Besucherflut stresst Wildtiere

Naturschutzgebiet Freudenthal leidet unter Campern, Quad- und Motorradfahrern

Setzt sich für den Vogelschutz in Witzenhausen ein: Wolfgang Maronde. FOTO: MICHAEL CASPAR
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Setzt sich für den Vogelschutz in Witzenhausen ein: Wolfgang Maronde.

Während der Pandemie hat es viele ins Naturschutzgebiet Freudenthal gezogen. „Nicht alle Besucher hielten sich an die Regeln“, sagt Wolfgang Maronde, Ortsbeauftragter für Vogelschutz in Witzenhausen.

Freudenthal – Quad- und Motorradfahrer jagten quer durch das 78 Hektar große Gelände. Einige Gäste brachten Boote mit, die sie auf den beiden großen Kiesseen zu Wasser ließen. Hobbyfotografen schoben sich durchs Gebüsch, um einen guten Blick auf Vögel zu bekommen. Camper übernachteten im Wohnmobil, Werra-Kanuten zelteten in Flussnähe. Ausflügler veranstalteten Picknicks. Hundehalter führten ihre Vierbeiner nicht an der Leine.

„All das ist im Naturschutzgebiet verboten“, betont Maronde. Die Wildtiere würden gestört. Schon zu normalen Zeiten herrsche so viel Betrieb auf der Fläche, dass der Bruterfolg der Wasservögel ernüchternd gering sei. Selbst Höckerschwäne, Graugänse oder Haubentaucher hätten kaum Junge. Brütende Vögel fühlten sich sogar auf den Inseln der beiden Seen derart gestört, dass sie Gelege aufgeben würden.

„Abhilfe könnte eine Lenkung der Besucherströme schaffen“, meint der gelernte Landwirt, der heute im Naturkost-Großhandel tätig ist. Er regt die Anlage eines Rundwegs an. Dieser sollte zu einer Plattform mit Sichtschutzwänden führen. Von dort aus könnten Gäste Tiere beobachten, ohne sie zu stören. Andere Zugänge zum Gelände, etwa vom Fluss aus, gelte es weiträumig abzuriegeln. So ließen sich einzelne Bereiche ganz für Menschen sperren.

„Freudenthal ist ein Juwel, wo Besucher wunderschöne Naturbeobachtungen machen können“, schwärmt Maronde. Wer jedoch die vielen seltenen Vogelarten beobachten wolle, benötige ein gutes Fernglas. Eine Herausforderung sei zudem, die Tiere zu erkennen. Es verlange Fachwissen, um etwa Fluss- und Weißbart-Seeschwalben auseinanderzuhalten.

Zu beobachten gebe es, unter anderem Schwarzmilane, die tote Fische aus dem Wasser angelten. Weißstörchen habe die Obere Naturschutzbehörde eine Nesthilfe aufgestellt, die bisher allerdings noch nicht angenommen sei. Ein Platz für eine Fischadler-Nisthilfe habe sich bisher nicht finden lassen. Fisch-, und teilweise auch Seeadler seien bisher nur auf der Durchreise anzutreffen.

Rastende Zugvögel haben Maronde das Gebiet in einem anderen Licht erschienen lassen. „Ich habe mich früher über die vielen Brennnesseln geärgert“, erzählt er. Dann beobachtete er, wie sich in einem Jahr Zugvögel über die vielen Schnecken auf den Nesseln hermachten. Auf Steinen zerschlagene Schneckenhäuser türmten sich hoch auf.

Weiter aufwerten ließe sich die Fläche durch eine weniger intensive Bewirtschaftung der Äcker, sagt Maronde. Bauern müssten dort doch nicht unbedingt humuszehrenden Mais anbauen. Ausgebrachte Gülle führe dazu, dass Nährstoffe in den See gelangten, die dort wiederum die Algen blühen ließen. (Michael Caspar)

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