Jäger bieten Landwirten Hilfe an

Mehr Schutz für Rehe und Hasen bei der Heuernte 

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Schnell weg: Vor der Heuernte ist es wichtig, dem Wild eine Chance zu geben, ihre Jungtiere aus den Wiesen zu holen, damit sie nicht niedergemäht werden.

Witzenhausen. Vielerorts werden im Juni wieder Wiesen gemäht, um Heu zu machen. Weil das in die Brut- und Setzzeiten etlicher Wildtierarten fällt, bittet der Jagdverein Hubertus Witzenhausen um besondere Vorsicht.

Warum ist die Heumahd gefährlich für das Wild?

Rehe und Hasen legen ihre Jungen im hohen Gras ab und kehren nur alle paar Stunden zum Säugen zurück. „Die Jungtiere haben in diesem Fall keinen Fluchtreflex, sondern ducken sich vor der Gefahr und können damit dem Mähwerk nicht entkommen. Furchtbare Verstümmelungen und Tod sind die Folge“, sagt Silke Hartung, Pressewartin des Jagdvereins Hubertus.

Was kann man im Vorfeld tun, um solche Vorfälle zu verhindern?

„Bei rechtzeitiger Warnung, sprich Beunruhigung, können die Wildtiere ihre Jungen noch aus der Gefahrenzone bringen. Hier geht es schlicht um Tierschutz“, sagt Hartung. Folgende Methoden könnten etwa sechs bis zwölf Stunden vor Beginn des Mähens angewendet werden und haben sich bewährt: 

• das Absuchen der Wiesen mit Jagdhunden, 

• der Einsatz von Wildrettern, die an den Mähwerken montiert werden und vor Jungtieren im Gras warnen 

• das Vertreibung des Wildes von den Wiesen – auch Vergrämung genannt. Sie könne kostengünstig und sehr effektiv mit Knistertüten, Flatterbändern oder Kofferradios umgesetzt werden. Bei der hessischen Landjugend kann man dazu ein kostenloses Aktionspaket bestellen.

„Laut Experten ist bereits eine dieser Maßnahmen zur Vertreibung pro Hektar Anbaufläche wirksam“, schreibt Hartung.

Welche Tipps gibt es noch für Wiesennutzer?

Der Jagdverein bittet alle Wiesennutzer, rechtzeitig vor dem Mähen den zuständigen Jagdpächter zu informieren. Kontaktdaten gibt es bei der Unteren Naturschutzbehörde beim Landkreis, beim Jagdverein, aber oft auch über die Ortsvorsteher. „Spätestens sollten Sie sich vor Beginn der Mahd melden, damit die Wiese noch abgesucht werden kann, bevor das Mähwerk seine Arbeit aufnimmt“, bittet Hartung. Der Jagdverein wolle die Landwirte dabei unterstützen, ihren tierschutzrechtlichen Verpflichtungen nachzukommen.

Worauf sollte man beim   Mähen selbst achten?

Damit die Tiere doch noch flüchten können, sollten Wiesen grundsätzlichen in Kreisen von innen nach außen abgemäht werden – und nicht in Kreisen von außen nach innen.

Wie verhält man sich richtig, wenn man als Spaziergänger ein Rehkitz oder einen jungen Hasen findet?

Auf keinen Fall sollte man das Tier anfassen oder gar wegtragen, warnt Silke Hartung. „Die Mütter sind noch in der Nähe, auch wenn das nicht so aussieht.“ Wenn die Jungtiere durch eine Berührung nach Mensch riechen, würden sie von ihren Müttern allerdings nicht mehr angenommen. Wer Angst hat, dass das Tier wirklich verlassen ist, sollte den Jagdpächter bitten, die Lage vor Ort anzusehen und einzuschätzen.

Grundsätzlich gilt: Hundehalter sollten bis Juli ihre Tiere an der Leine führen und die Wege nicht verlassen. Freilaufende Hunde bedeuten für die Jungtiere zusätzlichen Stress, so Hartung. 

Weiteres Infomaterial gibt es bei der Landjugend

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