Rat vom HNO-Arzt

Nasenbluten ist meist harmlos

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Meistens eine harmlose Bagatellerkrankung: Nasenbluten kann aber auch gefährlich sein.

Werra-Meißner. Kaum eine andere akute Erkrankung beschäftigt den Hals-Nasen-Ohrenarzt in seiner täglichen Praxis so häufig wie das Nasenbluten, das im Fachjargon „Epistaxis“ genannt wird.

Zu dieser meist harmlosen Bagatellerkrankung, die in seltenen Fällen aber auch sehr ernste Folgen haben kann, gibt es Antworten vom HNO-Spezialisten Dr. Jörg Brauneis.

Wie viele Menschen haben gelegentlich oder öfters mit Nasenbluten zu tun?

Mehr als 60 Prozent aller Menschen haben mindestens einmal im Leben ein akutes Nasenbluten. Viele davon sind häufiger betroffen, wenige sogar regelmäßig. Vermutlich nur sechs bis zehn Prozent der Patienten suchen einen Arzt auf, etwa 120 von 100 000 Einwohnern sogar eine Notfallambulanz. Von denen wiederum müssen circa sechs stationär in einer Fachklinik behandelt werden. Überwiegend sind das ältere Menschen ab 65 Jahren aufwärts. Männer sind häufiger betroffen als Frauen, und Erwachsene leiden öfter als Kinder und Jugendliche unter schweren Formen von Nasenbluten.

Wo genau in der Nase tritt der Blutverlust auf?

In den allermeisten Fällen – bis zu 95 Prozent – tritt das Nasenbluten an einem arteriellen Gefäßgeflecht der Schleimhaut in den vordersten Abschnitten der Nasenscheidewand auf. Das ist der Teil, den man auch mit dem Finger leicht erreichen kann. Nur selten wird die Blutung aus den hinteren Abschnitten der Nase beobachtet.

Was ist oder sind die Ursache(n) von Nasenbluten?

Häufigste Ursache ist die mechanische Verletzung des gefäßreichen Schleimhautbezirks – Stichwort: Nasenbohren. Andere Ursachen sind Unfälle (zum Beispiel ein Nasenbeinbruch), Blutgerinnungsstörungen vor allem bei Erwachsenen durch blutgerinnungshemmende Medikamente, Bluthochdruck, besonders bei Kindern Fremdkörper in der Nase, chronische Entzündungen der Nasenschleimhaut (wie eine trockene Nase) und – sehr selten – bösartige Tumore der inneren Nase.

Wie wird Nasenbluten behandelt?

Am Beginn sollte stets circa 15 Minuten lang das selbstständige Zusammendrücken beider Nasenflügel mit zwei Fingern gegen die Nasenscheidewand stehen.

Der sitzende Patient sollte sich dabei leicht nach vorn überbeugen. Vorher kann es sinnvoll sein, die Nase sanft auszuschnäuzen und einmalig ein abschwellendes Nasenspray zu verwenden, das die Gefäße der Schleimhaut verengt.

Hilfreich sei auch, eine eisgekühlte Kompresse in den Nacken zu drücken.

Was sollte man danach gegen das Nasenbluten tun?

Wenn nach diesen einfachen Maßnahmen die Blutung gestillt ist, müssen in den nächsten Stunden heftiges Schnäuzen und körperliche Anstrengungen vermieden werden.

In den folgenden Tagen empfiehlt sich eine HNO-ärztliche Untersuchung mit Blutdruckmessung, um die Ursache des Nasenblutens sicher zu klären.

Dies gilt besonders, wenn die Blutung wiederholt auftritt, und auch dann, wenn sie sich leicht durch Selbsthilfe immer wieder stillen lässt.

Wann ist ärztliche Hilfe sofort gefragt?

Kommt das Nasenbluten nicht zum Stehen, muss umgehend Hilfe in Anspruch genommen werden: entweder durch den Hausarzt oder den ärztlichen Bereitschaftsdienst, einen HNO-Arzt oder sogar den Notarzt.

Der Mediziner wird die Nase zunächst endoskopisch untersuchen, Blut und Blutgerinnsel absaugen und versuchen, die Quelle der Blutung zu identifizieren, was in fast allen Fällen auch gelingt. Dann geht er daran, die Blutungsquelle auf elektrischem Wege zu veröden.

Bei Kindern muss das Verfahren mit großer Zurückhaltung angewendet werden, weil im frühen Alter die Scheidewandknorpel noch sehr zart und verletzlich ist. Wegen der Schmerzhaftigkeit ist in diesen Fällen oft auch eine Narkose angezeigt.

Was, wenn eine Verödung nicht zum Ziel führt?

Dann muss eine Nasentamponade gelegt werden. Das bedeutet: Die Nase wird fest ausgestopft.

Für den Patienten ist das ein sehr schmerzhafter Vorgang, weshalb möglicherweise auch in diesem Fall eine Betäubung vonnöten ist. Die Tamponaden müssen gegen ein Abrutschen in den Rachen gesichert werden, weil sie sonst in die tiefen Atemwege gelangen können mit der Gefahr des Erstickungstodes. In der Regel ist deshalb eine stationäre Überwachung in einer HNO-Klinik erforderlich.

Und wenn selbst das nicht hilft?

In seltenen Fällen sind dann operative Eingriffe durch einen erfahrenen HNO-Chirurgen erforderlich, wie etwa die Unterbindung zuführender Blutgefäße. Weil es in den Krankenhäusern im Werra-Meißner-Kreis eine stationäre Notfallversorgung für HNO-Patienten nicht mehr gibt, kommen in der Nachbarschaft nur die HNO-Kliniken in Göttingen, Kassel und Bad Hersfeld in Betracht.

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