Landgericht Kassel

Mordversuch und Körperverletzung: Urteil im Prozess um Brüder aus Hessisch Lichtenau

Polizei-Van steht vor dem Gebäude des Landgerichts Kassel
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In Hessisch Lichtenau wurde ein Mann von einem Auto angefahren. Der Fahrer wurde im Landgericht Kassel nun wegen versuchtem Mord und gefährlicher Körperverletzung verurteilt.

In dem Prozess um die Brüder aus Hessisch Lichtenau, die einen Mann an der Poststraße angefahren haben sollen, fiel im Landgericht Kassel das Urteil. Der Fahrer muss sieben Jahre ins Gefängnis.

Kassel/Hessisch Lichtenau – Der 40-jährige Fahrer des Tat-Wagens wurde wegen versuchten Mordes, gefährlicher Körperverletzung und gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr zu einer Freiheitsstrafe von 7 Jahren verurteilt. Sein 43-jähriger Bruder wurde freigesprochen. Der Jüngere muss zudem 3000 Euro Schmerzensgeld zahlen sowie den Schaden ersetzen, der bei dem Unfall entstanden ist.

Da das Motiv nicht genau geklärt werden konnte, läge die Freiheitsstrafe im niedrigen Bereich, erklärte der Vorsitzende Richter Volker Mütze das Urteil für den 40-Jährigen. Der Fahrer habe das Opfer aus Hass oder Vergeltung – das wisse man nicht genau – verletzen wollen und dabei in Kauf genommen, dass es sterben könnte. Auch die Aussagen einer Zeugin, die die Auseinandersetzung teilweise beobachtet habe, konnten die genauen Umstände nicht aufklären. Laut weiterer Zeugenaussagen ist es am Abend des 3. Juli 2020 an der Poststraße zu einem Streit zwischen den Brüdern, dem Geschädigten und seinem Bekannten gekommen. Nachdem sie sich gegenseitig geschubst und geschlagen haben, sind der 40- und der 43-Jährige mit ihrem Auto zunächst weggefahren. Dann wendeten sie, fuhren den Geschädigten sowie sein Auto an und flüchteten.

Der Verteidiger Dr. Sven Schoeller hatte in einer Stellungnahme im Laufe des Prozesses erklärt, dass der angeklagte Fahrer nicht aus Absicht gehandelt habe. Das Opfer habe seinen Bruder bei dem Streit mit einem Messer verletzt. Da der 40-Jährige seinen Bruder deshalb ins Krankenhaus bringen wollte, sei er schnell losgefahren und mit dem Auto des Opfers zusammengestoßen. Dabei sei der Geschädigte verletzt worden, da er neben dem Wagen gestanden habe.

Zudem sei der 43-Jährige ohnmächtig gewesen und habe seinen Bruder deshalb beim Lenken des Autos behindert. Der Vorsitzende Richter erklärte gestern, dass es laut des Befunds eines Rechtsmediziners keinen Grund gegeben hätte, weshalb der 43-Jährige in Ohnmacht gefallen sein könnte. Zudem habe der Geschädigte, als die Brüder auf ihn zufuhren, keine Beeinträchtigung beim Beifahrer gesehen.

Im Laufe der Urteilsbegründung deutete Mütze an, dass es eventuell ein weiteres Verfahren aufgrund eines anderen Sachverhaltes geben könnte. „Ich hoffe, dass es keine Telefongespräche zwischen den Angeklagten und Leuten außerhalb der JVA gab, bei denen Drohungen ausgesprochen wurden“, sagte er. Was damit genau gemeint ist, sagte er nicht. (Natascha Terjung)

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