Das sind die Problempunkte

Neue Brücke für Fußgänger und Radfahrer in Witzenhausen? Pläne werden ausgebremst

Gefährlich: Busse, Autos, Radfahrer und Fußgänger quälen sich über die schmale Werrabrücke.
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Gefährlich: Busse, Autos, Radfahrer und Fußgänger quälen sich über die schmale Werrabrücke.

Die Gefahren für Fußgänger und Radfahrer auf der schmalen historischen Werrabrücke in Witzenhausen sind groß. Doch der Traum von einer zusätzlichen Brücke wird vermutlich keine Realität.

Witzenhausen – Über eines waren sich alle Fraktionen bei der Sondersitzung des Bauausschusses in Witzenhausen am Mittwoch einig: Die alte Werrabrücke ist dem Verkehr kaum gewachsen und vor allem für Fußgänger und Radfahrer sehr gefährlich. Trotzdem sieht es nicht nach einer schnellen Lösung aus – auch wenn diese für mehr Sicherheit und als Beitrag zum Klimaschutz dringend wäre.

Nachdem Lars Oettling vom Bauamt den Planungsstand vorgestellt hatte, gab es eine ernüchterte Diskussion. Die Haupt-Problempunkte:

Die Planung

Nach einem Bürgerbegehren wurde 2009 ein Büro mit der Planung einer Fußgänger- und Radfahrbrücke beauftragt. Von den fünf Entwürfen liegen noch zwei im Bauamt – einer auf Pfeilern parallel zur alten Brücke und eine moderne Form, bei der die Brücke an einem Trägerpfosten hängt. Das Projekt wurde ab 2011 nicht weiterverfolgt, da Hessen Mobil einen Ersatzneubau ankündigte und die alte Brücke danach Fußgängern und Radfahrern vorbehalten sein soll. „Dass sich der Neubau so lange verzögert, war da nicht abzusehen“, sagte Peter Schill (SPD).

Die Planung und Genehmigung einer neuen Brücke würde laut Bauamt rund drei Jahre dauern – ob und wie die alten Pläne noch nutzbar sind, blieb offen. Hinzu käme mindestens ein Jahr Bauzeit – und die Fußgängerbrücke wäre womöglich erst kurz vor Baubeginn des Ersatzneubaus für die B 451 fertig. Hier ist vor 2028 mit einem Baubeginn nicht zu rechnen – und es drohen Klagen, die den Bau verzögern würden.

Die Finanzierung

Von den Förderprogrammen, die für eine Finanzierung in Frage kämen, ist eins schon ausgebucht. Beim Programm „Nahmobilität“ entscheidet Hessen Mobil über eine Förderung – und es sei unwahrscheinlich, dass die Behörde eine weitere Fußgänger- und Radfahrbrücke in Witzenhausen unterstützen würde, während sie den Ersatzneubau plant, sagt Bauamtsleiterin Anja Strecker. Die Stadt selbst kann bei geschätzten Kosten von drei Millionen Euro den Bau kaum stemmen.

Die Vorgaben

Die Werra ist laut dem Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA) Hann. Münden eine „Bundeswasserstraße, die fast ausschließlich dem Verkehr mit muskelbetriebenen Sportbooten dient.“ Dennoch fordert das WSA für Neubauten Brückenhöhen, unter denen Schiffe durchfahren könnten, obwohl die alte Brücke diesen Verkehr schon jetzt unmöglich mache, so Bauamtsleiterin Anja Strecker: „Die Vorgaben sind mit gesundem Menschenverstand nicht zu begreifen.“

Muss die Werra denn Bundeswasserstraße bleiben? Ja, sagt Strecker. Denn dann trägt der Bund die Kosten für Hochwasserschutz, Uferpflege und Beseitigen von Treibgut. Auch könne nicht nur ein Abschnitt entwidmet werden – die Neuregelung müsste dann von der Quelle bis zur Wesereinmündung gelten. „Und auch die anderen Werra-Kommunen wollen nicht alle Kosten rund um den Fluss selbst tragen.“

Der mögliche Standort

Einig war sich der Ausschuss, dass als neuer Standort nur eine Querung direkt östlich neben der jetzigen Brücke sinnvoll wäre. Würde sie einige hundert Meter flussauf- oder abwärts gebaut, sei davon auszugehen, dass die Nutzer weiter den kürzesten Weg – die alte Brücke – wählen.

Selbst wenn der Denkmalschutz einem Neubau direkt neben der alten Brücke zustimmen würde, bleibt das Problem der Barrierefreiheit: Die Steigung darf nicht mehr als sechs Prozent betragen, daher wären große Rampen am Ufer nötig. Bei einer neuen Brücke auf der Ostseite der alten entsteht zudem das Problem, dass Radfahrer und Fußgänger, die vom Bahnhof und den Supermärkten Richtung Innenstadt wollen, die B 451 sicher queren müssten. Auch hier könne man ohne Hessen Mobil keine Lösung finden, so Bürgermeister Daniel Herz. (Friederike Steensen)

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