Seniorin feierte ungewöhnlichen Geburtstag

Aus der Ellerberg-Siedlung in Witzenhausen will die hundertjährige Auguste Feldmann nicht weg

Den 100. Geburtstag gut überstanden: Auguste Feldmann mit Sohn Rolf-Dieter, der eine Druckerei gründete.
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Den 100. Geburtstag gut überstanden: Auguste Feldmann mit Sohn Rolf-Dieter, der eine Druckerei gründete.

Auguste Feldmann aus Witzenhausen ist vor kurzem 100 Jahre alt geworden.

Witzenhausen – „Ich höre zwar nicht so gut, aber geistig bin ich voll da.“ Auguste Feldmann, vor wenigen Tagen 100 Jahre alt geworden, ist immer noch eine temperamentvolle Frau, die einiges über ein bewegtes Leben erzählen kann.

Auguste, geborene Heinemann, ist ein Kind der Witzenhäuser Altstadt und wurde in der Ermschwerder Straße groß. Erinnerungen hat sie an ihre Schulzeit „in der Steinstraße“ (Steintorschule).

Als junges Mädchen wollte Auguste Friseuse oder Verkäuferin werden, doch das war nicht möglich. Sie begann eine Ausbildung in der Hauswirtschaft bei der Familie Eduard Staffel, Eigentümer der Papierwerke. Sie war für alles zuständig, was so im Haushalt anfiel und sie betreute auch die Kinder.

Durch die Heirat kam sie in die Siedlung am Ellerberg, hier vollzog sich die erste Stadterweiterung Richtung Westen. Das Haus, in dem die Jubilarin wohnt, wurde 1935 vom Reichsarbeitsdienst errichtet. Ehemann August Feldmann hatte es aus dem Raum Rotenburg an die Werra verschlagen. Er wollte Musiker werden, doch der Krieg durchkreuzte die Pläne. Die Ehe wurde mitten im Krieg, im August 1942 geschlossen.

August Feldmann, der schon 1978 verstarb, war ein tapferer Mann: Bei Kriegsende schlug er sich zu Fuß von Russland in die Heimat durch.

Zunächst arbeitete er im Forst, dann als Hilfskraft bei der Papierfabrik Staffel. Hier schaffte er den Aufstieg zum Meister. Als das Unternehmen 1967 die Produktion einstellte, musste die Familie mit den Kindern Rolf-Dieter und Ingrid nach Alheim bei Hannover umziehen, um eine Arbeit zu finden. Nach der Rückkehr an die Werra hat Auguste ihr Leben in der Siedlung verbracht und in kleinem Maß immer Vieh gehalten. Aus der Ellerberg--Siedlung möchte die Hundertjährige auch nicht mehr weg. Ein Umzug ins Heim kommt für sie nicht in Frage.

Den Fall der Grenze hat Auguste nach Aussagen ihres Sohnes Rolf-Dieter bewusst erlebt, sie pflegte von je her Kontakte nach drüben, die leider 1989 einschliefen.

In der Innenstadt von Witzenhausen war die Jubilarin schon viele Jahre nicht mehr, sie ist an die Wohnung gebunden. Vom Autofenster aus konnte sie allerdings jüngste einige Eindrücke erhaschen: „Es ist alles total anders geworden.“

Daheim beschäftigt sich die Seniorin mit Zeitunglesen und Fernsehen. Ihr Stammplatz ist ein Sessel im Wohnzimmer. Hier gibt es auch eine Wand mit Bildern. Umsorgt wird sie vom Sohn und seiner Frau Heidrun, dem Pflegedienst und einer Haushaltshilfe. Zum Geburtstag gratulierten fünf Enkel und neun Urenkel. Der Nachwuchs bemalte ein Plakat für die Uroma: „Mutig, intelligent, unersetzbar, clever, nachdenklich.“ (Werner Keller)

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