Bürger sind neugierig auf Flüchtlinge

Neue Unterkunft für Asylbewerber in Unterrieden

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Dicht gedrängt: Die 80 Stühle im Unterrieder Dorfgemeinschaftshaus reichten nicht für die Interessierten aus, die sich über die Flüchtlingsunterkunft informieren wollten. Landkreis-Mitarbeiterin Ilona Friedrich (2. von rechts) beantwortete Fragen, Ortsvorsteher Harald Ludwig (ganz rechts) hatte den Abend organisiert und betonte: „Die Situation ist für viele hier nicht leicht. Aber das schwerste Päckchen von allen tragen die Flüchtlinge.“

Unterrieden. Das Interesse an den neuen Dorfbewohnern ist groß: 100 Personen kamen am Montag zum Info-Abend zur neuen Asylbewerberunterkunft in Unterrieden.

Die Bürger zeigten eine große Offenheit und Hilfsbereitschaft gegenüber den Flüchtlingen. Bereits am Dienstag sind sie ins Hotel Garni an der Ludwigsteinstraße eingezogen. Wer genau kommen würde, habe man erst vergangenen Mittwoch per Fax vom Regierungspräsidium erfahren, erklärte die zuständige Fachbereichsleiterin beim Kreis, Ilona Friedrich.

Die neue Unterkunft ist vergleichsweise komfortabel: Jedes Zimmer hat ein eigenes Bad. „Das ist nicht immer so“, sagt Friedrich. Zudem steht in jedem Raum ein Kühlschrank, kochen werden die Flüchtlinge in einer gemeinsamen Küche. Die sozialpädagogische Betreuung übernimmt die Arbeiterwohlfahrt (Awo) Werra-Meißner. Mitarbeiter Torben Linde, der bereits in den Unterkünften in Witzenhausen und Neu-Eichenberg tätig ist, wird den Flüchtlingen in Unterrieden an einem Tag pro Woche zur Seite stehen.

Wie lange sie bleiben werden, sei unklar, sagt Friedrich. Asylanträge von Syrern etwa würden derzeit schnell anerkannt, bei anderen Nationalitäten könne das über ein Jahr dauern. Menschen aus Balkanländern, die mittlerweile als sichere Drittstaaten gelten, müssten wahrscheinlich wieder die Heimreise antreten.

Bis die Verfahren geklärt sind, sollen die Kinder die umliegenden Schulen und Kindergärten besuchen, die Erwachsenen dürfen sich mit gemeinnützigen Arbeiten 1,05 Euro/Stunde dazuverdienen. Für Sprachkurse stehe derzeit nicht genug Geld zur Verfügung, so Friedrich. Hier hoffe sie auf ehrenamtliches Engagement aus der Bevölkerung.

Die Unterrieder bieten bereits Hilfe an. So will etwa der Kirchenvorstand Sachspenden sammeln, eine Mutter dreier Kinder bot spontan an, Spielzeug zu stiften, Studenten könnten beim Anlegen eines Gartens helfen. Der Arbeitskreis Asyl will feste Treffen organisieren, damit sich die Helfer besser absprechen können - das würde Flüchtlingsbetreuer Torben Linde entlasten.

Nur wenige kritische Stimmen wurden laut. So fragte ein um die Sicherheit besorgter Mann, ob die Polizei nun häufiger Streife fahren würde. Das ist laut Friedrich nicht vorgesehen. Im Kreis habe es noch keine Übergriffe auf Flüchtlinge gegeben. Das Nebeneinander verschiedener Kulturen, nach dem ein anderer fragte, ist laut Torben Linde weniger konfliktträchtig als ein Nebeneinander von Familien und jungen Männern. „In Witzenhausen klappt das Zusammenleben aber gut. Man muss Begegnungen schaffen, um Vorurteile abzubauen.“

Zur Sache:

Der Werra-Meißner-Kreis soll im ersten Quartal 2015 insgesamt 181 Menschen aus dem zentralen Aufnahmelager in Gießen aufnehmen, 155 sind laut Ilona Friedrich schon eingetroffen. Sie geht davon aus, dass dem Kreis im zweiten Quartal eine ähnliche Zahl zugeteilt wird. Zwei Drittel aller Flüchtlinge sind in Gemeinschaftsunterkünften untergebracht, ein Drittel lebt in Wohnungen. Der Kreis bevorzugt eine dezentrale Unterbringung, bei der die Flüchtlinge auf den ganzen Kreis verteilt werden und es keine Massenunterkünfte gibt.

Wichtiger Baustein bei der Betreuung der Flüchtlinge ist das ehrenamtliche Engagement aus der Bevölkerung. „So können Konflikte oft schon im Vorfeld aus dem Weg geräumt werden“, sagt Awo-Mitarbeiter Torben Linde.

Wer die Flüchtlinge in Unterrieden unterstützen möchte, kann sich direkt an Linde, Awo-Kreischef Günter Engel oder die Awo-Geschäftsstelle in Witzenhausen, Tel. 0 55 42/55 10, wenden.

Damit die Flüchtlinge mobil sein können, werden noch gebrauchte Fahrräder gesucht. Sie können in der von der Diakonie betriebenen Fahrradwerkstatt RadHaus, Steinstraße 19, in Witzenhausen abgegeben werden. www.radhaus.org

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