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Lieber Spuk oder Mutmacher? Die Kirche im Werra-Meißner-Kreis setzt auf den Reformationstag

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Von: Konstantin Mennecke

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Ein Spruch auf einem gelben Schild, eine Art Medikamtenverpackung mit dem Luther-Konterfei und ein orangefarbener Luftballon ebenfalls mit dem Lutherkopf.
Die Kirche setzt am 31. Oktober bewusst auf den Reformationstag - und nicht etwa auf Halloween. Das, was wir von Luther lernen können, soll heute in Gottesdiensten unter anderem Thema sein. © Ulrike Laakmann

„Gott sei Dank für den 31. Oktober“ heißt es auf vielen kleinen Plakaten, die jährlich an diversen Haustüren hängen. Der Satz „Bei uns ist heute Reformationstag“ auf den kleinen Schildern macht deutlich, dass man in den Kirchen deutlich den „Wettbewerb“ mit dem ursprünglich auf die Kelten zurückgehenden Brauch bemerkt. Im Werra-Meißner-Kreis macht man sich stark, um den eigentlichen Sinn des Reformationstages in die Wahrnehmung der Menschen zurückzuholen – und setzt auch nach 505 Jahren weiter auf Reformation.

Werra-Meißner – „Die ,Konkurrenz’ zwischen ,All Hallows Eve’ vor Allerheiligen und dem Reformationstag gibt es ja nun unter amerikanischem Einfluss auch schon ein bisschen länger“, sagt Dekanin Ulrike Laakmann. „Aus meiner Sicht hat sie uns mit ihren unterschiedlichen vorchristlichen, aber eben auch christlichen Wurzeln in den Jahren vor dem großen Reformationsjubiläum 2017 als evangelische Kirche mehr verunsichert und herausgefordert.“

Im Jahr 2017, dem Jubiläumsjahr 500 Jahre Reformation, gab es eine ganze Reihe von Aktionen, Informationsveranstaltungen und auch Gottesdiensten. Hier hat man laut Laakmann die Stärke des Reformationstages wiederentdeckt. „Ich hoffe, dass das auch zum 505. Jubiläum der Reformation spürbar ist – auch wenn Hessen keinen Feiertag hat.“

Im Werra-Meißner-Kreis möchte man den heutigen Reformationstag unter anderem mit besonderen Gottesdiensten würdigen. Sie finden beispielsweise als Kooperationsraumgottesdienste in Witzenhausen und auch in Sontra statt. Doch das alleine reiche nicht aus, betont Laakmann. „Ecclesia semper reformanda oder ,Das Leben ist eine Baustelle’ – und das kirchliche Leben eben auch!“, betont die Dekanin.

Kirche müsse sich verändern, weil sich die Zeiten ändern. „In einer Zeit gesellschaftlicher Veränderungen, großer Verunsicherungen und neuer Ängste können wir von Luthers mutigem Bekenntnis zur ,Freiheit eines Christenmenschen’ ,lernen’ – wenn man das lernen kann“, betont Ulrike Laakmann. „Seine Erinnerung an das, ,was Christum treibet’ und an Gottes Liebe und Halt ,trotz allem’ macht mir Mut und Hoffnung – ob er nun das Apfelbäumchen gegen alle Weltuntergangsprophezeiungen wirklich gepflanzt hat oder nicht!“ Deutlich werde das auch in anderen Luther-Zitaten, die mit Blick auf die heutige Zeit Mut machen. „Und wenn ich schon wüsste, dass morgen die Welt unterginge, würde ich doch heute ein Apfelbäumchen pflanzen – hierzulande wären es wohl Kirschen gewesen“, sagt Laakmann mit einem Augenzwinkern. „Mut, Hoffnung und Trotzkraft, weil Gott immer noch trägt: Das sollten wir zum Reformationstag im Sinne Luthers weitergeben.“

In vielen Bundesländern ist der heutige Reformationstag, der Tag, an dem Martin Luther seine 95 Thesen zur Kirchenreformation an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg geschlagen hat, ein Feiertag. Dazu gehören unter anderem die nördlichen Bundesländer Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Hamburg und Bremen.

Der insbesondere in den USA gefeierte Brauch, als Gruselgestalten verkleidet um die Häuser zu ziehen, wird hierzulande durch den Einzelhandel befeuert. Kürbisse, Gruselmasken und mehr sind seit Wochen in den Geschäften zu finden. 2019, vor dem Beginn der Corona-Pandemie, hatte der Handelsverband Deutschland (HDE) einen durch Halloweeen bedingten Umsatz von 320 Millionen Euro prognostiziert. (kmn)

Lesen Sie dazu auch einen Kommentar zum Thema „Veränderungen durch Luthers Mut“ in unserer gedruckten Montagsausgabe

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