Ein Abschied in der Krise

Pfarrer Hans-Jürgen Wenner verlässt den Werra-Meißner-Kreis

+
Noch ist er Chef in der Erlöserkirche in Witzenhausen: Pfarrer Hans-Jürgen Wenner. Er verlässt den Werra-Meißner-Kreis und wechselt nach Bad Soden-Salmünster.

Er ist das Gesicht der katholischen Kirche in Witzenhausen und Hebenshausen: Pfarrer Hans-Jürgen Wenner. Jetzt zieht der 72-jährige Geistliche in seine südhessische Heimat - aber nicht für den Ruhestand.

„Ich bin ein positiv denkender Mensch“: Hans Jürgen Wenner (72), seit zwölf Jahren Pfarrer in den katholischen Gemeinden Witzenhausen und Hebenshausen sowie Längerem auch für Bad Sooden-Allendorf verantwortlich, versucht, seine Schäfchen sicher durch die Corona-Krise zu steuern. Dabei sitzt der Geistliche Rat auf gepackten Koffern: Er rüstet sich für den Umzug nach Bad Soden-Salmünster und kommt damit seiner südhessischen Heimat Darmstadt etwas näher. 

Als Wenner den Wechsel jüngst in der Messe bekannt gab, ging ein Raunen durch die Reihen, damit hatte keiner gerechnet. Heilige Messen sind seit Kurzem wegen der Pandemie nicht möglich, doch Wenner geht täglich in die Erlöserkirche, um zu beten. Kirchliche Amtshandlungen sind erschwert. Bei Trauerfeiern muss improvisiert werden, Aufgebote für Eheschließungen und Anmeldungen zur Taufe werden zurzeit nicht entgegengenommen. Auch die Schließung des ökumenischen Kinderhauses verlangt Improvisationstalent. 

Wenner, stets Frohnatur und immer freundlich, ist ein Fels in der Brandung, so leicht haut ihn nichts um. Er ist im Bereich Witzenhausen/Neu-Eichenberg/Bad Sooden-Allendorf für 34 Ortschaften zuständig. Allendorf kam vor einigen Jahren durch das Ausscheiden von Pfarrer Norbert Bergmann hinzu, hier steht ihm ein Geistlicher aus Afrika zur Seite. Was Wenner, der einst in Eschwege wirkte, besonders belastet, ist die Verwaltungsarbeit. Davon hofft er sich in der neuen Gemeine vor den Toren Frankfurts etwas befreien zu können. Denn: „Ich bin Seelsorger.“ 

Ans Rentnerdasein verschwendet der vitale 72-Jährige keinen Gedanken. Die Zahl seiner Gläubigen hat der Pfarrer mit dem unüberhörbar südhessischen Akzent parat: 2100 in Witzenhausen, über 400 in der Gemeinde Hebenshausen und 1600 in Bad Sooden-Allendorf. Die Zahlen seien annähernd stabil. Zu den Liegenschaften, für die er verantwortlich ist, gehört auch das Haus Hildegard als Seniorenresidenz und Treffpunkt. Und natürlich der Kindergarten. Alles sei auf dem neuesten Stand. Witzenhausen wird Wenner bei seinem Weggang im Sommer in guter Erinnerung behalten – dazu gehören die Pfarrfeste, aber auch Erntefeste und die Kesperkirmes. Mit seinem herzhaften Lachen war er gern mittendrin. Der Pfarrer rät dazu, mehr Schwerpunkte zu setzen, bei zu viel kleinen Events könne man sich verzetteln. Schade sei es um viele kleine Läden in der Altstadt – aber das sei wohl der Lauf der Zeit. 

Ob es ein Ostern 2020 mit Kreuzestracht und Auferstehungsfeier geben wird, ist ungewiss. Corona wirft viele Fragen auf. Wichtig ist für ihn, dass die Pfarrstelle erhalten bleibt. Die Stelle ist ausgeschrieben, die Bewerbungsfrist läuft Ende März ab.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.