1. Startseite
  2. Lokales
  3. Witzenhausen
  4. Witzenhausen

Gerda und Reinhard Schäfer feiern heute Diamantene Hochzeit

Erstellt:

Von: Christoph Cortis

Kommentare

Ein glückliches Paar: Gerda und Reinhard Schäfer nach ihrer Trauung am 11. Januar 1963. Repro: Chris Cortis
Ein glückliches Paar: Gerda und Reinhard Schäfer nach ihrer Trauung am 11. Januar 1963. Repro: Chris Cortis © Cortis, Christoph

Gerda und Reinhard Schäfer sind seit 60 Jahren verheiratet.

Witzenhausen – Vor mehr als 60 Jahren müssen die Moralvorstellungen im Witzenhäuser Rathaus etwas anders gewesen sein als heutzutage. Leidvolle Erfahrung machten damals Reinhard und Gerda Schäfer, als sie auf der Suche nach einem gemeinsamen Dach über dem Kopf bei der Verwaltung vorsprachen und abgewiesen wurden. Ohne Trauschein gebe es auch keine Wohnung, wurden die Verlobten beschieden. Ein Jahr später war das Paar am Ziel und feiert heute im Felsenweg Diamantene Hochzeit.

Der Weg dorthin war ein steiniger, erinnern sich die 89-Jährige und ihr drei Jahre jüngerer Ehemann, die beide aus Ostpreußen stammen – sie aus der Gemeinde Allenau, er aus Königsberg, das heute russisch ist und Kaliningrad heißt. Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges flohen sie jeweils mit ihrer Mutter vor der heranrückenden Roten Armee. Da hatte das Einzelkind Gerda, geborene Florian, den Papa schon im Krieg verloren.

In Danzig hat sie sich mit ihrer Mutter in einem Hühnerstall versteckt, „vor den Russen, die sich die Frauen griffen“, wie sie erzählt. Sie war schon eine junge Dame, als sie mit 25 Jahren im Aufnahmelager Friedland landete. Das war 1958, jenes Jahr, in dem sie ihren späteren Mann kennenlernte, nachdem sie in Witzenhausen zunächst in einer Gaststätte arbeitete und dann mit Familienanschluss als Haushaltshilfe bei einem Augenarzt unterkam. Der gestattete zwar Herrenbesuch, aber nur für eine begrenzte Zeit. Abends ab zehn Uhr war für Gerda und Reinhard Schluss mit lustig.

Danzig war auch Zwischenstation auf der Flucht von Reinhard und seinen beiden älteren Brüdern. Auf dem Schoß seiner Mutter ging es mit einem Militärfahrzeug der Wehrmacht über die Weichsel. Noch im Ohr hat Schäfer die Schüsse der Russen, die das Feuer eröffneten, nachdem die Fliehenden das westliche Ufer erreicht hatten und unmittelbar danach die Deutschen die Brücke in die Luft sprengten.

Weil die Tante bereits in Witzenhausen Zuflucht gefunden hatte, landeten auch Reinhard und Anhang in der Kirschenstadt. Unterdessen war der Papa als Soldat in Italien in amerikanische Kriegsgefangenschaft geraten, kam aber nach einem Jahr wieder frei, so dass die Familie wieder komplett war.

„Es war Liebe auf den ersten Blick“, beteuern beide, und vor die Entscheidung gestellt, würden sie auch heute wieder Ja zueinander sagen. Gleiches Schicksal und gleicher Geschmack – von den Königsberger Klopsen bis zum Teppichmuster – habe sie zusammengeschweißt. Zu ihrem Ehrentag gratulieren ihnen heute Tochter Elke (58) und Sohn Peter (56), drei Enkelsöhne und Urenkelchen Mia (7) - „unser Goldstück“.

Glückwunsch gibt’s auch von unserer Zeitung, die Gerda und Reinhard über Jahrzehnte ausgetragen haben und Sohn Peter noch heute zuverlässig in die Briefkästen steckt. (zcc)

Sagten vor 60 Jahren Ja: Gerda und Reinhard Schäfer, die vier Monate später auch kirchlich heirateten.
Sagten vor 60 Jahren Ja: Gerda und Reinhard Schäfer, die vier Monate später auch kirchlich heirateten. © Chris Cortis

Auch interessant

Kommentare