EU-Programm soll bei Finanzierung helfen

Profi soll Marke retten: Witzenhausen will Kirschenanbau fördern

Blick von der Versuchsplantage des LLH auf Wendershausen.
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In den Kirschenplantagen rund um Witzenhausen soll wieder mehr Leben einkehren: Dazu wird beim Geo-Naturpark eigens eine Stelle geschaffen. Unser Bild entstand oberhalb von Wendershausen

Witzenhausen soll weiterhin Kirschenstadt bleiben - obwohl immer weniger der begehrten roten Früchte angebaut werden. Jetzt soll eine neue Stelle beim Geo-Naturpark für neuen Schwung suchen.

Witzenhausen – Das Bild der Kirschenstadt ist in Gefahr – denn gibt es immer weniger Betriebe in und um Witzenhausen, die noch im größeren Stil Kirschen anbauen. Gleichzeitig nimmt das Interesse von Touristen an Kirschblüte und -ernte zu. Zur Rettung von Witzenhausens wichtigstem Werbeträger hat das Stadtparlament jüngst beschlossen, eine eigene Personalstelle zum Erhalt und zur Förderung des Kirschenanbaus zu schaffen.

Sie soll beim Geo-Naturpark „Frau-Holle-Land“ als Institution zur Regionalentwicklung angesiedelt sein, eng mit der Tourist-Information (TI) Witzenhausen zusammenarbeiten und von der Stadt bezahlt werden – mithilfe des europäischen Regionalförderprogramms Leader. Über den Verein für Regionalentwicklung wird nun ein Förderantrag zur Finanzierung der zunächst auf zwei Jahre befristeten Teilzeitstelle gestellt. Beantragt wird ein EU-Zuschuss von 50.700 Euro, die Stadt müsste nur einen Eigenanteil von 16.900 Euro aufbringen.

Hintergrund ist auch die Neukonzeption der TI, sagt deren Geschäftsführer Johannes Siebold. Unter seiner Führung konzentriert sich das Team weniger auf das Ausrichten von Veranstaltungen, sondern mehr auf den Ausbau des Tourismus, auf regionale Erlebnismöglichkeiten und Spezialitäten – und dafür ist die Kirsche als Markenzeichen unverzichtbar. Gleichzeitig soll sich der Kirschenanbau für die Obstbauern auch wirtschaftlich tragen.

Die Aufgaben

Die neue Stelle hat deshalb mehrere Aufgaben:

- Die Lage der Haupt- und Nebenerwerbsbetriebe ermitteln, ein Netzwerk aufbauen und die Kooperation verbessern – etwa durch das Teilen von Maschinen oder Saisonkräften.

- Die Weiterverarbeitung der Kirschen zu Gelee, Saft und Co. fördern.

- Nischenmärkte für Bio- oder Sauerkirschen sowie alte Kirschsorten mit eigenen Konzepten erobern.

-  Neue Wege zur Vermarkung der Kirschen und Kirschenprodukte entwickeln, neue Nutzer finden.

- Touristische Angebote wie Plantagen-Führungen und Selbsternte-Möglichkeiten ausbauen.

Ziel ist es, sagt Dr. Sabine Budde vom Geo-Naturpark, die Stelle noch im Spätherbst zu besetzen. Gesucht werden Bewerber mit Erfahrung im Regionalmanagement.  (fst)

Kirschenanbau ging stark zurück

Vor 60 Jahren wurden bei Witzenhausen auf 400 Hektar Kirschen angebaut, es gab rund 800 Betriebe. Durch billige Importe, Schädlinge und strengere Vorgaben von Naturschutz und Einzelhandel wurde das für viele unrentabel, heißt es in der Projektskizze. Heute gibt es noch zwei Haupt- und 25 Nebenerwerbsbetriebe, die Anbaufläche liegt bei 100 Hektar. Auch die Erntemenge sank: In den 1990er-Jahren wurden bis zu 3500 Tonnen Kirschen pro Jahr geerntet, heute 1500 Tonnen. Viele kleine Betriebe fürchten, in den nächsten 15 Jahren keinen Nachfolger zu finden, so eine aktuelle Studie. (fst)

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