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Nach Info-Abend in Unterrieden: Skepsis zum Suedlink bleibt

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Von: Friederike Steensen

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Viele Fragen hatten die rund 250 Besucher beim Info-Abend zur geplanten Suedlink-Trasse: Hier will die Ärztin Anita Schmidt-Jochheim von der BI „Gegenwind“ aus Groß Ellershausen wissen, ob die Erdkabeltrasse markiert wird, damit Menschen mit Herzschrittmachern gewarnt sind. Daneben steht Moderator Gerhard Müller-Lang. © Friederike Steensen

Das Interesse an der geplanten Starkstromtrasse Suedlink im Werra-Meißner-Kreis bleibt hoch: 250 Besucher wollten am Dienstag in Unterrieden die Positionen von Planern und Gegnern der Trasse hören.

Nach dem 90-minütigen Vortragsteil durften sie Fragen stellen – wir stellen einige davon vor.

„Wie schädlich ist die Trasse für Lebewesen?“, fragte eine Zuhörerin.

Die gesetzlichen Grenzwerte für Magnetfelder (500 Mikrotesla, µT) würden beim Suedlink (geplant: 85 µT) unterschritten, sagte Tim

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Tim Sommers, Bürgerreferent von Tennet © Friederike Steensen

Sommers von Tennet. „Die Grenzwerte schließen nach aktuellen Erkenntnissen Auswirkungen auf den Menschen aus.“ Kritik der BI „Werra-Meißner gegen Suedlink“, dass in anderen Ländern die Grenzwerte teils nur bei 100 µT lägen, wies Sommers zurück. Dabei handele es sich um „Vorsorgewerte“: Es sei empfohlen, aber nicht vorgeschrieben, diese einzuhalten. Detaillierte wissenschaftliche Erkenntnisse stellte er nicht vor, verwies aber auf die Universität Aachen, die auf einem Portal Studien zur Wirkung elektromagnetischer Felder veröffentlicht.

Bernd Lang (TransnetBW) ergänzte, dass das elektrische Feld von der Kabelverkleidung komplett abgeschirmt würde. An der Trasse entstünde durch den Gleichstrom nur ein statisches Magnetfeld, dessen Stärke dem der Erde (50 µT) ähnelt.

„Werden die Trassen markiert?“, fragte Anita Schmidt-Jochheim, die Probleme für Menschen mit Implantaten fürchtet.

Eine durchgehende Markierung der Trasse ist laut Sommers nicht geplant. Nur dort, wo Straßen gequert würden, seien Markierungen vorgesehen. Um zu verhindern, dass die Trasse versehentlich aufgebaggert wird, sollen über den Kabeln Warnbänder und -platten verlegt werden.

„Wo soll die Trasse genau verlaufen“, fragte Landwirtin Michaela Breun.

Das stehe noch nicht fest, versicherte Sommers. Tennet würde aber bereits Standorte für Unterbohrungen prüfen – auch auf die Gefahr hin, dass die Bundesnetzagentur (BNA) später einen anderen

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Angelika Perner,Bundesnetzagentur © Friederike Steensen

Korridor vorschreibt. Man sei von der eigenen gründlichen Planung überzeugt und bereit, das wirtschaftliche Risiko zu tragen. Angelika Perner (BNA) bestätigte, dass der Verlauf noch offen sei. Wenn im Beteiligungsverfahren Bürger gute Gründe gegen die geplante Trasse lieferten, könnten sich noch Änderungen ergeben. Das mochten viele Zuschauer nicht glauben, es gab höhnisches Gelächter.

„Wie lange soll das Kabel im Boden bleiben und wer zahlt den Rückbau?“, fragte ein Zuhörer.

„Wir wollen das Kabel 40 Jahre betreiben“, sagte Saskia Albrecht (TransnetBW). Entsprechend würden mit Grundstücksbesitzern Verträge über die Grunddienstbarkeit abgeschlossen. Ein Rückbau sei nicht geplant, was mit dem Kabel in 40 Jahren passieren soll, wolle man dann mit den Grundstückseigentümern absprechen. Falls ein Rückbau verlangt werde, würden Tennet und TransnetBW ihn bezahlen. Nachgewiesene Ernteausfälle sollen ebenso lange entschädigt werden, auch an Pächter, ergänzte Sommers. Überm Kabel soll Landwirtschaft möglich sein, eine Bebauung oder das Pflanzen tiefwurzelnder Bäume sei nicht erlaubt.

„Warum wird die Trasse nicht entlang der A7 verlegt“, fragte Waldemar Rescher.

Dort, wo eine Bündelung mit der von Norden nach Süden

Infoabend Suedlink Unterrieden, TurnhalleHerbert Albrecht-Vogelsang im Gespräch mit Bernd Lang von TransnetBW (links)
Wo soll die Trasse verlaufen? Herbert Albrecht-Vogelsang aus Neu-Eichenberg (rechts) im Gespräch mit Bernd Lang von TransnetBW (links). © Friederike Steensen

verlaufenden Trasse möglich sei, sei diese geplant, versicherte Sommers. Das ginge wegen der Lage von Orten, Flüssen oder Gebirgen aber nicht überall.

„Wie werden Eingriffe in die Umwelt kompensiert?“, fragte Heidi Rettberg.

Die BNA habe Tennet entsprechende Umweltschutzauflagen gemacht, sagte Perner. Im jetzigen Verfahrensschritt, der Bundesfachplanung, gehe es zunächst darum, einen 1000 Meter breiten Korridor festzulegen, in dem die 34 Meter breite Trasse verlegt werden darf. Probleme beim Bau und Kompensationen werden erst im folgenden Planfeststellungsverfahren geklärt, wenn die genaue Lage bekannt ist.  

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