Pflegeleichter Obststrauch

Vier Aronia-Sorten werden auf Versuchsanlage in Wendershausen getestet

Obstbauberater Eberhard Walther und Versuchstechnikerin Agata Stawinoga vor einer Reihe Aroniasträucher.
+
Kurz vor der Ernte: Obstbauberater Eberhard Walther und Versuchstechnikerin Agata Stawinoga untersuchen auf der Versuchsanlage in Wendershausen, welche Aroniasorten gut in Nordhessen wachsen.

Aron, Nero, Viking und Arbutifolia heißen sie: Die Aroniasorten, die in Wendershausen auf der Obstbau-Versuchsanlage im Witzenhäuser Ortsteil Wendershausen testweise angebaut werden.

Wendershausen – Obstbauberater Eberhard Walther und Versuchstechnikerin Agata Stawinoga vom Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen pflegen und überwachen die Pflanzen mit dem Ziel zu erforschen, welche Sorten sich für den Anbau in der Region eignet. Sie empfehlen vor allem Aron und Viking.

Ursprung

Dabei ist die Arbutifolia die Urform, aus der die anderen Sorten hervorgegangen sind. „Sie hat nur ganz kleine Beeren“, sagt Eberhard Walther. Die Aronia, auch Apfelbeere genannt, ist eine junge Obstart, deren Ursprünge aus Nordamerika kommen. Dort wächst sie auf sehr schwachen, sumpfigen Böden. Ein russischer Botaniker kreuzte verschiedenes Saatgut ein. Zunächst wurde sie nur als Ziergehölz genutzt, aber in der ehemaligen Sowjetunion erkannte man den gesundheitlichen Nutzen der Aronia und baute sie großflächig an.

Herb im Geschmack, kräftig in der Farbe: Die Aroniabeeren wachsen in Dolden mit acht bis zwölf Einzelbeeren.

 Verwendung

„Seit Anfang der 1990er Jahre steigt die Nachfrage aus der Industrie, weil sie Aronia gern als lichtstabilen Farbstoff verwenden“, sagt Eberhard Walther. So werde der Farbstoff als Lebensmittelfarbe eingesetzt, unter anderem zum Färben von Fleisch. Aber auch Textilien werden damit eingefärbt.

Weiterhin wird die Aronia für den Verzehr verwendet, als Trockenfrucht, in Schokolade und als Teil von Tee, Säften, Likör und Obstbränden. „Der Farbstoff ist heutzutage in fast jedem Saft enthalten“, sagt Walther.

 Wirkung

„Aronia gilt als gesundheitsförderndes Produkt“, sagt Agata Stawinoga, Versuchstechnikerin bei den Landesbetrieben Landwirtschaft Hessen. In der Sowjetunion habe man aus getrocknetem Aroniapulver sogar Tabletten gepresst, weil man ihre wichtigen Inhaltsstoffe schätzte. „Sie gilt als blutdrucksenkend und soll sich stabilisierend auf die Blutgefäße auswirken“, erklärt Stawinoga.

Der Vitamin-C-Gehalt sei nicht so hoch, wie allgemein geglaubt wird. „Mit 10 bis 30 Milliliter pro 100 Gramm Frischsubstanz hat sie ungefähr so viel Vitamin C wie ein Apfel“, sagt Eberhard Walther. Mit dem sei die Aronia auch verwandt, da es beides Rosengewächse seien. Daher komme auch der Name Apfelbeere. Die gesundheitsfördernden Eigenschaften seien eher auf die vielen Mineralstoffe zurückzuführen.

Pflanze

„Die Pflanze hat wunderschöne cremefarbene Blüten, die sehr gern von Bienen und anderen Insekten besucht werden“, erklärt Walther. Die Beeren reifen bis August an Dolden mit jeweils acht bis zwölf Einzelbeeren. Auch im Herbst sei die Pflanze sehr interessant, da sich das Laub schön verfärbe. Im Hausgarten mache sich ein Aroniastrauch sehr schön, wenn er dekorativ freistehen kann, meint Walther.

Pflege

Die Pflanzen seien sehr pflegeleicht und kaum anfällig für Krankheiten, wissen Walther und Stawinoga. Sie stellen keine großen Ansprüche an den Boden. „Wenn sie ausreichend Wasser und Nährstoffe haben, können sie uralt werden“, meint Walther. Durch das Zurückschneiden könne man verhindern, dass die Pflanze zu langtriebig wird, und stattdessen als kompakter Busch wächst. Auch für den Hausgarten eigne sich die Aronia sehr gut, dort könne sie von Sonne bis Schatten alles vertragen, wobei sonnige Standorte bevorzugt werden. (Evelyn Paul)

Mit welchen Herausforderungen Landwirte zu kämpfen haben, die Aronia anbauen wollen, lesen Sie in unserer Printausgabe.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.