Strafkammer des Landgerichts Kassel hat entschieden 

Nach Messerattacke: Statt lebenslänglich sogar kürzere Haft

Kassel/Werleshausen. Die Täter der Messereattacke von Werleshausen müssen kürzer als ursprünglich in Haft. Das entschied am Freitag die 1. Strafkammer des Landgerichts Kassel.

Die Gefängnisstrafen für die Täter der Messerattacke von Werleshausen werden verkürzt. Nur noch zehneinhalb statt ursprünglich zwölf Jahre in Haft soll der Haupttäter, der im Mai 2014 einen heute 28-jährigen Mann nicht akut, aber lebensgefährlich mit 19 Messerschnitten verletzt hatte. 

Für seinen Auftraggeber, einen 25-Jährigen aus Rosenheim, der den neuen Freund seines früheren Geliebten ermordet wissen wollte, verkürzte die 1. Strafkammer des Landgerichts Kassel im Revisionsverfahren um sechs Monate auf sieben Jahre Gefängnis.

Damit scheiterte Staatsanwältin Angela Kleine-Kraneburg, die das neuerliche Verfahren betrieben hatte, um eine lebenslange Haft mit der Feststellung der besonderen Schwere der Schuld für den 35-jährigen Haupttäter zu erreichen. Sie sah eine „hohe kriminelle Energie“ bei den Männern, die über das so genannte Dark Web, ein versteckter Bereich des Internets, in Kontakt gekommen waren.

Doch das Schwurgericht schloss sich gestern der Sichtweise der 1. Instanz an, die den Tätern die vereinbarte Schmerzensgeldzahlung vergünstigend zurechnete. Auch der gleichaltrige Freund des Schwerverletzten hatte zwei Messerschnitte abbekommen, als er seinem Lebensgefährten bei dem Angriff in dessen Wohnung zu Hilfe eilte.

Strafmindernd für den Haupttäter wertete das Gericht schließlich das Geständnis des 35-Jährigen, der gestern einräumte, dass er nach dem ersten gescheiterten Mordversuch erneut aktiv werden wollte. Eine „Bereiterklärung zum Mord“ heißt das im Juristendeutsch. Dafür war der Angeklagte schon im ersten Verfahren im Januar 2015 verurteilt worden. 

Beiden Tätern wurde zugute gehalten, dass sie ihren Lohn, den sie durch die Arbeit in der JVA erhalten, an den Schwerverletzten abtreten. Das zeige die Ernsthaftigkeit ihres Bemühens um eine Wiedergutmachung, so Richter Jürgen Dreyer. (and)

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Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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