Keine Frauendomäne: Dieser Job ist "eine Frage der Persönlichkeit"

Matthias Schulze ist Tagesvater und kümmert sich um Kinder, nicht um Klischees

Vorlesen gehört für ihn zum Job: Tagesvater Matthias Schulze mit seinen Töchtern Majula Ma Devi Zoë (5) und ihrer Schwester Ella-Anjali Ananda (3). 
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Vorlesen gehört für ihn zum Job: Tagesvater Matthias Schulze mit seinen Töchtern Majula Ma Devi Zoë (5) und ihrer Schwester Ella-Anjali Ananda (3).  

In seinem Beruf gibt es neun Mal so viele Frauen wie Männer. Tagesväter sind selten,  werden aber immer öfter gezielt nachgefragt.

„Am besten gefällt mir an meinem Beruf das Lachen der Kinder.“ Matthias Schulze ist Tagesvater und sein Alltag besteht aus Spielen, Singen und Quatsch machen, aber auch aus Windeln wechseln, Tränen trocknen und Streit schlichten. Er betreut seit 2017 bis zu drei Kinder gleichzeitig, immer montags bis freitags zwischen 8 und 15 Uhr.

Außer ihm gibt es in Witzenhausen zurzeit keinen weiteren Tagesvater, er hat nur Kolleginnen. Im ganzen Werra-Meißner-Kreis ist er aber als Mann in seinem Beruf nicht allein. Es gibt vier weitere Tagesväter, von denen drei allerdings Teil eines Tageselternpaares sind, also mit ihrer Lebensgefährtin gemeinsam Kinder betreuen. Die Zahl der Tagesmütter ist ganze neun Mal so hoch: 45 Frauen bieten Kinderbetreuung an.

Vorurteile kennt Schulze nicht

Vorurteile kennt Schulze trotzdem nicht. Bisher sei man ihm als Tagesvater immer völlig offen begegnet, so der 34-Jährige. Im Gegenteil: „Es gibt Eltern, die gezielt einen männlichen Betreuer für ihre Kinder suchen, zum Beispiel alleinerziehende Mütter“, erzählt Matthias Schulze. Ein Kind, um das er sich kümmert, hat zwei Mütter, auch die sind froh, in dem Tagesvater eine männliche Bezugsperson für ihren Sprössling gefunden zu haben. Vor allem, weil auch im Kindergarten später in der Regel nur Frauen für die Betreuung der Kinder zuständig sind, denn auch Erzieher sind selten. Und auch für den neuen Qualifizierungskurs, der noch im Februar startet, sind bisher nur Frauen angemeldet.

Matthias Schulze hat in Witzenhausen ökologische Landwirtschaft studiert, vorher eine Ausbildung zum Heilerziehungspfleger absolviert und auch in diesem Bereich gearbeitet. Er ist Vater von zwei Mädchen, drei und fünf Jahre alt. Seine große Tochter wurde selbst von Tageseltern betreut. Der Kontakt zum Tagesvater brachte ihn auf die Idee, ebenfalls an einer Qualifizierung teilzunehmen. „In meinem Kurs war ich allerdings auch der einzige Mann“, erinnert sich Schulze.

Familienbildungsstätte vermittelt Tageseltern

Er und andere Tageseltern werden im Werra-Meißner-Kreis von der Kindertagespflege der Familienbildungsstätte vermittelt. Christina Manegold vom Fachdienst Kinderbetreuung hat schon beides erlebt: Eltern, die sich ausdrücklich einen Tagesvater wünschen, aber auch solche, die sagen, ein Mann kommt für sie als Betreuer ihres Kindes nicht in Frage. „Dass Eltern einen Tagesvater ausschließen, kommt aber nur sehr selten vor“, so Manegold.

Christina ManegoldKindertagespflege

Den ersten Tagesvater gab es im Werra-Meißner-Kreis 2009. Davor hatten immer nur Frauen an den Qualifizierungen teilgenommen. Er arbeitet auch heute noch in der Kinderbetreuung. Ob es Unterschiede zwischen der Arbeitsweise von Männern und Frauen gibt, darüber sind sich Manegold und Schulze nicht ganz einig: „Ich glaube, es ist weniger abhängig vom Geschlecht, mehr von der Persönlichkeit“, findet Christina Manegold. Matthias Schulze meint, Frauen und Männer hätten schon einen anderen Umgang mit Kindern, etwa beim Spielen oder Streitschlichten. Letztendlich denkt er aber auch, dass sowieso jeder Mensch anders ist und Tagesmutter oder Tagesvater und Familie einfach zusammenpassen müssen.  

Ansprechpartner für Eltern und künftige Tageseltern

Sowohl für Eltern als auch für Interessierte, die selbst gern an einer Qualifikation zum Tagesvater oder zur Tagesmutter teilnehmen möchten, sind die Ansprechpartner beim Büro der Kindertagespflege Werra-Meißner. Christina Manegold, Diana Osterburg und Peggy Großkurth, Tel. 0 56 51/3 37 70 03, Adresse: Kindertagespflege Werra-Meißner, An den Anlagen 14a, 37269 Eschwege. Sprechzeiten in Eschwege sind von montags bis freitags von 9 bis 12 Uhr sowie montags von 16 bis 18 Uhr und nach Vereinbarung. In den Ferien entfällt die Sprechzeit am Nachmittag. Auch in Witzenhausen gibt es eine Beratung: jeden ersten Mittwoch im Monat, außer in den Schulferien, von 8.30 bis 10 Uhr, im Stadtraum, Ermschwerder Straße 6

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