Gespräch mit Miriam Gerke: Warum Witzenhausen Fair-Trade-Town werden will

Miriam Gerke, Geschäftsführerin der Pro Witzenhausen GmbH

Witzenhausen. Kirschenstadt ist Witzenhausen schon, nun soll es noch Stadt für fairen Handel werden. Seit kurzem arbeitet eine Gruppe daran, damit Witzenhausen das Siegel Fair-Trade-Town verliehen wird. Darüber sprachen wir mit Miriam Gerke.

Frau Gerke, was hat Witzenhausen davon, Fair-Trade-Town zu werden?

Miriam Gerke: Durch das Siegel erhält die Stadt eine weitere Vermarktungsmöglichkeit und kann das Image als ökologisch bewusste Stadt stärken. Durch den Uni-Standort mit den Ökologischen Agrarwissenschaften und seiner Geschichte gibt es seit langer Zeit sowohl eine große Nachfrage nach fair gehandelten Produkten als auch das entsprechende Angebot. Die Auszeichnung ist logische Konsequenz, um das, was seit vielen Jahren gelebt wird, nach außen deutlich zu machen.

Kostet das Siegel Geld?

Gerke: Nein, die Zertifizierung ist für die Stadt kostenfrei. Das bedeutet allerdings nicht, dass sie deswegen weniger Wert ist.

Wer kann mitmachen, damit Witzenhausen Fair-Trade-Town wird?

Gerke: Mitmachen können alle Einzelhändler, Gastronomen, Schulen, Kindergärten, Vereine und Kirchen, die fair gehandelte Produkte anbieten oder ausschenken. Aber auch die Stadtverwaltung beteiligt sich und schenkt bereits seit einiger Zeit nur noch fair gehandelten Kaffee im Büro der Bürgermeisterin aus. Bei allen Sitzungen politischer Gremien werden ebenfalls faire Produkte ausgeschenkt.

Wie kann man sich beteiligen?

Gerke: Jeder, der die Kriterien erfüllt, kann sich bei der Tourist-Information melden. Hier werden alle Informationen gesammelt und weitergeleitet. Darüber hinaus wollen wir einen Flyer erstellen, in dem alle Betriebe, Vereine und Institutionen aufgelistet sind, die faire Produkte anbieten. So bekommen Verbraucher sozusagen einen Leitfaden zum fairen Genießen an die Hand. Natürlich gibt es immer auch aktuelle Infos auf unseren Internetseiten.

Was haben Verbraucher und Geschäftsleute davon?

Gerke: Sie haben natürlich einen Imagegewinn, weil sie fair gehandelte Produkte anbieten. Darüber hinaus leisten sie ihren Beitrag dazu, dass Produzenten und Arbeiter faire Preise für ihre Arbeit erhalten und somit ihre Familien ernähren können. Und durch Fair-Trade-Produkte wird etwas gegen Kinderarbeit in den Anbauregionen unternommen. Nicht zuletzt können Geschäftsleute neue Kunden gewinnen, weil sie faire Produkte im Sortiment haben. Laut einer Studie gaben die deutschen Verbraucher im Jahr 2010 413 Millionen Euro für fair gehandelte Produkte aus. Das ist viermal mehr als vor sechs Jahren.

Als fair gehandelt werden nur Produkte aus dem Ausland ausgezeichnet. Produkte von regionalen Anbietern genügen doch denselben Kriterien.

Gerke: Fairtrade ist eine Strategie zur Armutsbekämpfung. Durch gerechte Handelsbeziehungen soll die Situation benachteiligter Produzentenfamilien in Afrika, Asien und Südamerika verbessert, die Binnenwirtschaft gestärkt und langfristig ungerechte Weltwirtschaftsstrukturen abgebaut werden. Regionale Produkte tragen oft Bio- oder Öko-Siegel. Natürlich werden auch bei der Herstellung von Fairtrade-Produkten derartige Maßstäbe angelegt. Der Unterschied ist, dass es sich bei Fair-Trade um ein Sozialsiegel handelt und regionale Produkte eher mit Umweltsiegeln ausgezeichnet werden. (clm)

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