Guntram Pauli hat eine Mission

Musiker schreibt Protestlied gegen Windräder

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Sorgt sich um die Bevölkerung und Natur seiner Wahlheimat: Musiker Guntram Pauli, hier auf seinem Balkon in Gertenbach, engagiert sich in der BI Windkraftfreies Werratal.

Gertenbach. Guntram Pauli sieht sein Heimatdorf Gertenbach durch die geplanten Windräder bei Schloss Berlepsch bedroht. Deshalb hat er den Song "Bye Bye Kirschenland" geschrieben.

Seine Waffen sind Lieder und Leserbriefe: Der Musiker Guntram Pauli ist einer der öffentlichkeitswirksamsten Gegner der Windräder im Werratal. Vor 25 Jahren zog er aus Süddeutschland nach Gertenbach, jetzt hat er Angst um seine neue Heimat, weil auf einer Fläche der Familie von Berlepsch fünf Windräder gebaut werden sollen. „Die Spaltung der Bevölkerung macht mir dabei mehr Sorgen als der Infraschall durch die Windräder.“

Während andere Gertenbacher beschreiben, dass es im Ort Windkraftgegner gebe und Menschen, denen der Bau egal sei, schätzt Pauli die Lage bedrohlicher ein. „Die Spaltung geht schon durch Freundeskreise“, sagt er. Es komme zwar selten zu offenem Streit, vielmehr würden viele das Thema nicht mehr anschneiden. Komme es doch zur Diskussion, höre er die stets gleichen Argumente (Text rechts).

Über die Bürgerinitiative (BI) Windkraftfreies Werratal ist Pauli mit anderen BI gegen Windkraft vernetzt. „Ihre Erfahrung ist, dass da, wo die Windräder stehen, die Spaltung schlimmer wird“, sagt Pauli. Das Problem sei, dass einige Menschen finanzielles Interesse an den Windrädern hätten - auch wenn er das niemandem vorwerfe.

Den jüngsten Beschluss des Verwaltungsgerichts Kassel, das den Baubeginn der Berlepsch’schen Windräder erlaubt hat, bedauert Pauli - auch, weil die BI Heidi Rettberg bei ihrer Klage unter anderem finanziell unterstützt.

Er würde einiges tun, um die Bagger zu stoppen, sagt der Musiker. Sonst habe er nur wenige Möglichkeiten, die Öffentlichkeit aufzurütteln. Dazu hat er den provokanten Song „Bye bye Kirschenland“ komponiert, einen Abgesang auf eine durch Windräder zerstörte Region. 2015 habe man drei Infoveranstaltungen organisiert, eine weitere ist derzeit aber nicht geplant. „Im Grunde können wir immer nur wieder Leserbriefe schreiben“, sagt Pauli. Es fehle an Information in Bevölkerung, Presse und Politik über die negativen Folgen der Windkraft. „Es macht mich fassungslos, wenn ich merke, die Leute wollen das nicht wissen“, sagt Pauli. Selbst in die Politik zu gehen, schließt er aus. „Ich sehe, wie sich Menschen wie Heidi Rettberg da aufreiben.“

Der 63-Jährige, der in den 80er-Jahren „als Teil der Grünen-Ursuppe“ gegen Kernkraft demonstrierte, bilanziert: „Meine politische Heimat (Grüne) habe ich in dem Konflikt schon verloren, meine (Wahl)-Heimat Gertenbach bin ich im Begriff zu verlieren, und meine soziale Heimat hier geht ebenfalls peu à peu verloren.“

Der Song „Bye bye Kirschenland“

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