Auto fährt in Kindergruppe

Schock und Betroffenheit nach Tod einer achtjährigen Schülerin in Witzenhausen

Kerzen, Kuscheltiere und Blumen vor der Mauer unterhalb der Kita Zwergenstübchen.
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Kerzen, Kuscheltiere, Blumen: Vor der Mauer unterhalb der Kita Zwergenstübchen wird die große Anteilnahme am Tod der achtjährigen Schülerin sichtbar.

In Witzenhausen fährt ein Autofahrer in eine Schülergruppe. Ein Mädchen stirbt, zwei weitere werden schwer verletzt. Trauer und Bestürzung bei Andacht in Gertenbach.

Gertenbach – „Jede einzelne Träne ist ein Gedanke an Dich“, steht an einer kleinen Stele mit einem Engel. „Dein Lachen erhellt nun einen anderen Ort“, hat ein Kind auf ein grünes Blatt Papier geschrieben. „Möge es Dir im Himmel gut gehen“, lautet der Wunsch unter dem gemalten Regenbogen auf einem anderen Blatt.

Auch mit annähernd 300 Kerzen, mit Dutzenden Teddybären und anderen Stofftieren, mit vielen Blumen und einigen Luftballons gedenken die Mitschüler, deren Eltern und andere Familien aus Gertenbach und Umgebung des achtjährigen Mädchens, das am Freitagmorgen in Witzenhausen auf dem Weg zur Schule von einem Auto erfasst und wenige Stunden später in der Uni-Klinik in Göttingen seinen schweren Verletzungen erlegen ist.

Witzenhausen: Achtjähriges Mädchen stirbt, zwei weitere Kinder schwer verletzt

Außer der Achtjährigen wurden noch zwei weitere acht Jahre alte Schülerinnen von dem Kleinwagen schwer verletzt. Sie befinden sich weiterhin in Krankenhäusern, ihr Zustand sei nicht lebensbedrohlich, hieß es schon am Freitag seitens der Polizei.

Nachdem das Unglück schon am Freitagvormittag zu großer Betroffenheit in dem knapp 1000 Einwohner zählenden Ort geführt hatte, verbreitete sich mit der Nachricht vom Tod der Achtjährigen am Freitagnachmittag eine Atmosphäre von Stille und Schock. Und sie erreichte auch die umliegenden Orte – von Blickershausen über Hübenthal bis Ziegenhagen –, weil nicht zuletzt auch von dort Kinder in die kleine Grundschule in Gertenbach gehen.

Extra Hinweis auf Kinder: Damit die Autofahrer auf der Ortsdurchgangsstraße besondere Rücksicht auf die Schul- und Kitakinder nehmen, ist für den Abschnitt bis zur Bahnunterführung Tempo 30 vorgeschrieben.

Auto fährt in Schülergruppe in Witzenhausen: Andacht mit 150 Menschen

Am Freitagabend fand an der Unglücksstelle kurzfristig schon eine Andacht durch Pfarrerin Heike Fehling statt. Unter den vom neuen Ortsvorsteher Lothar Heuckeroth geschätzten 150 Menschen, die teilnahmen, waren auch Landrat Stefan Reuß, sein Stellvertreter Dr. Rainer Wallmann und Witzenhausens Bürgermeister Daniel Herz samt Magistrat. Reuß und Herz haben auch über verschiedene Medien ihre Bestürzung und Anteilnahme veröffentlicht und dabei auch den Hilfskräften vor Ort gedankt sowie die Schulgemeinde in ihre Gedanken einbezogen.

Am Sonntagvormittag war die Dorfkirche dann proppenvoll, als aus der Andacht eine Art Gedenkgottesdienst wurde, bei der viele Tränen liefen. Das furchtbare Geschehen „geht jedem nahe“, sagt Heuckeroth. Er sieht auch in dieser starken Anteilnahme den enormen Zuspruch des gesamten Ortes für die Familie des verstorbenen Mädchens, was diese dankbar aufnehme. Von einer starken Dorfgemeinschaft, die der Familie vollen moralischen Rückhalt versichert, ist auch im örtlichen Einkaufsladen zu spüren und zu hören.

Witzenhausen: Appell an Eltern, ihre Kinder am Montag in die Schule zu schicken

Besonders gefordert ist auch das Team der Lindenhofschule. Dem noch am Freitag ergangenen Aufruf an alle Eltern, ihre Kinder am Montag zur Schule zu schicken („Kinder brauchen Kinder“), seien alle gefolgt, berichtete Schulleiterin Petra Heinemann. Am Freitag kamen bereits Experten wie Notfallseelsorger sowie Mitarbeiter des Schulpsychologischen Kriseninterventionsteams für die Kinder und Lehrerinnen in die Schule. Die Psychologinnen bleiben in dieser Woche in der Schule.

In der Schule wurde ein Erinnerungsraum für die verstorbene Schülerin eingerichtet, den alle Kinder jederzeit besuchen und dort Bilder, Gebasteltes und Ähnliches ablegen können. Nicht vergessen werden die beiden verletzten Mitschülerinnen, die im Krankenhaus liegen. Auch für sie wurden Bilder gestaltet und Genesungswünsche verfasst und bereits an deren Eltern überreicht. (sff)

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