Kandidatin im Interview

„Leute fühlen sich verschaukelt“: Beate Gerke will für Die Basis in den Bundestag

Beate Gerke ist gerne kreativ. Hier präsentiert sie einen Teddy, den sie aus Beton gegossen und angemalt hat. Ihre Kunstwerke bietet sie auf Märkten an.
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Beate Gerke ist gerne kreativ. Hier präsentiert sie einen Teddy, den sie aus Beton gegossen und angemalt hat. Ihre Kunstwerke bietet sie auf Märkten an.

Mehr Bürgerbeteiligung soll es ihrer Meinung nach auf Bundesebene geben. Deshalb will Rentnerin Beate Gerke aus Dohrenbach in den Bundestag einziehen - für die neu gegründete Partei „Die Basis“.

Dohrenbach – Der politische Wille der Menschen soll unmittelbar und kontinuierlich in die Parlamente gebracht werden. Das möchte die Basisdemokratische Partei Deutschlands, kurz Die Basis. Sie stützt sich dabei auf die vier Säulen Freiheit, Machtbegrenzung, Achtsamkeit und Schwarmintelligenz. Wir sprachen mit Beate Gerke aus dem Witzenhäuser Ortsteil Dohrenbach, die für „dieBasis“ (so schreibt sich die Partei selbst) das Direktmandat holen will.

Sie sind bereits Rentnerin. Warum wollen Sie noch mal zurück ins Berufsleben?
Ich war vergangenes Jahr im Krankenhaus und habe gedacht: Diese ganzen Maßnahmen, dieser Wahnsinn, das geht nicht mehr. Ich hatte das Gefühl, ich habe zu lange zugeschaut und darauf vertraut, dass in Berlin das Richtige in unserem Sinn gemacht wird. Aber das ist nicht so. Und da man nicht nur meckern, sondern auch tun muss, habe ich mir die Internetauftritte der Parteien angeschaut – und für mich kam nur Die Basis in Frage.
Was hat Sie denn überzeugt?
Anfangs die Nähe zu den Querdenkern. Aber auch das Prinzip der vier Säulen, das ganze Programm.
Wie kam es zur Kandidatur?
Die Kandidaten, denen ich es mehr zugetraut hätte, hatten Bedenken, dass ihre Kinder in der Schule beschimpft werden, dass die Partnerin oder der Beruf leiden. Sie hatten Angst. Die habe ich nicht. Ich habe nichts zu verlieren und bin nicht erpressbar.
Wie wird Ihr Wahlkampf aussehen?
Ich möchte den Menschen Die Basis vorstellen. Wir haben jetzt schon einige Infostände gemacht und weitere kommen. Dazu überlegen wir noch, was wir außerdem tun können, da aus einer vorbereiteten großflächigen Kampagne nichts wurde.
Sehen Sie realistisch betrachtet Chancen, das Direktmandat zu holen?
Der Kreis-Vorstand sagt, ich soll „Ja“ sagen (lacht). Ich habe wenig politische Erfahrung, aber ich habe das Herz auf dem rechten Fleck und ich bin ehrlich. Ich denke, in der heutigen Zeit ist das nicht unbedingt selbstverständlich in der Politik. Und bei meinen Begegnungen spüre ich: Die Menschen haben eindeutig die Nase voll. Wenn morgen gesagt würde, man muss nur Maske tragen, wenn man will, würden viele sie weglegen. Das gibt es auch bei anderen Sachen: Die Menschen fühlen sich verschaukelt.
Wie meinen Sie das genau?
Uns werden Wissenschaftler vorgeführt, von denen behauptet wird, sie hätten die einzige Wahrheit. Dabei gibt es im Internet so viel Gegenwind anderer Wissenschaftler, die jahrelang im Beruf sind. Beide Seiten müssten zumindest gegeneinander abgewogen werden. Und das passiert einfach nicht. Das ist unglaublich.
Die Basis wird dafür kritisiert, sich nicht klar gegen Rechts abzugrenzen, zum Beispiel bezüglich wohl holocaust-verharmlosender beziehungsweise antisemitischer Äußerungen der Bundestagskandidaten Reiner Fuellmich und Sukharit Bhakdi. Wie stehen Sie zu dieser Kritik?
Wofür sie sich positionieren ist, dass sie alle Menschen willkommen heißen, die für Freiheit und das Grundgesetz stehen. Da kann ich mich nur anschließen. Für mich ist es Blödsinn zu sagen, jemand ist ein Nazi, wenn er gleichzeitig aufsteht für Freiheit, Grundrechte, für Menschlichkeit, Ehrlichkeit und Wahrheit.
Sind Sie gegen das Coronavirus geimpft?
Nein. Ich war zuletzt sehr krank. Vermutlich hätte es mir den Rest gegeben, wenn ich noch eine heftige Impf-Reaktion gehabt hätte. Und: Wenn Geimpfte sehr wohl Corona bekommen und andere anstecken können, wofür soll ich mich impfen lassen? Das macht für mich keinen Sinn. Jeder muss selbst entscheiden, ob er die Impfung will. Aber der Druck, der über die Impfpflicht durch die Hintertür aufgebaut wird, ist immens. (Nicole Demmer)

Zur Person

Beate Gerke (57) wurde in Vaake (heute Reinhardswald) geboren, lernte sie nach dem Abschluss der Berufsfachschule Rechtsanwalts- und Notargehilfin. Darauf folgte eine weitere Ausbildung zur Sozialversicherungsfachangestellten. Nach Arbeitsstationen unter anderem in Frankfurt, Kaiserslautern und zuletzt 14 Jahre in Itzehoe hat es sie vor drei Jahren wieder nach Nordhessen verschlagen und sie ist in Witzenhausen-Dohrenbach mit ihren Katzen Flocke und Paul sesshaft geworden. Beate Gerke ist Rentnerin und „glücklich geschieden“, wie sie sagt. In ihrer Freizeit ist sie gerne kreativ, malt und gießt Betonfiguren. Außerdem backt sie gerne. (nde)

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