Behörde beantwortet Fragen zur Witzenhäuser Verkehrslage

Hessen Mobil: Neubau der Werrabrücke in Witzenhausen muss sein

Tauben fliegen über die Werrabrücke in Witzenhausen.
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So lebendig wie die Tauben sind auch die Diskussionen zum Neubau für die marode Witzenhäuser Werrabrücke. Viele Bürger fürchten den Schwerverkehr, der Stadt sind die Hände gebunden, weil Hessen Mobil als Vertreter des Eigentümers – des Bundes– auf die Umsetzung des Bundesfernstraßengesetzes pocht – und das hat einen freien, überörtlichen Güterverkehr als Ziel.

Die Verkehrssituation entlang der B 451 in Witzenhausen ist eines der umstrittensten Themen der Stadt. Wie sieht eigentlich Hessen Mobil die Lage, die für die Sanierung der Straße und den Brückenneubau zuständig ist?

Wie sieht die Planung zur Werrabrücke aktuell aus?
Die Voruntersuchung sei abgeschlossen, jetzt müsse es eine Abstimmung mit dem Baulastträger Bund geben, teilt Hessen-Mobil-Sprecher Joachim Schmidt auf Anfrage mit. Durch die Corona-Pandemie sei es zu Verzögerungen gekommen. Wenn die Bauwerkskonstruktion vorliege, folge die Bearbeitung des Vorentwurfs, danach das Planfeststellungsverfahren. Aktuell sei die Planung der Konstruktion noch nicht fertig.
Wie viel Verkehr wird für die B 451 erwartet?
Nach dem Brückenneubau geht man nach einer Verkehrsanalyse vom Büro LK Argus davon aus, dass im Jahr 2030 pro Tag 10 850 Autos, 380 leichtere Lastwagen (bis 12 Tonnen) und 790 schwere Lastwagen (ab 12 Tonnen) über die B 451/Schützenstraße fahren. Auf der neuen Brücke werden dann auf täglich 13 700 Autos, 390 leichtere sowie 880 schwere Lastwagen erwartet – dabei ist zu beachten, dass die Fahrzeuge auch über die Ermschwerder Straße weiterfahren können.
Kann angesichts der hohen Verkehrsbelastung für die B 451 eine Tonnagebeschränkung auf der Brücke eingerichtet werden?
„Eine Tonnagebeschränkung auf der neuen Werrabrücke würde im Konflikt mit der Widmung als Bundesstraße stehen“, antwortet Schmidt.

Im Bundesfernstraßengesetz (§1) heißt es zu den Aufgaben dieses Straßentyps: „Bundesstraßen des Fernverkehrs sind öffentliche Straßen, die ein zusammenhängendes Verkehrsnetz bilden und einem weiträumigen Verkehr dienen oder zu dienen bestimmt sind. “
Ist schon ein Baustart für die Brücke absehbar?
Nein, sagt Schmidt. Es gebe bei den einzelnen Planungsphasen zu viele Unwägbarkeiten.
Wie sind die Planungen für die Sanierung der B 451 mit den Brückenplanungen verzahnt?
Eine nachhaltige Entlastung der Ortslage vom überregionalen Verkehr könne sich nur durch eine Ortsumgehung Witzenhausen mit einer neuen Werrabrücke ergeben, räumt Schmidt ein. Aber: Zuständig dafür sei der Bund.
„Mit seinem Beschluss zum aktuellen Bedarfsplan für die Bundesfernstraßen vom Dezember 2016 hat der Bundestag eine Ortsumgehung Witzenhausen nur in der nachrangigen Planungsstufe „weiterer Bedarf“ eingeordnet und damit dem Land Hessen keinen Planungsauftrag erteilt“, erklärt Schmidt.
Der Bund habe Hessen Mobil nur mit dem Neubau der Werrarücke, dem Ausbau der B 451 innerorts und des Knotenpunkts „Hinter den Teichhöfen“ beauftragt. Für die beiden letzteren Projekte habe man eine Planungsvereinbarung mit der Stadt Witzenhausen abgeschlossen: Diese übernehme jetzt in Abstimmung mit Hessen Mobil die Planung (HNA berichtete). Die Kosten für die Straßensanierung trägt weiter der Bund – nur Städte mit mehr als 80 000 Einwohnern müssten laut Bundesfernstraßengesetz Sanierungen innerorts bezahlen.
Was wird aus dem Knotenpunkt Schützenstraße/Ermschwerder Straße?
Diese Kreuzung sei Teil der Planungen für den Ersatzneubau, so Schmidt. Ob ein weiterer Kreisel eine gute Lösung für diesen Bereich sei, stünde noch nicht fest.
Wäre zur Entlastung der Bevölkerung von Lärm entlang der B 451 Tempo 30 möglich?
Nur wenn die Grenzwerte an einem erheblichen Teil der Wohnhäuser überschritten würden und ein Tempolimit „das mildeste Mittel gegenüber dem Beschränkten“ – also dem Verkehr – sei. Dann könnte laut Schmidt zum Schutz der Bevölkerung vor Lärm die erlaubte Geschwindigkeit im Bereich der B 451 gedrosselt werden. Zuständig dafür wäre die Straßenverkehrsbehörde beim Werra-Meißner-Kreis.
Wäre ein Tempolimit noch nötig, wenn jetzt zwei Kreisel gebaut werden?
„Erfahrungsgemäß dämpfen Kreisverkehre im unmittelbaren Umfeld die gefahrenen Geschwindigkeiten“, berichtet Schmidt. Man könne aber nicht ausschließen, dass die Fahrer nach Verlassen des Kreisels stärker beschleunigen. Erst wenn die Kreisel gebaut, und geprüft sei, ob der Lärm dann die Grenzwerte überschreitet, könne der Kreis eine Entscheidung zur zulässigen Höchstgeschwindigkeit treffen.
Gäbe es die Möglichkeit einer Ortsumgehung durch die Wendershäuser Aue?
„Eine Ortsumfahrung würde zwar die Ortslage vom überregionalen Verkehr entlasten, jedoch keine adäquate Lösung für die innerörtlichen Verkehre als Werraquerung bieten“, sagt Schmidt. Nur eine neue Brücke in der Nähe der alten könne Nord- und Südstadt verbinden. Auch für den Busverkehr und Rettungsfahrzeuge müsse es eine direkte Querung über die Werra geben, um die Verbindungsfunktion und die Rettungszeiten einzuhalten.

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