Stammtisch von 18 auf 3 geschrumpft

Letztes Pils zu Silvester: Kultkneipe Zum Burghusar schließt

Ein bisschen Wehmut ist dabei: Nach 35 Jahren wird die Kultkneipe „Zum Burghusar“ geschlossen, in der die Wirtin Marianne Schäfer am Silvester ihr letztes Bier für ihre Gäste zapft. Foto:  Neugebauer

Witzenhausen. „Es lohnt sich nicht mehr", sagt Marianne Schäfer. Sie wird die Witzenhäuser Kultkneipe „Zum Burghusar" in der Mittelburgstraße zum Ende des Jahres schließen.

Aber auch gesundheitliche Gründe spielten für die 62-Jährige eine Rolle, die die Gaststätte als Wohnraum umbauen und dann dort einziehen will. Ein bisschen Wehmut ist bei der Wirtin, die im Burghusar 35 Jahre mit viel Herzblut hinterm Tresen stand, schon zu spüren. Denn es waren auch viele schöne Momente, an die sich Marianne, wie sie von den Gästen nur genannt wird, gerne zurück erinnert.

„Früher gab es immer den Frühschoppen mit Musik, da war immer was los“, erinnert sich Schäfer. Auch am Karnevalssamstag wurde im Burghusar bei einer Motto-Party in Nachthemd und Schlafanzug kräftig gefeiert. Ein absoluter Höhepunkt waren die Fanfeste zur Weltmeisterschaft 2002 in Japan und Südkorea.

Damals wurde die Kultkneipe kurzfristig in „Burgstadion“ umbenannt. Die Nationalhymne wurde bei jedem Spiel im Stehen und mit Hand aufs Herz mitgesungen und jede Aktion der Deutschen wurde lautstark kommentiert, berichtet Schäfer. Für das Spiel gegen Paraguay am Samstag, 15. Juni 2002 um 8.30 Uhr seien die Gäste direkt vom Siedlerfest in die Kneipe gekommen, um einen der begehrten Plätze auf der „Haupttribüne“ zu bekommen. Auch über den Hintereingang des Burghusars hätten einige Fußballfans versucht, einen Platz im Lokal zu erhaschen, aber die zu spät Gekommenen hätten nur im unübersichtlichen „Spielertunnel der Nordkurve“ Platz nehmen dürfen, sagt Schäfer.

Auch die Zeit der Stammtische haben Schäfer immer viel Spaß bereitet. Wenn bei den „Husaren“ das Lied der blauen Dragoner erklang, konnte die Wirtin schon eine Schnapsrunde einschenken. Dann hatte einer wieder beim Knobeln verloren. Aber mit der Zeit wurden es immer weniger. Der Stammtisch der jungen Alten ist von ehemals 18 auf drei Stammtischbrüder zusammengeschrumpft. Viele sind im Laufe der Jahre verstorben. Aber auch das Internet und die neuen Medien machten der Raucherkneipe das Überleben schwer, berichtet Schäfer. Viele guckten die Bundesliga-Live-Spiele nicht mehr in der Kneipe um die Ecke, sondern privat zu Hause oder in Sportlerheimen, sodass immer weniger Gäste zum Bundesliga schauen kamen. „Die Gäste haben sich bei Marianne immer wohlgefühlt“, sagte Stammgast Joachim „Tschings“ Weber, der Schäfers Schritt bedauert, aber nachvollziehen kann. Das Straßenfest der Mittelburgstraße am Erntefest-Freitag und die Anfeuerungsfete der Läufer beim Cherry-Man soll es aber auch nach Schließung des Lokals noch geben. „Das organisieren wir dann privat“, kündigt Schäfer an, die am Silvestertag nochmals einen Frühschoppen für jedermann anbietet und danach im geladenen Kreis ihr letztes Bierchen zapft. (znb)

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