Nager vermehren sich rasant

Folge milder Winter: Mäuse machen Bauern im Werra-Meißner-Kreis zu schaffen

Auch bei Krähen beliebt: Greifvogel-Ansitz bei den Versuchsfeldern der Witzenhäuser Agrarwissenschaftler in der Nähe von Hebenshausen.
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Auch bei Krähen beliebt: Greifvogel-Ansitz bei den Versuchsfeldern der Witzenhäuser Agrarwissenschaftler in der Nähe von Hebenshausen.

Mäuse bereiten den Landwirten im Werra-Meißner-Kreis zunehmend Probleme.

Werra-Meißner – „Aufgrund der milden Winter nimmt die Zahl der Nager stark zu“, berichtet Uwe Roth, der Geschäftsführer des Kreisbauernverbands Werra-Meißner. Für Mäusebussarde und Füchse bedeutet das reiche Beute. „Früher waren die Winter so kalt, dass der Boden gefror“, sagt Roth. Wenn dann gefallener Schnee schmolz, konnte das Wasser nicht in dem Boden versickern. Es flutete stattdessen die Mäuselöcher und ertränkte viele Nager. Das ist in den vergangenen Jahren – und auch dieses Jahr – nicht passiert. Entsprechend viele Mäuse gibt es. Sie könnten vor allem bei Jungpflanzen „Totalschäden“ verursachen, berichtet der Bauernvertreter. Besonders gefährdet sei die Rapssaat Ende August.

„Verschärft wird das Problem durch große Felder, wie es sie in Thüringen gibt“, sagt Roth. Auf den kleinen Feldern im Werra-Meißner-Kreis bearbeite dagegen immer irgendwo ein Bauer gerade seinen Acker. Dadurch würden Mäusenester zerstört. Die Nager liefen auf dem Boden herum. Das locke Greifvögel wie den Mäusebussard an. Störche und Graureiher folgten den Traktoren. Ohne Scheu vor den großen Maschinen schnappten sie sich eine Maus nach der anderen.

Abhilfe schaffen Pflug und Fressfeinde

„Besonders das Pflügen hilft“, sagt Roth. Es hat aber den Nachteil, dass durch das Wenden des Bodens auch die Gänge der Regenwürmer zerstört werden. Regen versickert dann nicht so gut im Boden, sondern schwemmt diesen fort. „Letztes Mittel gegen Mäuse ist Giftweizen“, erläutert Roth. Er müsse aufwendig in die Mäuselöcher gestreut werden, damit ihn keine Vögel fräßen.

„In der Feldflur gibt es nur noch sehr wenige Bäume, die die natürlichen Feinde der Mäuse, die Greifvögel, als Ansitz nutzen können“, gibt der Witzenhäuser Vogelschützer Wolfgang Maronde zu bedenken. Noch vorhandene Bäume würden von Landwirten „bis zur Unkenntlichkeit abrasiert“, damit sie nicht über die Felder ragten und die Maschinen behinderten – so geschehen etwa in diesem Frühjahr zwischen Witzenhausen und Wendershausen (gleich links nach den Kurven). Zudem würden immer noch Streuobstwiesen umgebrochen.

Roth vom Bauernverband weiß von Kollegen, die für die Greife Pfähle mit aufgenagelter Querlatte aufstellen. „Die Sitzstangen, die am Ortsausgang von Hebenshausen Richtung Göttingen sowie auf den Versuchsflächen der Universität in Eichenberg stehen, sind immer besetzt“, bestätigt Vogelschützer Maronde.

Nebeneffekt: Es gibt auch wieder mehr Füchse

„Aufgrund der vielen Mäuse haben sich die Rotfuchsbestände deutlich erholt“, führt Christoph Lahmann vom Jagdverein Hubertus Witzenhausen aus. Vor einigen Jahren seien viele dieser Wildhunde an Räude und Staupe eingegangen. Mittlerweile gebe es so viele Füchse, dass der Druck auf die wenigen Hasen, Fasane und Rebhühner zugenommen habe. Die Jäger schössen daher vermehrt Füchse, allerdings auf niedrigem Niveau. Verwerten ließen sich von den Raubtieren nur die Winterfelle. Das Sommerfell sei schütter. Zudem fielen die Haare aus. (Michael Caspar)

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