Mehr Arbeitsplätze, stärkerer Zuzug

Pandemie ist Chance für Werra-Meißner-Kreis

Die Initiatoren des Projekts: Kurt Gebhardt (von links), Silvia Hable und Ribana Bergmann.
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Die Initiatoren des Co-Working-Space in Witzenhausen: Kurt Gebhardt (von links), Silvia Hable und Ribana Bergmann.

Die Corona-Pandemie ist für den Wirtschaftsraum Werra-Meißner eine Chance. Im Kreis könnte man von Start-Up-Unternehmen, Zuzug und Co-Working profitieren.

Werra-Meißner – Davon geht Dr. Lars Kleeberg, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft (WFG) in seinem Jahresbericht aus. Start-Up-Unternehmen, Zuzug und Co-Working seien Trends, von denen der Landkreis profitieren soll. Insgesamt habe Corona den Landkreis nicht zurückgeworfen. Die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze ist seit 2016 kontinuierlich gestiegen (+4,5 Prozent). Durch einen guten Branchenmix, der viele Arbeitsplätze im Dienstleistungssektor und im Gesundheitswesen bereithalte, sei man vor Ort kaum in Schieflage geraten. Lediglich JD Norman in Witzenhausen und Nafatec in Sontra hätten stark gelitten. JD Norman musste aufgeben, Nafatec konnte durch einen strikten Sanierungsplan und der Halbierung der Arbeitsplätze von 80 auf 40 gerettet werden. Die Automobilzulieferer hatten aber schon vor der Pandemie Sorgen.

Ein Großteil der Beratungen, die die WFG im vergangenen Jahr angeboten hatte, drehten sich nicht um Corona. 412 der Gespräche mit Unternehmern hatten nichts mit der Pandemie zu tun. 180 Gespräche drehten sich ausschließlich um Corona. „In erster Linie haben wir bei der Beantragung von Coronahilfen unterstützt“, sagt Kleeberg. Inzwischen seien alle, die die Soforthilfen beantragt haben, auch bedacht worden. „Während der ersten Welle haben die Betriebe lange auf die Hilfen gewartet – teilweise acht bis zehn Wochen“, berichtet Kleeberg. Inzwischen habe der Bund aber deutlich nachgebessert.

Was Unternehmen während der Pandemie bemerkt haben: Nicht jeder Arbeitsplatz vor Ort sei notwendig. Vieles funktioniere auch im Homeoffice. „Dadurch werden beispielsweise Büroräume frei, die man für Co-Working-Aufgaben nutzen könnte“, sagt Kleeberg. Denn solche Arbeitsplätze würden verstärkt nachgefragt werden, weil der Zuzug in den Kreis immer weiter zunehme. Schon jetzt sei Wohnraum in zentral gelegenen Kommunen wie Neu-Eichenberg, Bad Sooden-Allendorf oder Hessisch Lichtenau knapp. „Diesen Trend müssen wir abgreifen.“ (Tobias Stück)

74 Millionen Euro Corona-Hilfen vermittelt

Im Geschäftsjahr 2020 hat die Wirtschaftsförderungsgesellschaft zahlreiche Fördermittel- und Finanzierungsberatungen mit Unternehmen aus dem Kreis geleistet. Dabei sind 2, 8 Millionen Euro an Zuschüssen in die Betriebe geflossen, Kredite und Bürgschaften über 65 Millionen wurden abgeschlossen und fast 74 Millionen Euro an Coronahilfen sind durch die Vermittlung der WFG in den Kreis geflossen. (ts)

Tante-Erma-Laden in Witzenhausen wird Co-Working-Space

Der „Tante Erma“-Laden an der Ermschwerder Straße ist jetzt ein Co-Working-Space. Darin können Menschen mit verschiedenen Berufen in einem Büro arbeiten.

Witzenhausen – Wer möchte, kann das Projekt heute, von 9 bis 16 Uhr, in verschiedenen Workshops kennenlernen. Die Arbeitsplätze im „Tante Erma“-Laden können danach für eine Woche kostenfrei genutzt werden. Das Projekt wurde von der Initiative Wizzard ins Leben gerufen und wird über das Projekt Wirtschaftsförderung 4.0 des Wuppertalinstituts und der Stadt Witzenhausen gefördert. „Wir wollen einen Ort zum gemeinsamen Arbeiten und Austauschen schaffen“, sagt Ribana Bergmann von der Initiative. Der Raum sei für Freiberufler, Selbstständige sowie Angestellte zugänglich und biete eine Alternative zum Homeoffice. „Das ist eine Möglichkeit, um aus der Einsamkeit des Homeoffice heraus wieder in Kontakt zu kommen“, sagt Ribana Bergmann.

Zunächst ist der „Tante Erma“-Laden als Büroraum gedacht, kann aber je nach Bedarf verändert werden. Das soll mithilfe eines Fragebogens und durch den Austausch mit den Besuchern ermittelt werden. Dabei erhofft sie sich vor allem Ideen dafür, wie der Co-Working-Space in Witzenhausen künftig aussehen soll. Vorstellbar wären auch offene Werkstätten, wo verschiedene Handwerker zusammenkommen und an gemeinsamen Projekten arbeiten können. „Dafür brauchen wir aber größere Räume“, sagt Kurt Gebhardt von Wizzard. Deshalb will die Initiative nach der Probewoche im „Tante Erma“-Laden die weitere Finanzierung klären und nach Bedarf neue Räume für das Projekt in Witzenhausen finden.

„Der Co-Working-Space kann den ländlichen Raum stärken“, sagt Silvia Hable von der Initiative. Denn es gehe darum, sich gegenseitig zu unterstützen – sei es bei der Kinderbetreuung oder bei der Arbeit. Außerdem sei der Co-Working-Space auch eine Möglichkeit, junge Menschen in der Region zu halten, die sich sonst wahrscheinlich in Göttingen oder Kassel Arbeit suchten.

Ribana Bergmann hofft auch auf neue Ideen für Witzenhausen, wie und wo künftig gearbeitet werden kann. Sie schlägt vor: Witzenhäuser können ihre eigenen Räume als Co-Working-Space anbieten. Weitere Infos zu den Workshops gibt es hier.

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