Stadt plant Bauprojekte

Jahresausblick für Witzenhausen: Neuer Marktplatz, alte Sorgen

Viele Pflastersteine sind kaputt: Der Marktplatz in Witzenhausen soll ab dem Frühjahr endlich saniert werden. Die Platanen, für deren Erhalt viele Menschen demonstriert haben, bleiben.
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Viele Pflastersteine sind kaputt: Der Marktplatz in Witzenhausen soll ab dem Frühjahr endlich saniert werden. Die Platanen, für deren Erhalt viele Menschen demonstriert haben, bleiben.

Auch abseits der Corona-Pandemie stehen in diesem Jahr in den Kommunen im Nordkreis wichtige Themen an. Wir geben einen Überblick zum Jahresbeginn – heute: Witzenhausen.

Politik

Die Kommunalwahl am 14. März sorgt für eine neue Zusammensetzung der städtischen Gremien. Hauptamtsleiter Michael Zimmermann erwartet ein stark erhöhtes Briefwahlaufkommen – die Stadt will für 80 Prozent der Wahlberechtigten Briefwahlunterlagen bereitstellen.

Die letzte Sitzung des alten Stadtparlaments ist für 9. Februar geplant. Das neu gewählte Gremium konstituiert sich am 20. April. Die Ausschüsse werden am 11. Mai besetzt, erste „Arbeitssitzung“ des neuen Parlaments ist am 15. Juni. Bis dahin darf Bürgermeister Daniel Herz indes nicht allein regieren, der Magistrat arbeitet bis zur Neukonstituierung weiter.

Bauen

Zwei umstrittene Bauprojekte sollen 2021 Wirklichkeit werden: Im Frühjahr startet die Marktplatzsanierung, kündigt Herz an. Er ist zuversichtlich, dass ab Ende Mai/Anfang Juni auch die Fußgängerbrücke über die Werra bei Unterrieden gebaut werden kann: Der Bauzeitplan liege vor, die Aufträge werden jetzt ausgeschrieben.

Zudem soll ab März die Sanierung der Südbahnhofstraße abgeschlossen werden. Sie muss kurzzeitig voll gesperrt werden, um letzte Kabel zu verlegen. Bereits abgerechnet ist die Sanierung der Nordbahnhofstraße. Nach einer Verzögerung durch Fragen der Rechnungsprüfungsstelle erhalten die Anlieger bald die Bescheide für die Ausbaubeiträge. „Das Satzungsrecht gilt“, sagt Herz. Die Stadt müsse die Beiträge einziehen. Weil offen ist, wie die Stadt künftig mit Straßenausbaubeiträgen umgehen will und wie sich das Land dazu positioniert, sind weitere grundhafte Sanierungen von Straßen vorerst ausgesetzt.

Für die energetische Sanierung des Feuerwehrstützpunktes hat die Stadt nun ein Jahr länger Zeit, bis Dezember soll sie fertig sein. Derzeit arbeitet ein Fachplaner an einer Machbarkeitsstudie, wie auch das Innere des Stützpunkts so umgebaut werden kann, dass es den Vorgaben des technischen Prüfdienstes entspricht. Für den neuen Bauhof in Unterrieden hofft Herz auf einen Baubeginn zum Jahresende. Auch für das Freibad sind größere Sanierungen geplant.

Wohnen

Der Wohnungsmarkt ist angespannt, aber nicht so dramatisch wie 2020 befürchtet, sagt Herz. Es gebe Gespräche mit einem privaten Investor über ein Wohnungsbau-Projekt mit Holzmodulen. Derzeit fehlten vor allem für geflüchtete Familien größere Wohnungen. Häuser seien im Stadtgebiet kaum zu bekommen, Planungen für die Erweiterung des Baugebiets „Am Katharinenhof“ sollen starten. Aus dem angedachten Baugebiet am Warteberg wird dagegen nichts – die Regionalplanung erlaube das nicht, zudem dürfe der Hang nicht weiter versiegelt werden, weil sonst bei Starkregen Überflutungen drohen.

Wirtschaft und Verkehr

Weder für die neue Werrabrücke, noch zu den geplanten Kreiseln an der Oberburgstraße und der Walburgerstraße und der B 451 gebe es von Hessen Mobil neue Details, so Herz. Im Januar ist ein Vor-Ort-Termin zum Knotenpunkt B 451/Ermschwerder Straße/Schlagd geplant.

Eine Reaktivierung der Bahntrasse ins Gelstertal hält Herz für wenig realistisch: Die alte Bahnbrücke sei zu schmal, die Firmen im Gelstertal hätten kaum Interesse, der Verkehr würde nur zum nächsten Umschlagbahnhof Kassel oder Göttingen verlagert. Derzeit plane die Stadt keine Machbarkeitsstudie.

Offen bleibt die Nachnutzung des JD-Norman-Geländes und des alten Aldi-Gebäudes. Dessen Eigentümer habe eine Normenkontrollklage gegen die Stadt angestrengt, so Herz. Ein fast spruchreifer Verkauf der freien Fläche am B-80-Kreisel an einen heimischen Investor sei geplatzt, weil der Eigentümer nun einen höheren Preis verlange.

Stadtleben

Um der Graffiti-Flut Herr zu werden, plane man laut Herz ein Projekt mit einem Künstler, der einzelne Fassaden gestalte, aber auch Flächen für Sprayer biete – die dann hoffentlich andere Häuser in Ruhe lassen. Eine Finanzierung ist über den Verein für Regionalentwicklung angedacht, eine Entscheidung könnte im März fallen, so Herz.

Mitmachen kann man bald wieder beim Prozess „Witzenhausen 2030“ – zunächst wohl nur virtuell. Zudem plant Herz Videoformate bei Youtube zum Stadtumbau und weiteren Themen, um die Bürger besser mitzunehmen. Ob es dieses Jahr eine Kesperkirmes oder ein Erntefest gibt? „Ich kann es mir nicht vorstellen“, sagt Herz. (Friederike Steensen)

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