Gastlehrerin aus Uganda

Lehrer und Schüler lernen voneinander

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Unterricht im ugandischen Takt: Dianah Nabaggala (Mitte) mit der Klasse vier der Gelstertalschule Hundelshausen, Klassenlehrerin Elke Oberheim und Schulleiter Waldemar Rescher.

Dianah Nabaggala aus Kayunga in Uganda arbeitet für ein Jahr an der Gelstertalschule in Hundelshausen.

Hundelshausen. Spannende Dinge liegen auf dem Boden der Klasse 4 der Gelstertalschule Hundelshausen: Eine Matte, Puppen aus Bananenrinde, afrikanische Trommeln – viel dazu erzählen kann Dianah Nabaggala. Die 26-Jährige stammt aus Kayunga im ostafrikanischen Uganda und absolviert seit Mitte Oktober einen Bundesfreiwilligendienst (BFD) an der Schule.

Für beide Seiten eine Gewinnsituation. Die Kinder lernen von ihrer neuen Lehrerin viel über ihr Heimatland. „Sie hat uns einen tollen Film über Uganda zusammengeschnitten“, berichtet zum Beispiel Nele und Benjamin ergänzt: „Darin waren Tiere zu sehen, zum Beispiel Giraffen, Kühe und Krokodile“. Aber auch beim Englisch-Unterricht ist Nabaggala sehr gefragt. „Wir können ihr Fragen in Englisch stellen“, erzählt Leonie. Besonders positiv sei, so Lehrerin Elke Oberheim, die die Inklusionsklasse leitet, dass ihre Kollegin kontinuierlich den ganzen Vormittag da ist. Danach hilft Nabaggala bis zum Nachmittag in der Betreuung.

Alles Situationen, in denen auch sie von den Kindern lernt. Zum Beispiel die deutsche Sprache, die sie mittlerweile gut beherrscht. Aber auch die Kultur. „Zu Weihnachten gibt es hier so viel Schokolade und Geschenke“, berichtet sie lachend. In Uganda werde zu dem Festtag lediglich gut gegessen. Und auch das Wetter bietet für die Lehrerin neue Erfahrungen. „Ich liebe den Schnee“, sagt sie. Herrschen doch in Uganda teilweise bis 40 Grad, was zu Hungersnöten führen kann.

Auch das Schulsystem ist ganz anders, berichtet Nabaggala, die aus einer Lehrerfamilie stammt. Es gibt in Deutschland weder Schuluniformen noch einheitliche Shirts für Lehrer und die Klassen sind deutlich kleiner. In Uganda sitzen bis zu 200 Schüler zusammen, erklärt sie. Und während in Hundelshausen die Kinder in ihrer Muttersprache unterrichtet werden, lernen die ugandischen Schüler bereits im Kindergarten englisch – noch aus der Kolonialzeit die gängige Umgangssprache, berichtet Nabaggala. Die ugandische Sprache kann als Wahlfach belegt werden.

Bereits 2015 war Nabaggala in Deutschland – ihr Partner, den sie 2014 in Kayunga kennengelernt hat, wohnt in Neuseesen. Über ihn entstand auch der Kontakt zu Schulleiter Waldemar Rescher. Nachdem die Idee des Bundesfreiwilligendienstes geboren war, galt es, bürokratische Hürden in Uganda zu überwinden – die Genehmigung durch die Botschaft zog sich hin.

Schlussendlich ging der BFD los – mit 7200 Euro finanziert durch die HNA-Aktion „Kinder für Nordhessen“, die damit den kulturellen Austausch unterstützen möchte. Durch diese Hilfe sei es sogar möglich, dass der Verein zur Förderung der Lesekultur im Einzugsgebiet der Gelstertalschule eine Verlängerung um ein halbes Jahr finanzieren kann, sagt Rescher.

Und wie soll es dann weitergehen? Bleibt Dianah Nabaggala hier oder geht es zurück? Das liege an ihrem Freund, sagt die sympathische junge Frau – und lacht. (nde)

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