Finanzielle Schieflage

Margaretenladen in Witzenhausen ist geschlossen

Der Margaretenladen in Witzenhausen
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Der Margaretenladen hat nach 19 Jahren für immer geschlossen. Derzeit stellen Künstler und Kunsthandwerker hier aus.

Ein Schild über dem Eingang erinnert an eine fast 20-jährige Geschichte: Der Margaretenladen ist geschlossen, zum 31. Dezember 2020 endet der Mietvertrag in dem Fachwerkhaus an der Ermschwerder Straße.

Witzenhausen – Man sei den Schritt schweren Herzens gegangen, berichtete Pfarrer Frieder Brack, Geschäftsführer der Evangelischen Kirchengemeinde, auf Anfrage. Doch man sei von einer Wirtschaftlichkeit weit entfernt gewesen. Die Geldgeber seien nicht mehr bereit gewesen, den Zuschussbedarf zu decken.

Der 2001 gegründete Laden für Kirche und Diakonie stand auf breiten Füßen: Er wurde von der Kirchengemeinde, dem früheren Kirchenkreis Witzenhausen, der Diakonie Werra-Meißner, den Werraland-Werkstätten und der Werkstatt für junge Menschen getragen.

Dahinter stand die Idee, Diakonie und Kirche in die Lebenswelt der Menschen zu bringen. Bürger sollten die Möglichkeit haben, sich über die Angebote von Diakonie und Kirche zu informieren.

Im Angebot waren die Produkte diakonischer Einrichtungen, darunter hochwertiges Spielzeug und Bücher. Das Spektrum reichte vom Gesangbuch bis zur Kerze. Der Laden war modern und repräsentativ eingerichtet.

Die Einnahmen aus dem Verkauf reichten bei Weitem nicht aus, um die Kosten für Miete, Energie und Personal zu decken. „Das war immer ein Zuschussgeschäft“, sagt Pfarrer Brack. Eine Fortführung sei nicht mehr zu vertreten gewesen, letztlich kam das Geld zum Teil von Kirchensteuerzahlern.

Die finanzielle Schieflage habe sich seit zehn Jahren angebahnt, nun hat man die Reißleine gezogen. Der Kirchenladen hatte eine wichtige weitere Funktion: Es ging darum, ausgetretene oder neue Mitglieder zu gewinnen.

Kircheneintrittsbüro hieß die Sparte. Pro Jahr konnten fünf bis zehn Personen dazu bewegt werden, sich der Kirche anzuschließen. Die Aufnahme war früher im Normalfall den örtlichen Gemeinden bzw. ihren Vorständen vorbehalten. Mit dem Eintrittsbüro wurde manchem eine Hürde genommen, der lieber anonym bleiben wollte.

Das Personal für den Margaretenladen bestand aus drei hauptamtlichen und bis zu zehn ehrenamtlichen Mitarbeitern. Keiner verliere durch die Schließung seinen Job. Der Magaretenladen hat seine Geschäftstätigkeit eingestellt. In den Räumen herrscht derzeit Leben: Künstler stellen aus.

Margarete Motz ist Namensgeberin

Der Name des Margaretenladens leitet sich von der sozial engagierten Margarete Motz (1547 bis 1597) ab. Sie entstammte einer Familie, die die Schultheißen in Witzenhausen stellte. Margarethe hinterließ der Stadt ein kleines Vermögen: 100 Gulden.

Aus den Erträgen gab es einmal im Jahr Brot und Speck für die Armen der Stadt. Die Stiftung bestand bis in die jüngste Zeit, sie kam der Ausstattung der Schulen zugute. Zuletzt gab es keine Erträge mehr, sodass die Stiftung vor einigen Jahren aufgelöst wurde. (wke)

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