Heimkehr in Zeiten von Corona

Münchener verlegen Home Office nach Roßbach und sammeln dort beim Wandern Müll

Sammeln Plastik und Flaschen beim Spaziergang: Der Münchner Sebastian Bader und die Londonerin Celeste Powers befinden sich im „Arbeitsurlaub“ bei den Eltern in Roßbach und sammeln bei ihren täglichen Wandertouren Müll in der Roßbacher Gemarkung ein.
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Sammeln Plastik und Flaschen beim Spaziergang: Der Münchner Sebastian Bader und die Londonerin Celeste Powers befinden sich im „Arbeitsurlaub“ bei den Eltern in Roßbach und sammeln bei ihren täglichen Wandertouren Müll in der Roßbacher Gemarkung ein.

Sonst leben sie in Metropolen, fürs Home Office in Corona-Zeiten sind Sebastian Bader und Celeste Powers zu Baders Familie nach Roßbach heimgekehrt. Vor Ort machen sie sich nützlich - mit Müllsammeln.

Wandern und Müll einsammeln – das haben sich Sebastian Bader aus München und Freundin Celeste Powers aus London zum Ziel gesetzt. Normalerweise arbeitet der gebürtige Roßbacher im Service einer großen Software-Firma und seine Freundin bei einem großen Reisedienstleister in London.

In Corona-Zeiten haben beide Homeoffice. „Als die Einschränkungen in Bayern immer enger wurden, haben wir uns noch vor der Kontaktsperre entschlossen, die Münchner Balkon-Wohnung zu verlassen und unsere beiden Homeoffice-Plätze im Einvernehmen mit meinen Eltern in Roßbach einzurichten“, sagt Bader. Und überraschenderweise sei das Internet hier sogar schneller als bei ihm in München.

Meistens machen sie vor ihrem Homeoffice-Job und nach dem Abendbrot eine etwa einstündige Runde in der Gemarkung. Am Wochenende gehen sie auch mal eine längere Tour.

„Zu Arbeitsbeginn haben wir dann schon mal frische Luft getankt und können voller Energie in den Tag starten“, so Bader. Als ihnen nach den ersten Tagen einiges an weggeworfenem Müll am Wegesrand auffiel, beschlossen sie, beim nächsten Mal eine Tüte mitzunehmen und den Müll einzusammeln. Mittlerweile ist es wie ein kleiner Sport – die Blicke wandern von links nach rechts, ins Gebüsch und in den Seitengraben. „Nach einer Stunde wandern ist die Tüte meistens voll und zusätzlich haben wir noch das gute Gefühl, etwas für die Umwelt getan zu haben“, so Bader. Er kennt das Müllsammeln als Jugendlicher, wo vom Dorf immer die Aktion „Saubere Landschaft“ ins Leben gerufen wurde.

Neben Prosecco und Schnapsfläschchen, Bonbonpapier, Zigarettenschachteln, Coffee-to-go-Bechern und viel Plastik finden sie auch öfter Hundekot im Beutel. „Das ist das Einzige, wovor wir uns wirklich ekeln“, sagt die gebürtige Amerikanerin und in London lebende Powers. Aber aufsammeln tun sie den Kot trotzdem.

Im Vier-Kilometer-Radius um Roßbach sind nunmehr fast alle Wanderwege vom Müll befreit. Für die Beseitigung des Mülls haben sie sich vom Bauhof der Stadt große blaue Müllsäcke beschafft, in der sie ihre täglich gesammelten Mülltüten entsorgen. Eine schöne Aktion, die auch andere verleiten könnte, den beiden „Arbeitsgästen“ aus München und London nachzueifern.

Noch schöner wäre es natürlich, die Verursacher würden ihren Müll einfach wieder mit nach Hause nehmen.

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