Mit Bohrern und Strahlen in die Tiefe

Suedlink: Baugrunduntersuchungen im Werra-Meißner-Kreis laufen an

Auf einem Feld bei Eichenberg-Dorf rammte am Mittag ein Bohrteam im Beisein von Experten zur geologischen, bodenkundlichen und archäologischen Baubegleitung den Bohrer bis vier Meter in die Tiefe. Unser Bild zeigt die Brunnenbauer Patrick Müller (rechts) und Ronny Schön, wie sie einen der einen Meter langen Bohrkerne herausschlagen.
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Auf einem Feld bei Eichenberg-Dorf rammte am Mittag ein Bohrteam im Beisein von Experten zur geologischen, bodenkundlichen und archäologischen Baubegleitung den Bohrer bis vier Meter in die Tiefe. Unser Bild zeigt die Brunnenbauer Patrick Müller (rechts) und Ronny Schön, wie sie einen der einen Meter langen Bohrkerne herausschlagen.

Nun wird das Megaprojekt Suedlink hier erstmals sichtbar: An zunächst knapp 300 Punkten innerhalb der 100 Meter breiten Vorzugstrasse, die sich von Marzhausen im Norden bis Herleshausen im Süden durch den Werra-Meißner-Kreis verläuft, wird gebohrt.

Neu-Eichenberg – Nachdem schon Flora und Fauna auf diesem 60 Kilometer langen Band erfasst wurden und noch werden, folgen nun sogenannte Baugrunduntersuchungen.

Am Dienstag und am Mittwoch ging ein Bohrteam zunächst mit einem kleineren Bohrgerät an mehreren Punkten auf Feldern südlich von Eichenberg-Dorf bis in vier Meter Tiefe. Es holte nach und nach Bohrproben von jeweils einem Meter Länge an die Oberfläche. Die Proben wurden dann in eine Kiste eingeordnet und so für die weiteren Untersuchungen gesichert.

Heute soll ein größeres Bohrgerät eingesetzt werden. Insbesondere dort, wo die dicken Stromkabel nicht in offener Bauweise verlegt, sondern geschlossen durch den Untergrund getrieben werden sollen, wird auch viel tiefer probegebohrt – bis zu 30 Meter, wie Bürgerreferentin Hanna Jansky vom Netzbetreiber und Abschnitts-Bauherrn TransnetBW erläutert.

Die knapp 300 Punkte für die Probebohrungen wurden ausgewählt, um Erkenntnisse über das Erdreich zu gewinnen. Im Raum Neu-Eichenberg sind es 30.

Für die Untersuchung: Zweieinhalb von vier Meter des Ackerbodens sind schon als Bohrkernproben gesichert.

Konkret werde die Schichtung, die Zusammensetzung und Beschaffenheit des Bodens im Labor untersucht, dabei insbesondere auf Wassergehalt/Feuchtigkeitsgrad und Wärmeleitfähigkeit geachtet. Denn, so erklärt der die Bohrungen begleitende Geologe Benjamin Knapp, die Starkstromkabel gäben Wärme ab. Da wolle man wissen, wieweit sich diese fortpflanzt. Und mit der Untersuchung von Gestein, sollte man auf dieses im Untergrund stoßen, wolle man abschätzen können, welches Verschleißpotenzial dieses für die Bohrer hat.

Im Fall des großen Ackers in Sichtweite zum Gut Arnstein ging es laut Jansky auch um das Problem, dass keine Pläne von alten Dränagen mehr vorliegen.

Und wichtig sei für die Bauvorbereitung gerade auch, den Untergrund für das Unterqueren der Werra und der Straßen zu kennen, damit es „keine Überraschungen beim Bau“ gibt, so Jansky. Letztlich gehe es um „ein sicheres Bett“ für die Leitungen. Daher gibt es auch Ausschlusskriterien für den Fall, dass die notwendige Stabilität in der Erde fehle, beispielsweise wenn der Untergrund verkarstet ist.

Bis Ende des Jahres sollen die 300 Bohrungen abgearbeitet sein, weitere dürften im nächsten Jahr noch erfolgen. Das ziehe sich hin, weil vorher zunächst stets Genehmigung durch die Untere Naturschutzbehörde sowie den Eigentümer und den Pächter der jeweiligen Fläche vorliegen müsse, so Jansky. Außerdem werde auf die Witterung geachtet, nicht zuletzt, um Schäden beim Befahren der Felder zu vermeiden.

Parallel zu den Probebohrungen im Baugrund begannen in dieser Woche auch Untersuchungen zu archäologischen Denkmälern. Gestern waren zwei Grabungstechnikerin im Wechsel dabei, ein acht Hektar großes Feld nahe dem Witzenhäuser Stadtteil Unterrieden mit einem Geomagnetik-Gerät systematisch abzulaufen, um mit elektromagnetischen Strahlen Eisenteile, Hausgrundrisse und Gruben aus vergangenen Jahrhunderten zu erfassen und einzumessen. Bis in eineinhalb Meter Tiefe, „je nach Untergrund“, wie Archäologin Katrin Schreiner erklärte, wird das Erdreich auf Unregelmäßigkeiten „durchleuchtet“. (sff)

Blick in den Untergrund: Mit diesem Geomagnetometer mit fünf Sonden geht Grabungstechnikerin Katrin Schreiner ein Feld bei Unterrieden ab und dokumentiert dabei archäologische Auffälligkeiten im Boden.

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