Kita "Haus der kleinen Freunde"

Spezielle Integrationsarbeit: So normal wie möglich leben

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Hat dank guter Betreuung gelernt, mit ihren Handicaps gut umzugehen: Pauline (11) ist ein Beispiel für die erfolgreiche Integrationsarbeit der Kindertagesstätte „Haus der kleinen Freunde“ in Witzenhausen. Darüber freuen sich Monika Winkelbach (von links, Leiterin der städtischen Kitas), Erzieherin Nadine Wettengel und Mutter Simone Thiele.

Witzenhausen. Die Kita "Haus der kleinen Freunde" in Witzenhausen bietet seit 25 Jahren spezielle Integrationsarbeit an.

So normal wie möglich, so besonders wie nötig - das ist seit 25 Jahren ein Leitmotiv der Kindertagesstätte „Haus der kleinen Freunde“ in der Ellerbergsiedlung in Witzenhausen. Es ermöglicht Kindern wie Pauline den Weg in ein Leben, das trotz vieler Einschränkungen so normal wie möglich ist.

Als Pauline 2008 in die Kita kam, konnte sie nicht richtig sprechen. Sprech-Dyspraxie nennt man ihre Erkrankung, bei der die Zunge Probleme hat, die richtigen Laute zu formen. „Sie hatte einen eigenen Singsang“, erinnert sich Erzieherin Nadine Wettengel. „Wir haben anfangs den Kindern oft übersetzt, was sie sagen will.“ In der Kita zeigte trotzdem niemand mit dem Finger auf Pauline. „Sie war immer total beliebt.“ Durch die Betreuung der Kinder mit Behinderung hätten die Erzieherinnen viel gelernt, berichtet Wettengel: „Wir haben gemerkt: Weniger kann mehr sein.“ Wenn es weniger Reize von außen, dafür aber mehr Ruhe und Rituale gibt, profitierten davon alle Kinder - mit und ohne Behinderung. Den Zusatz „Integrationskind“ tragen die Betroffenen nicht ihr Leben lang: Bei manchen Kindern wird erst in der Kita ein besonderer Förderbedarf festgestellt. Andere kommen als Integrationskinder, entwickeln sich aber später völlig normal. „Das ist ganz individuell“, sagt Wettengel.

Für jedes Kind muss mit den Eltern, behandelnden Ärzten, Therapeuten und Logopäden eine eigene Lösung gefunden werden. „Wie gut die Integration gelingt, steht und fällt mit dem Elternhaus“, betont Monika Winkelbach, Leiterin der städtischen Kitas. „Bei Integrationskindern ist eine viel engere Abstimmung nötig.“ Bei Pauline habe das sehr gut geklappt: „Ihre Eltern standen immer voll hinter ihr.“

Während die Kinder in der Kita Pauline völlig akzeptierten, sei es mit den Eltern schwieriger gewesen, sagt Paulines Mutter Simone Thiel. „Es gab vereinzelt Bedenken, manche Kinder durften in der Freizeit nicht mit Pauline spielen.“ Hinzu kam, dass Pauline auch an der Stoffwechselerkrankung Phenylketonurie (PKU) leidet, bei der Eiweiß nicht richtig umgesetzt wird. Sie darf daher nur bestimmte Lebensmittel essen - und das kann etwa bei Kindergeburtstagen schwierig werden. Die Erzieherinnen sind bei Fragen der anderen Eltern in der Zwickmühle: Sie unterliegen der Schweigepflicht, trotzdem ist die Information für das Verständnis wichtig. Haben Kinder sichtbare Behinderungen, sei der Umgang mit den anderen Eltern oft einfacher als bei Kindern, die hyperaktiv, laut oder aggressiv sind, sagt Wettengel. Dann gebe es auch schon mal einen Elternabend, um aufzuklären. In Paulines Fall habe es dagegen gereicht, Gespräche mit Simone Thiele zu vermitteln.

Heute ist Pauline elf Jahre alt und geht auf die Hirschbergschule (Rommerode). Sie hat viele Freunde, in ihrer Freizeit trainiert sie mit der Color Guard bei der Show- und Marching Band „The Devils“. An ihre Kita-Zeit erinnert sie sich gern: „Es war toll hier.“

Mehr zur Integration in der Kita lesen Sie in der gedruckten Freitags-Ausgabe der HNA/Witzenhäuser Allgemeine.

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