Mit Nähmaschinen fing es an

Das Unternehmen Schindewolf aus Witzenhausen existiert seit 100 Jahren

Hier fing alles an: Unternehmensgründer Theodor Schindewolf 1923 in dem Laden in Witzenhausens Innenstadt, wo er noch Fahrräder und Nähmaschinen verkaufte und reparierte.
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Hier fing alles an: Unternehmensgründer Theodor Schindewolf 1923 in dem Laden in Witzenhausens Innenstadt, wo er noch Fahrräder und Nähmaschinen verkaufte und reparierte.

Seit 100 Jahren gibt es die Firma Schindewolf in Witzenhausen. Am Anfang wurde da aber noch kein Benzin verkauft.

Witzenhausen – Mit dem Namen „Schindewolf“ verbinden viele Witzenhäuser heute eine Tankstelle und Werkstatt an der Kasseler Landstraße 2 am Ortsausgang Richtung Großalmerode. Benzin und Reparaturen waren aber nicht das ursprüngliche Angebot des Betriebs, dessen Geschichte sich heute zum 100. Mal jährt – und auch der Standort war ein anderer.

Angefangen hat es in der Innenstadt an der Walburger Straße 13, wo sich jetzt die HNA-Lokalredaktion befindet. Wie der heutige Besitzer Georg Schindewolf berichtet, stammte Gründer Theodor Schindewolf ursprünglich nicht aus Witzenhausen. Geboren und aufgewachsen war er in Frankershausen und verdiente am Anfang sein Geld als Schuhputzer in Kassel.

Seinen rund 80 Kilometer langen Arbeitsweg bestritt er dabei mit dem Fahrrad. 1921 machte er sich in Witzenhausen selbstständig: Zuerst verkaufte und reparierte Theodor Schindewolf Fahrräder und Nähmaschinen. 1927 kam die Autoreparatur dazu und drei Jahre später war er Fahrschullehrer.

Ende der 1940er Jahre kam dann der Umzug: Das Hauptgeschäft wechselte an seinen heutigen Standort. Damals gehörte die Werkstatt noch der Firma Ritzmühle, die Getreide lagerte und Mehl herstellte. Da die Besitzer die Werkstatt nicht mehr benötigten, vermieteten sie sie. Anfang der 1950er Jahre wurde dann die erste Tanksäule gebaut. Doch die Firma Schindewolf war damals in Gefahr, wie der heutige Besitzer erklärt: Die beiden älteren Kinder Georg und Anne-Lise waren selbstständig.

Der einzige verbleibende Nachfolger war der jüngste Sohn Karl-Heinz, der aber heimlich schon andere Pläne schmiedete. Er wollte mit seinem Kumpel in die USA auswandern und eine eigene Werkstatt aufmachen. Sein Freund war schon in Amerika und hatte bereits ein Ticket für ihn besorgt. Als seine Mutter Elisabeth das erfuhr, verbot sie es ihm gerade noch rechtzeitig. Die Nachfolge war somit sicher.

Obwohl Karl-Heinz Schindewolf noch andere Pläne verfolgte. Er besaß eine große Leidenschaft fürs Motorradrennfahren, wofür er Lehrgänge besuchte und dabei in München den Rennfahrer Georg Meier kennenlernte. Um seine Teilnahme zu vertuschen, gab er sie zuhause als normale Schulungen aus. Doch Mutter Elisabeth fand den Schwindel zufällig bei einem Anruf heraus. Nach einem kurzen Gespräch zwischen Mutter und Sohn erwähnte Karl-Heinz Schindewolf nie mehr ein Wort über seine Rennfahrerambitionen.

Unvorstellbar ist heute die frühere Bezahlung. Wie Georg Schindewolf berichtet, kam in den 1980ziger Jahren der Beleg noch an der Tanksäule heraus und der Kunde musste ihn mit zur Kasse nehmen, wo der Betrag erst in die Kasse eingetippt werden musste. Erst danach konnte bezahlt werden. Die Preisschilder waren damals noch nicht elektronisch und mussten in drei Metern Höhe auf der Leiter stehend ausgewechselt werden. Glücklicherweise, so der heutige Besitzer, war dies meistens nur zweimal die Woche nötig, heutzutage ändert sich der Preis mindestens zehn Mal am Tag.

1991 folgte dann der nächste Generationenwechsel: Karl-Heinz Schindewolfs mittlerer Sohn Georg übernahm das Unternehmen. „Wir kamen fast mit der Nachfrage in Verkauf und Reparatur nicht hinterher“, beschreibt er die Situation direkt nach der deutsch-deutschen Wende. Zusammen mit Ehefrau Renate kam der Abschleppdienst, der Anhängerverleih und der Gasverkauf dazu.

Im 100. Betriebsjahr ist nun Theodor Schindewolf, als Teil der vierten Generation, dazugekommen. Und wie kann es möglicherweise für den Betrieb weitergehen? „Ich kann mir gut vorstellen, dass die Zukunft in einer Wasserstofftankstelle und der Fokus der Werkstatt erstmal auf Elektroautos liegt“, sagt Georg Schindewolf. (Von Hendric Woltmann)

Auf 100 Jahre Firmengeschichte blicken mit Georg (links), Renate und Theodor die dritte und vierte Generation zurück.

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