Notlandung im Wellenfluglager: Segelflieger abseits des Flugplatzes gelandet

Nach der Rückholung: Pilot Philipp Illerhaus (rechts) bedankt sich bei Thomas Meder, der den Segelflieger nach der Notlandung wieder aufsammelte. Den Piloten bot sich während des Fluges über den Wolken ein atemberaubender Ausblick (Bild rechts). Foto:  Lawrenz

Witzenhausen. Wer dieser Tage den Himmel nach dem Rentierschlitten des Weihnachtsmannes absuchte, bekam noch deutlich mehr zu sehen. Denn auf dem Flugplatz am Burgberg richtet der Luftsportverein (LSV) Witzenhausen ein Wellenfluglager aus.

Auch über die Weihnachtsfeiertage sind die zwölf Teilnehmer je nach Wetterlage unermüdlich am Himmel unterwegs.

Über 3500 Meter hoch schwebten die Piloten einen Tag vor Heiligabend, erzählt Organisator Thomas Meder. Philipp Illerhaus von der Akaflieg Frankfurt (Akademische Fliegergruppe der Universität Frankfurt) habe direkt über Witzenhausen 4000 Meter über dem Meeresspiegel erreicht. „Es wäre noch höher gegangen“, meint Meder. Aber für mehr Höhe habe es keine Freigabe von der Deutschen Flugsicherung gegeben.

Bereits seit 1959 veranstaltet der LSV laut Meder regelmäßig Sommerfliegerlager. Mit den Wellenfluglagern in der kalten Jahreszeit habe der Verein vor zwei Jahren begonnen. Das zieht nicht nur Vereinsflieger an: Aus allen Himmelrichtungen kommen Interessierte nach Witzenhausen - Braunschweig, Kassel und Hannover. Denn im Wellenflug können sie auch im Winter fliegen. Wenn der Wind auf einen Höhenzug trifft, entsteht hinter den Gipfeln eine für sie brauchbare wellenförmige Strömung. Damit kann ein Segelflugzeug immense Flughöhen erreichen und so hoch wie ein Verkehrsflugzeug steigen. Die Kraft der Welle trägt es nach oben.

Doch nicht immer ist starker Wind wirklich hilfreich. Das hat Illerhaus am Tag vor seinem Höhenflug erlebt. Gegen Windstärken von 80 bis 100 Stundenkilometern kam er im Segelflugzeug nicht an. Er musste eine Notlandung machen. „Man muss immer Leute haben, die einen in der Not zurückholen“ - diese Fliegerweisheit für den Notfall musste nun umgesetzt werden. Meder barg Illerhaus samt Flugzeug. Nur 15 Minuten dauerte die Fahrt bis zum Notlandeplatz mit dem Auto. Doch um das Flugzeug vom Feld zu holen, mussten die Piloten einen Trecker organisieren.

Mehr als zwei Stunden nach dem Notruf kamen sie mit dem Flugzeug im Anhänger wieder am Burgberg an. Über die Außenlandung tröstete Illerhaus am nächsten Tag sein Flug in 4000 Metern Höhe. Wenn der Wind wie erwartet von Südwest auf Ost dreht, ist es mit der Fliegerei laut Meder zu Ende. (zul)

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