Bauausschuss diskutiert über Werte

Messergebnisse aus Witzenhausen: Luftqualität ist vergleichbar mit Fulda

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Hier wurde in Witzenhausen gemessen: Der Bereich zwischen dem Busbahnhof und dem Stadtpark gilt als besonders belastet vom Verkehr. Daher hing hier eines der Messgeräte. Das andere ermittelte die Luftqualität nahe dem Fußgängerüberweg am Kinderhaus St. Jakob.

Nach jahrelangem Streit über das Für und Wider einer Messung der Luftqualität in Witzenhausen liegen nun endlich die Messergebnisse vor, die zwischen Mai 2017 und April 2018 erhoben wurden.

Die gute Nachricht: „Formal liegen die Werte unter den Grenzwerten der Bundesimmissionsschutzverordnung“, erklärte Bauamtsleiter Bernd Westermann am Dienstag im Bauausschuss. „Aber klar ist auch: An der B451 herrscht kein paradiesischer Zustand. Die real gemessenen Werte reichen an die einer Großstadt heran.“

Der Grenzwert liegt bei 40 Mikrogramm Stickstoffdioxid (NO2) pro Kubikmeter Luft – im Jahresdurchschnitt. Witzenhausen weist laut der aktuellen Messung 24,8 Mikrogramm (am Busbahnhof) und 24,1 Mikrogramm (beim Kinderhaus St. Jakob) auf. Die Werte seien vergleichbar mit der Luftqualität in größeren Städten wie Fulda, Marburg und Hanau, berichtet Beate Oetzel (FWG), die die Messung bereits 2015 erstmals beantragt hatte.

Insgesamt ließen die Ergebnisse den Ausschuss etwas ratlos zurück. Denn die Werte sind – wie Lukas Sittel (SPD) schon vor Beginn der Messungen kritisiert hatte – nur bedingt aussagekräftig: Sie geben jeweils nur einen Mittelwert für jeden Monat an. Daran kann man weder erkennen, an welchen Tagen noch zu welchen Tageszeiten die NO2-Konzentration besonders hoch ist. Auch geht aus den Daten des Hessischen Landesamtes für Naturschutz, Umwelt und Geologie nicht hervor, wie groß die höchste gemessene NO2-Konzentration an einzelnen Tagen war. Im Monatsmittel lag der höchste Wert bei 30,9 Mikrogramm im Januar 2018, der niedrigste bei 14,7 Mikrogramm. „Dieses Messergebnis bildet die Probleme von Witzenhausen nicht ab“, zog Sittel kritisch Bilanz. Das Verfahren sei zwar mit Kosten von nur 1000 Euro das billigste gewesen, bringe der Stadt aber keinen Nutzen.

„Fakt ist, dass eine Grundbelastung vorhanden ist“, sagte Beate Oetzel. Sie sei froh, dass noch keine Grenzwerte überschritten würden, weil dann Sofortmaßnahmen eingeleitet werden müssten. Jedoch, so Oetzel, sei davon auszugehen, dass sich die Werte verschlechtern, wenn nach dem Bau der zweiten Werrabrücke mehr Schwerverkehr durch die Stadt fließe. Oetzel forderte daher erneut ein Verkehrskonzept für Witzenhausen, das den Schwerverkehr aus der Stadt heraushalte.

Es folgte eine allgemeine Debatte über den Verkehr in der Stadt, die aber zu keinem weiteren Beschlussvorschlag führte. Henner Gädtke (Grüne) mahnte zudem: „Auch wir fahren Auto und bestellen im Internet!“ Mithin hätten nicht nur der Schwerverkehr, sondern auch die Einwohner Einfluss auf die Luftqualität.

Unterrieder wollen auch Test

Mit Blick auf die wenig aussagekräftigen Ergebnisse aus der erfolgten Messung lehnte es der Ausschuss ab, auch für Unterrieden eine Luftmessung in Auftrag zu geben. Diese war vom Ortsbeirat wegen der Belastung durch die B 27 für Gartenstraße und Berliner Straße erbeten worden, der Magistrat unterstützt das. 

Letztlich trifft aber das Parlament am Dienstag, 11. Dezember, ab 18 Uhr im Rathaus die Entscheidung.

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