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In Witzenhausen kam ein Pflaster aufs andere

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Von: Stefan Forbert

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Die Archäologinnen Christin Faust (links) und Grabungsleiterin vor Ort Daniela Heller (rechts) hocken vor dem Querschnitt mit den acht Schichten, darunter zwei Brandschichten und zwei Pflasterbeläge.
Sauberer Querschnitt durch Jahrhunderte: Im Profil erkennen die Archäologinnen Christin Faust (links) und Grabungsleiterin vor Ort Daniela Heller insbesondere durch farbliche Unterschiede die einzelnen Schichten, darunter zwei Brandschichten und zwei Pflasterbeläge. © Stefan Forbert

Auf der Südseite des Rathauses von Witzenhausen wurde dieser Tage altes Pflaster auf mehreren Quadratmetern gefunden. Bei ihrer archäologischen Baubegleitung stellten die beiden Expertinnnen Daniela Heller und Christin Faust fest, dass zwei alte Sandsteinpflaster übereinander liegen, getrennt durch eine Brand- und Versturzschicht.

Witzenhausen – So wird sichtbar, wie vor einigen hundert Jahren gebaut, nämlich einfach Neues auf altem Untergrund aufgebracht wurde. Im 19. und 20. Jahrhundert änderte sich diese Vorgehensweise, da wurde alte Belag immer wieder durch neuen ersetzt – so wie bei der aktuellen Umgestaltung des Marktplatzes auch.

Indem vor Jahrzehnten hier und da Versorgungsleitungen in den Bereich zwischen Rathaus und der südlichen Häuserzeile in Rohrgräben verlegt wurden, mutet die zwei Meter breite und auf 15 Meter Länge freigelegte Fläche mit altem Pflaster durch die Begrenzung an wie ein einstiger Weg, unter dem ein älterer Weg liegt.

Wahrscheinlicher ist, dass der gesamte Bereich rund um das Rathaus, wo schon vor Jahrhunderten Markt gehalten wurde, gepflastert war, also bereits im Mittelalter. „Weil die Menschen schon früher nicht durch Matsch gehen wollten“, sagt Grabungsleiterin vor Ort Daniela Heller, hätten sie die Untergründe befestigt. Wann das in Witzenhausen erstmals geschah, ist noch nicht klar. Näheren Aufschluss könnten Funde geben, die die Archäologinnen machten: Keramikscherben, Fensterglas, Tierknochen und Schlacke mit zum Teil verglasten Brocken, die auf sehr hohe Temperaturen hindeuten. Die müssen aber erst noch gewaschen und datiert werden.

Acht Schichten über dem natürlichen Boden haben die Archäologinnen in einem säuberlich geputzten, Profil genannten Querschnitt in die Tiefe erkannt und dokumentiert, die Analyse folgt noch.

Hinweise auf die Entstehungszeiten können neben den Funden auch zwei Brandschichten geben. Überliefert ist der große Stadtbrand vom 4. Oktober 1479 ebenso wie eine ebenso verheerende Feuersbrunst am 31. Januar 1809, der auch das Rathaus zum Opfer fiel.

Altes Pflaster: Auf diesen Sandsteinen liefen vor Jahrhunderten Witzenhäuser.
Altes Pflaster: Auf diesen Sandsteinen liefen vor Jahrhunderten Witzenhäuser. © Stefan Forbert

Denkbar also ist, aber in den Augen der Archäologinnen keinesfalls gesichert, dass das untere alte Pflaster nach 1479 gelegt wurde und das obere nach 1809. Darüber lag dann noch ein altes, aber relativ junges Kopfsteinpflaster, über das im vorigen Jahrhundert Asphalt gegossen wurde.

Das alles wird ab nächster Woche, wie die Stadt angekündigt hat, abgetragen, um neue Leitungen in den Boden zu legen. Dann bleiben von den alten Pflastern nur Fotos und Zeichnungen der Archäologinnen. (sff)

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