Autor beruft sich auf mündliche Überlieferung

Manfred Baumgardt erzählt Witzenhausens jüdische Geschichte als Stadtrundgang

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Liegen auf dem Weg des „Einkaufsbummels“: Die Geschäftshäuser von Isaak Trepp, Nr. 5 (Bildmitte), und Julius Katz, Nr. 7, in der Marktgasse sind noch gu t erhalten.

Witzenhausen – Der in Berlin lebende gebürtige Hundelshäuser Manfred Baumgardt hat nach 2013 zum zweiten Mal etwas über die ehemalige jüdische Gemeinde in Witzenhausen publiziert.

Nachdem er seinerzeit versucht hat, den Leidensweg der Witzenhäuser Mitbürger jüdischen Glaubens von 1933 bis zu den Deportationen – teilweise auch darüber hinaus – nachzuzeichnen, begibt er sich aktuell auf einen imaginären Einkaufsbummel durch einige der von jüdischen Witzenhäusern betriebenen Einzelhandelsgeschäfte der Innenstadt.

Reich verziert ist der Privateingang des Kugelmann'schen Hauses an der Brückenstraße. 

Er verknüpft dieser besondere Rat des Stadtrundgangs mit eingeflochtenen Informationen zur jüdischen Gemeinde allgemein und mit einigen ihrer damals aktuellen beziehungsweise auch historisch herausragenden Vertretern im Besonderen.

Obwohl Baumgardt sich hier als Stilmittel im Wesentlichen der „Oral History“, also der mündlichen Überlieferung durch Zeitzeugen, bedient, wären einige erläuternde historische Hinweise beziehungsweise Quellenangaben doch hilfreich gewesen. So kann der Leser die Angaben des Autors durch die zweifellos vorhandenen Quellen weder vertiefen noch in einigen Fällen auch nachprüfen. Der gänzlich fehlende Apparat mindert die wissenschaftliche Qualität und Nutzbarkeit dieses Büchleins ebenso wie die unvollständige Literatur- und Quellenliste am Schluss.

Besonders schade ist in diesem Zusammenhang der fehlende Verweis auf die sehr ausführliche Quellensammlung der auch online verfügabren „Alemannia Judaica“. Wenn sich darüber hinaus auch einige kleinere historische und geographische Fehler eingeschlichen haben – so verlegt der Autor etwa den großen Witzenhäuser Stadtbrand vom Januar 1809 ins Jahr 1807 und die Aussicht des Johannisberg-Gasthauses von nördlicher in südliche Richtung – so ist das Büchlein in Gänze doch gut lesbar und vermittelt einen relativ authentischen Einblick in Teile des jüdischen Lebens im Witzenhausen jener Jahre.  

Service: Manfred Baumgardt: „Ein jüdisches Witzenhausen“, mit Übersetzungen ins Hebräische und Englische; BoD, Norderstedt; 76 Seiten, 14,50 Euro,

ISBN 978 37 52 88 78 53.

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