Klinikum Werra-Meißner richtet weitere Station ein

Sechs Corona-Patienten aus Witzenhausen in Orthopädische Klinik verlegt

Blick auf die Orthopädische Klinik in Hessisch Lichtenau.
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Hier werden nun Covid-Patienten versorgt: Die Orthopädische Klinik in Hessisch Lichtenau hat Station 7 dafür freigeräumt. Sie befindet sich im Bild hinten links, hinter dem Flachbau. Das das Gebäude von den anderen baulich getrennt ist, seien die anderen Stationen besser geschützt, sagt Thomas Lange, Sprecher von Lichtenau e.V..

Weil die Zahl der mit dem Coronavirus infizierten Patienten im Werra-Meißner-Kreis steigt, hat das Klinikum Werra-Meißner erstmals Covid-Patienten in die Orthopädische Klinik nach Hessisch Lichtenau verlegt.

Werra-Meißner – Sechs Patienten, die bislang in Witzenhausen auf der normalen Isolierstation behandelt wurden, wurden in speziell ausgerüsteten Rettungswagen von Personal in Schutzausrüstung im Laufe des Donnerstags in die Orthopädische Klinik nach Hessisch Lichtenau gebracht, berichtet Florian Künemund, Sprecher des Klinikums Werra-Meißner. Dort hatte man sich im Vorfeld intensiv auf die mögliche Aufnahme von Covid-Patienten vorbereitet und ein Sicherheitskonzept ausgearbeitet, berichtet Pressesprecher Thomas Lange. Station 7 sei nun für die Covid-Patienten vorbehalten. „Die Erkrankten werden isoliert behandelt, Kontakt mit anderen Patienten und Bewohnern der Einrichtungen auf dem Mühlenberg gibt es also nicht.“

Im Pandemiekrankenhaus in Witzenhausen können auf der Normalstation grundsätzlich bis zu 60 Covid-Patienten behandelt werden. Wie Klinikumssprecher Florian Künemund berichtet, war die dortige Station 2 bereits ziemlich voll belegt. Am Freitagmorgen wurden dort 28 Patienten behandelt. Eine Verlegung von Patienten nach Hessisch Lichtenau sei zwar noch nicht zwingend notwendig gewesen. „Aber es verschafft uns etwas Zeit und Freiraum“, so Klinikum-Chefarzt Marco Lubitz. Da wegen der Corona-Ausbrüche in mehreren Pflegeheimen im Landkreis ein weiterer Anstieg der Fallzahlen zu erwarten sei, werde nun auch die Station 3 in Witzenhausen für die Versorgung von Covid-Patienten freigeräumt. „Wir werden die Nicht-Covid-Patienten dort zum Großteil entlassen oder aber nach Eschwege verlegen, um dann hier in Witzenhausen mehr Kapazitäten zu haben“, erklärt Lubitz.

Bei Fragen ans Bürgertelefon wenden

16 neue Corona-Fälle wurden bis Freitag im Landkreis bestätigt, insgesamt sind 232 Personen positiv auf eine Corona-Infektion getestet. 147 Menschen haben sich in den vergangenen sieben Tagen nachweislich infiziert, 690 Menschen sind in Quarantäne. Seit Beginn der Pandemie sind 21 infizierte Kreisbewohner verstorben.

Die Kreisverwaltung bittet, bei Fragen nicht das Gesundheitsamt, sondern das Bürgertelefon anzurufen: Tel. 0 56 51/33 55 80 (Mo-Fr, 8.30-12 Uhr). Die Mitarbeiter des Gesundheitsamts sind derzeit sehr beansprucht, weil sie täglich bei allen fas 700 in Quarantäne befindlichen Menschen anrufen und sich nach dem Gesundheitszustand erkundigen müssen. (fst)

Laut der Kreisverwaltung gibt es derzeit in fünf Seniorenheimen im Landkreis Corona-Fälle. Die Covid-Patienten, die derzeit im Klinikum behandelt werden, sind im Schnitt 80 Jahre alt, berichtet Künemund. Derzeit sei noch ein Patient aus Südhessen im Klinikum, sowie ein weiterer aus dem Schwalm-Eder-Kreis.

