Marvin Raußen leitet Jugendgruppe bei Witta-Pfadfindern in Witzenhausen

Gut gerüstet für die nächste Wanderung: Pfadfinder Marvin Raußen aus Dohrenbach. Seine Kluft zieren viele Abzeichen. Sie sind entweder Erinnerungen an Veranstaltungen oder signalisieren Zugehörigkeit zu bestimmten Gruppen – im Gegensatz zur Uniform der amerikanischen Pfadfinder. Dort sind die Abzeichen Auszeichnungen für besondere Fähigkeiten. Foto: Hörcher

Witzenhausen. Der Werra-Meißner-Kreis überaltert: Doch es gibt auch jungen Menschen, die sich für das Leben im Kreis engagieren. Wir stellen sie vor.

Heute: Marvin Raußen von den Pfadfindern aus Witzenhausen. „Jeden Tag eine gute Tat“: Das ist ein Motto der Pfadfinder-Bewegung. Fragt man Marvin Raußen, den Vorsitzenden des DPSG (Deutsche Pfadfinderschaft Sankt Georg) Stamm Witta Witzenhausen nach seiner guten Tat, muss er nicht lange überlegen: „Heute habe ich meinem Vorgesetzten geholfen, der mit einem Engländer telefoniert hat.“

Englisch spricht Raußen fließend, denn aufgewachsen ist er im südlichen Afrika. Erst mit zehn Jahren hat er Deutsch gelernt, als die Familie nach Deutschland zurückzog. Seitdem ist er dem Werra-Meißner-Kreis treu geblieben - was er pragmatisch begründet: „Hauptgrund war, dass ich hier meinen Ausbildungsplatz bekommen habe.“

Seit er 14 ist, engagiert er sich bei den Pfadfindern. Ein Freund hatte ihn im Sommer 2001 mit zur ersten Gruppenstunde genommen. „Da wurde viel gespielt und die Gemeinschaft war toll“, erinnert sich Raußen. Die katholische Kirche ist Träger der DPSG, aber: „Jeder ist willkommen - egal welche Religion, Hautfarbe oder Nationalität“, sagt Raußen, der selbst evangelisch ist.

Bis auf eine kurze Unterbrechung, in der Raußen ein halbes Jahr beim Kanuverein Witzenhausen trainierte, war der 22-Jährige durchgängig beim Stamm Witta aktiv. Mittlerweile leitet er selbst eine Jugendgruppe. „Ich habe als Gruppenkind viel bekommen und möchte das weitergeben“, sagt Raußen. Das motiviere ihn - auch wenn Pfadfinderei unter zwölf- bis 14-Jährigen zunehmend „uncool“ werde. Es fehle dem Verein zwar an Nachwuchs - „aber irgendwie geht es immer weiter.“

Er bereitet die Gruppenstunden vor und plant Zeltlager oder Kurse, in denen die „Pfadis“ Dinge lernen wie Kochen am offenen Feuer, Knotentechniken sowie das Lesen von Wegzeichen. Nicht immer klappe das so, wie er sich das vorstelle, sagt Raußen selbstkritisch. Oft entscheide er zu kurzfristig, was er mit den Kindern unternehme. Generell lasse sich sein Engagement aber gut mit seinem Beruf als Elektroniker vereinen.

Gerne erinnert sich Raußen an das Welt-Pfadfinder-Lager 2007 in England mit 40 000 Pfadfindern aus 196 Ländern. Die Kultur ist gleich, trotzdem hat jede Nation ihre Besonderheiten: „Die Inder liefen immer in Reih und Glied, die Finnen trugen blaue Mützen mit der Landesflagge.“ Ab August geht es für den 22-Jährigen voraussichtlich wieder zurück nach Afrika. Er will dort ein Freiwilliges Soziales Jahr in einem afrikanischen Pfadfinder-Büro absolvieren. Ob er danach in den Werra-Meißner-Kreis zurückkehrt, „hängt davon ab, welche Jobangebote ich bekomme“, sagt Raußen. „Ich hätte auch nichts dagegen, wegzuziehen.“

Von Marc Hörcher 

Zur Person: Da seine Eltern als Entwicklungshelfer in Simbabwe arbeiteten, wurde Marvin Raußen (22) in der Hauptstadt Harare geboren. Aufgewachsen ist er in Sambia und Uganda. Als er zehn war, zog die Familie nach Ellingerode, ein Jahr später nach Dohrenbach. Dort lebt Raußen bis heute bei seinen Eltern. Nach seiner Ausbildung als Elektroniker für Betriebstechnik wurde er bei SCA Hygiene Products Witzenhausen übernommen.

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