Garten soll Weg weichen

Planer legt neue Pläne für Durchfahrt zur Stubenstraße in Witzenhausen vor

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Das ist geplant: Planer Michael Herz schlägt vor, eine gepflasterte Durchfahrt (schraffierte Fläche) vom Parkplatz an der Universität zur Stubenstraße zu bauen und rundherum einen grünen „Verweilraum“ mit Bänken und Rasenfläche zu erhalten.

Witzenhausen. Seit Jahren wird diskutiert, ob auf der Baulücke an der Stubenstraße eine Durchfahrt zum Parkplatz der Universität eingerichtet werden soll. Jetzt gibt es neue Pläne.

Der Entwurf

So könnte der neugestaltete Bereich aussehen.

Landschaftsplaner Michael Herz vom Büro "Foundation 5" (Kassel) hat am Donnerstag den Anliegern und der Stadtumbau-Steuerungsgruppe einen neuen Entwurf präsentiert. Auffälligste Neuerung: Es sind keine Parkplätze mehr geplant, dafür soll viel Grün des jetzigen Gartens erhalten bleiben. Ein gepflasterter Weg mit Kurven soll den Verkehr vom Uni-Parkplatz zur Stubenstraße bremsen.

 Es sollen Terrassen und Beete geschaffen, Bäume erhalten werden. Mit neuen Obstbäumen könnte man das Konzept „Essbare Stadt“ aufgreifen. „Es ist eine starke Orientierung am jetzigen Zustand, nur auf einer öffentlichen Fläche“, bilanziert Bauamtsleiter Bernd Westermann. Tatsächlich hat der Planer im Vergleich zu früheren Entwürfen viele Kritikpunkte beseitigt: Die Fläche wird nicht mehr versiegelt, sodass der Regen ablaufen kann und der Charakter des Areals als „Grüne Oase“ erhalten bleibt.

Die Stadt will das Grundstück von Besitzer Rainer Winkelhake kaufen. Für Kauf und Umgestaltung stehen 260 000 Euro aus dem ISEK-Programm bereit. Eine Kostenschätzung legte Herz noch nicht vor.

Die Initiativen

Hannelore Erfurth (Bürgerverein für Bau- und Wohnkultur sowie BI Sinnvolle Verkehrsplanung) lobt die Pläne, mahnt Barrierefreiheit für Fußgänger an und hofft auf einen Kompromiss mit dem Eigentümer. Silvia Hable (Transition Town) bleibt dagegen kritisch. Sie befürchtet, dass nicht nur 15 Fahrzeuge vom Parkplatz dort entlangfahren, sondern dass ein Schleichweg für viel mehr Verkehr vom Johannisberg entstehen könnte.

Die Eigentümer

Grüne Oase: Petra Ernst hat mit vielen Helfern aus der einst ungepflegten Fläche an der Stubenstraße einen Garten gemacht. Teile eines historischen Kellers wurden in einen Senkgarten verwandelt. Die Stadt will hier eine Durchfahrt anlegen.

Und doch scheinen alle Pläne umsonst: Winkelhake will nicht verkaufen, wie seine Lebensgefährtin Petra Ernst am Freitag bestätigte. Sie kritisiert, dass Winkelhake nicht in die Planungen eingebunden und erst zehn Tage vor der Sitzung eingeladen wurde – laut Ernst viel zu kurzfristig, um sich ausreichend vorzubereiten. Zudem wolle das Paar die Planungen für ihr Grundstück sehen, bevor öffentlich darüber diskutiert wird. Daher nahmen beide nicht in der Anliegerversammlung teil.

Ernst verfolgt eigene Pläne: Sie hat einen lebendigen Garten mit Hochbeeten und Insektenhotel angelegt, im Gegenzug für tatkräftige Hilfe können sich vier Studenten ausprobieren und etwa Anbauformen für Gemüse testen. Die Ursprungsidee, die Fläche für Besucher offen zu lassen, hat Ernst nach schlechten Erfahrungen verworfen, sie will aber Führungen anbieten. 

Mit Transition Town kooperiert Ernst nach Meinungsverschiedenheiten seit 2016 nicht mehr. Die Stadt profitiere kostenlos von dem Areal, weil es bei Hochwasser und Starkregen durch tiefer gelegene Flächen viel Wasser aufnehmen könne und mit Pflanzen, Vögeln und Insekten für ökologische Vielfalt sorge, sagt Ernst.

Die weiteren Schritte

Westermann will noch einmal das Gespräch mit Winkelhake suchen. Sollte der dennoch nicht verkaufen, müsse man das respektieren, sagt der Bauamtsleiter. „Wir werden nicht das erste Projekt des Stadtumbaus mit einer Enteignung beginnen.“ Die 260 000 Euro könnten auch für andere Projekte genutzt werden. 

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