass man auch Sammeltermine über die Schule nutzen könne; Doppelanmeldungen seien zu vermeiden.

Nun hätten Kollegen über die Sammelanmeldung einen Termin für den 21. März, sagt Bothmann. Wer sich deutlich früher privat angemeldet habe, stehe dagegen noch ohne da. Eine Nachmeldung für den Sammeltermin sei nach Rücksprache mit dem Schulamt nicht möglich gewesen. Die Angst sei groß, dass sie nun gar nicht geimpft würden oder Monate darauf warten müssten. Viele Kollegen seien verzweifelt, sagt Bothmann – und sieht die Fürsorgepflicht des Landes verletzt.

An den Grundschulen in Hundelshausen und Gertenbach dagegen hätte sich der Großteil des Kollegiums über den Sammeltermin angemeldet, berichten die Schulleiter Thomas Ochs und Petra Heinemann auf Anfrage. Nur einzelne, privat registrierte Kollegen würden noch auf einen Termin warten.

Das Schulamt

Anita Hofmann, Leiterin des Schulamtes Bebra, kann die Enttäuschung zwar verstehen, findet die scharfe Kritik aber unangebracht. Die Lehrer hätten das Privileg, in eine Impfgruppe aufzurücken, die zuvor nur Schwerkranken und Menschen über 70 offen gestanden hätte – so sei das Land seiner Fürsorgepflicht nachgekommen.

Es sei unglücklich, dass das Land das Impfangebot öffentlich verkündet, die Verordnung zu den genauen Abläufen aber erst zwei Tage später vorgelegt habe, so Hofmann. In dieser Zeit hätten sich viele Impfwillige bereits privat für einen Termin registriert.

Nach Aufforderung durch das Schulamt hätten die Grund- und Förderschulen Impfwillige gesammelt, die Listen hätten am 1. März bei den Impfzentren abgegeben werden müssen. Nur bis 5. März seien vereinzelte Nachmeldungen möglich gewesen, danach hätten die Impfzentren die Termine konkret planen müssen. Im Werra-Meißner-Kreis finden sie am 20. und 21. März statt, im Kreis Hersfeld-Rotenburg laufen die Impfungen laut Hofmann schon. Sie weiß auch von privat registrierten Lehrern, die bereits Einzeltermine im Impfzentrum Rotenburg erhalten hätten. „Wer als Lehrer für eine Impfung registriert ist, bekommt auch einen Termin“, versucht Hofmann zu beruhigen. Gerüchte, dass privat angemeldetes Personal nun leer ausgehe, weist sie auf Anfrage ebenso vehement zurück wie Philipp Bender, Sprecher des Kultusministeriums.

Im Werra-Meißner-Kreis gibt es an Grund- und Förderschulen 343 Lehrende, 18 Sozialpädagogen und 11 Erzieher, im Kreis Hersfeld-Rotenburg sind es 472 Lehrende, 18 Sozialpädagogen und 11 Erzieher. Hinzu kommt weiteres Personal, etwa im Vertretungspool oder der Ganztagsbetreuung. Das Schulamt habe insgesamt mehr als 2000 Impfungen organisiert, sagt Hofmann. Dabei sei der Schulbezug, nicht der Wohnort entscheidend.

Das Kultusministerium

In einem ersten Info-Schreiben vom 25. Februar bat Wolf Schwarz vom Kultusministerium die Lehrer, die Sammeltermine zu nutzen. Eine private Anmeldung über das Onlineportal oder die Hotline sei erlaubt, die parallele Anmeldung nicht. Damit sei die Wahlfreiheit des Personals sowie die Fürsorgepflicht des Landes gewährleistet, so Bender: „Sinn einer Sammelanmeldung ist, in einem kurzen Zeitraum eine große Anzahl einzelner Meldungen zu bündeln. Die erforderlichen Verfahrensschritte sind für Nachmeldungen einzelner Impfwilliger nicht handhabbar.“ Die Terminvergabe obliege den Impfzentren, diese müssten Auslastung, verfügbaren Impfstoff und Alter der Personen berücksichtigen. (fst)

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