Mit Gläsern und Dosen zum Einkauf

Tegut-Supermarkt in Witzenhausen eröffnet „Unverpackt-Station“

PR-Assistentin Johanna Ammermann und Filialleiter Harald Romeis stehen vor der neuen „Unverpackt-Station“ im Tegut Markt in Witzenhausen. Hinter ihnen sieht man die Dosierspender mit den Nahrungsmitteln.
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Wollen Verzicht auf Plastik beim Einkauf erleichtern: PR-Assistentin Johanna Ammermann und Filialleiter Harald Romeis präsentieren die neue „Unverpackt-Station“ im Tegut Markt in Witzenhausen.

Ab sofort können Kunden im Tegut-Markt in Witzenhausen unverpackte Lebensmittel einkaufen.

Es ist einer der ersten Supermärkte im Landkreis, der nicht nur – wie oft üblich – Obst und Gemüse plastikfrei anbietet: Aktuell umfasst das unverpackte Sortiment 117 Grundnahrungsmittel, von Reis und Nüssen bis hin zu Nudeln, Hülsenfrüchten und Süßigkeiten.

Wie aus einer Pressemitteilung des Unternehmens hervorgeht, sollen bis Jahresende mehr als 20 der insgesamt rund 270 Filialen den Service anbieten. Dabei soll das Sortiment allmählich auf 144 Produkte vergrößert werden.

Um die lose Ware einzukaufen, bringt man ein eigenes Gefäß mit oder verwendet die angebotenen Papiertüten. Bei mitgebrachten Behältern wiegt man diese zunächst ab, wobei ein Tara-Bon gedruckt wird. Dann füllt man sich die erwünschte Menge eines Lebensmittels aus dem Dosierspender ab, stellt den Behälter auf die Waage und scannt den Tara-Bon ein. Die Waage druckt nun den Bon für die Kasse aus. Verwendet man dagegen Papiertüten, wiegt man einfach die gefüllte Tüte ab.

Für Nachhaltigkeit: keine Plastikverpackungen und individuelle Mengen

PR-Assistentin Johanna Ammermann erklärt: „Die Einführung der Unverpackt-Station ist ein wichtiger Schritt in Richtung Nachhaltigkeit.“ Der Vorteil der Spender liege in der Möglichkeit, die Menge an Nahrungsmitteln genau und individuell zu dosieren und unnötige Plastikverpackungen einzusparen. Filialleiter Harald Romeis ergänzt: „Unverpackt Einkaufen, sofern es das Produkt zulässt, stellt sicherlich die Zukunft dar.“ Allgemein falle die Resonanz positiv aus – jedoch fehle zurzeit mit den Studenten coronabedingt ein wichtiger Teil der Zielgruppe. Verkaufsschlager seien bisher Haferflocken, rote Linsen und Gummibärchen.

Aufgrund der gegebenen Hygienevorschriften achte man besonders darauf, jeden Tag die Dosierspender zu desinfizieren, auch wenn diese beim Abfüllen kaum mit dem Behälter in Kontakt kämen.

Thema „Unverpacktes-Einkaufen“ beschäftigt die Händler

Auch die Konkurrenz befasst sich mit der Thematik: Tobias Brandl, Inhaber des Edeka Marktes in Hessisch Lichtenau, erklärt jedoch, dass die Produkte oft ohnehin aus Ein-Liter-Plastiktüten in die Spender gefüllt werden müssten – daher hielte sich der Nutzen für die Umwelt in Grenzen.

Der Bioladen Schachtelhalm Naturkost in Witzenhausen bietet schon länger unverpackt Nüsse und getrocknetes Obst an. Geschäftsführerin Birgit Albrecht sagt: „Manche Produkte eignen sich gut für den losen Verkauf in Spendern, andere dagegen kaum.“ Die Umsetzbarkeit solcher Konzepte sei für kleinere Läden logistisch schwierig. Man habe damit experimentiert, Getreide, Mehl und Waschmittel unverpackt anzubieten. Das Ergebnis war ein erheblicher Mehraufwand für die Mitarbeiter und eine Reduzierung des Sortiments zu Lasten der Kunden. Daher konzentriere man sich jetzt auf Produkte mit recycelbaren Verpackungen, in der Regel aus Papier.

Kommentar: Gut gemeint, doch auch durchdacht?

Die Idee, unnötige Plastikverpackungen einzusparen, ist richtig und sinnvoll. Was der Umwelt zugutekommt, sollte uns Menschen nur recht sein.

Es gehört Mut dazu, eine Bandbreite von über 100 Produkten in Dosierspendern anzubieten, immerhin ist es für den Kunden schneller und bequemer, einfach zur fertig verpackten Tüte zu greifen. Doch die Vorteile liegen auf der Hand: Die neue Unverpackt-Station bei Tegut bietet die Möglichkeit, individuell bestimmte Mengen eines Nahrungsmittels zu erwerben, und dies im eigenen Gefäß oder in einer recycelbaren Papiertüte, Zwei zu Null für die Nachhaltigkeit.

Andererseits müssen die Mitarbeiter die Spender täglich neu befüllen und aktuell sogar desinfizieren, was ein Kosten- und Zeitfaktor darstellt und sich damit auf den Preis niederschlagen dürfte.

Nun drängt sich die Frage auf, warum sich das Unverpackt-Sortiment lediglich aus Bioprodukten – zu stolzen Preisen – zusammensetzt. So kosten beispielsweise 100 Gramm unverpackte Bio-Haferflocken 49 Cent, ihr verpacktes Pendant dagegen umgerechnet 24 Cent, ebenfalls in Bioqualität. Ähnlich verhält es sich sowohl mit den roten Linsen, als auch mit den Gummibärchen.

Wollte man Studenten und idealerweise auch die breite Masse ansprechen, was Nutzen und Reichweite der Aktion vervielfachen würde, sollte man nicht Preise und Produktart überdenken? Sollte es wirklich nur Bio-Produkte unverpackt geben? Sonst spaltet sich die Gesellschaft wieder einmal, dieses Mal jedoch im Supermarkt am Dosierspender.

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