Ziel: Kollegen helfen

Die Abstimmung des Klinikums Werra-Meißner und der Orthopädischen Klinik in Hessisch Lichtenau bei der Behandlung von Covid-19-Patienten lief offenbar schnell und unkompliziert ab. „Hessisch Lichtenau hat Montag Hilfe angeboten, am Donnerstagmorgen haben wir die Verlegung beschlossen und im Lauf des Donnerstags schon alle sechs Patienten verlegt“, sagt Florian Künemund, Sprecher des Klinikums Werra-Meißner, auf Anfrage. „Die Versorgung von Covid-Patienten auf der Intensivstation wird weiter nur in Witzenhausen stattfinden.“

In Hessisch Lichtenau sollen nur normalstationäre Patienten betreut werden. Bei steigenden Fallzahlen könne es sein, dass die Orthopädische Klinik im Dezember oder Januar häufiger aushelfen müsse. „Die Aufnahme dieser Menschen ist aus diakonischer, humanitärer und auch kollegialer Sicht zwingend nötig“, so Matthias Adler, Geschäftsführer der Orthopädischen Klinik. Sie stellt dafür insgesamt 16 Betten. Bereits ab 16. März habe man laut Sprecher Thomas Lange Betten freigehalten und Personal für die Versorgung von Covid-Patienten geschult. Als die bundesweiten Vorgaben durch Verordnungen des Landes abgelöst wurden, habe man sich auf Patienten ohne Covid-Infektion konzentriert. Mit der erneuten Verschärfung der Lage in der Region halte man wieder Betten bereit – obwohl die Klinik dafür keinen finanziellen Ausgleich mehr erhalte: „Wir werden bei leeren Betten auf unseren Kosten sitzen bleiben – was wir natürlich im Sinne der Bevölkerung hoffen“, sagt Adler.

Auch die ärztliche Direktorin Dr. Marion Saur sieht keine Alternative zur Aufnahme der Covid-Patienten. „Die weltweite Lage zeigt, was bei einer Überlastung des Gesundheitssystems passieren kann. Wir können mit der Aufnahme der sechs Patienten unseren Beitrag leisten.“ Die Klinik sei zwar nicht auf solche Fälle spezialisiert, aber die Mitarbeiter seien qualifiziert. „Zudem haben wir im Zentrum für Para- und Tetraplegie regelmäßig mit Patienten mit Querschnittlähmung zu tun, die teils auch beatmet werden müssen“, so Lange. Daher hätten die Mitarbeiter entsprechende Erfahrung. Mit Fördermitteln des Landes habe man zusätzliche Behandlungs- und Beatmungskapazitäten geschaffen.

Behandlung ist personalintensiv

Die Betreuung von Covid-Patienten ist sehr personalintensiv – und Mitarbeiter von den Isolierstationen werden derzeit auch nur dort eingesetzt, so Künemund. In Witzenhausen versorgen derzeit etwa 70 Ärzte und Pflegekräfte im Schichtbetrieb Covid-Patienten in Eschwege betreuen einige Mitarbeiter eine Isoliereinheit für Covid-Verdachtsfälle, zudem sind die Hygieneabteilung und das Reinigungspersonal derzeit besonders gefordert.

Während der ersten Welle wurden im Klinikum maximal vier Intensiv-Patienten zeitgleich behandelt, insgesamt gäbe es in Witzenhausen acht Beatmungsplätze. Sechs weitere Betten könnten zu Intensivbetten umgerüstet werden – allerdings ohne die Möglichkeit der Beatmung, so Künemund. (fst)

Landkreis sucht Helfer für Impfzentrum

Bei der Kreisverwaltung laufen die Telefone heiß, seit bekannt wurde, dass das Impfzentrum für den Werra-Meißner-Kreis am Oberstufengymnasiums in Eschwege entstehen soll. Laut Kreissprecherin Sylvia Weinert hätten viele Menschen Fragen zur Impfung, es gebe auch Hilfsangebote. Der Kreis und das Klinikum Werra-Meißner suchen Helfer, die die Berechtigung zur Verabreichung von Impfstoffen haben – etwa aktive oder im Ruhestand befindliche Ärzte, medizinische Fachangestellte oder Pflegepersonal. Auch werden Mitarbeiter für administrative Tätigkeiten gesucht. (fst)

Kontaktaufnahme: per E-Mail mit dem Betreff „Impfzentrum“an bewerbung@klinikum-wm.de

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