Schluss nach 27 Jahren

Musikkneipe Klampfe schließt für immer

Wirtin Helga Mischur steht an der Zapfanlage hinter der Theke in der Klampfe und lächelt in die Kamera.
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Die Klampfe ist zu: Wirtin Helga Mischur zapfte zum 25-jährigen Bestehen der Musikkneipe, im März 2019, noch das Bier.

Viele traurige Emojis waren die Reaktion auf einen kürzlich veröffentlichten Post von Klampfe-Wirtin Helga Mischur im sozialen Netzwerk Facebook. „Die Klampfe sagt tschüss, danke für die 27 tollen Jahre ...“, ist dort zu lesen. Und es stimmt. Seit dem 31. Dezember ist die Musikkneipe, über Jahre ein wichtiger Teil der Witzenhäuser Kulturlandschaft, offiziell dauerhaft geschlossen.

Witzenhausen – Für Helga Mischur war es keine leichte Entscheidung, ihr Lokal zu schließen aber die Vernünftigste: „Ich bin vor Kurzem 70 geworden und Corona hat es uns sehr schwer gemacht“, so die Wirtin. Das vergangene Jahr sei „katastrophal“ gewesen, sagt sie. Über den Sommer habe man sich noch irgendwie hangeln können, doch der erneute Lockdown und die damit verbundene Schließung hätten großen Schaden angerichtet. „Wir konnten in diesem Jahr keinerlei Reserven aufbauen und ich war in meinem Alter nicht bereit, einen Kredit aufzunehmen, um die Kneipe vielleicht noch ein oder zwei Jahre halten zu können“, bedauert die Klampfe-Chefin.

Einen Nachfolger habe sie leider vergebens gesucht: „Die Zeiten sich schwieriger geworden“, weiß Helga Mischur. Das Projekt Klampfe sei eher für jemanden das Richtige, der ein Hobby sucht, von den Einnahmen aber nicht leben muss. Erfolgversprechend fände sie ein völlig neues Konzept, das aber auch mit hohem finanziellen Aufwand verbunden und außerdem ein Risiko wäre. Dies sei sie nicht mehr bereit einzugehen.

Viele Künstler und Gäste sind traurig über den endgültigen Schlussstrich. Darum ist die Entscheidung ihr und ihrem Team auch nicht leicht gefallen: „Wir hatten viele schöne Jahre, die Schließung ist eine Entscheidung aus der Vernunft heraus, eine Entscheidung die getroffen werden musste“, sagt Helga Mischur. Es auszusprechen fällt ihr schwer. Ein Stammgast hat sich als Erinnerung an die schöne Zeit in seiner Lieblingskneipe die Thekenuhr gewünscht, um sie bei sich zuhause aufzuhängen.

Dieser Bitte ist Helga Mischur gern nachgekommen und hat das Erinnerungsstück bereits übergeben. Besonders bedauert sie, dass es ein stilles Ende war, die Klampfe einfach nach dem Lockdown nicht wieder öffnen wird. Ganz soll es das darum auch noch nicht gewesen sein. „Ich hoffe auf ein tolles großes Fest zum Abschied, vielleicht im Sommer“, sagt Helga Mischur. Natürlich mit viel Musik: „Einmal noch und dann war´s das.“

Ganz zurückziehen möchte sich die 70-Jährige aber nicht. Der Kulturgemeinschaft Witzenhausen will sie als Mitglied des Vorstands erhalten bleiben und sich weiterhin engagieren. „Ich bin nicht aus der Welt“, verspricht sie. Und völlig aufgegeben hat sie die Hoffnung auf einen Nachfolger noch nicht. Der müsste allerdings nicht nur die Klampfe übernehmen, sondern das Haus an der Brückenstraße kaufen, in dessen Erdgeschoß sich die Musikkneipe befindet.  (hbk)

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