Viele Blickwinkel auf Natur

„Politischen Pflanze“: UN zeichnen Projekt der Universität Kassel aus

Neues Bildungsprojekt: Marina Hethke (links) und Eva Maria Kohlmann zeigen im Tropengewächshaus Witzenhausen ein Beispiel für eine „politische Pflanze“: Tetradenia riparia, eine Heilpflanze aus Südafrika.
+
Neues Bildungsprojekt: Marina Hethke (links) und Eva Maria Kohlmann zeigen im Tropengewächshaus Witzenhausen ein Beispiel für eine „politische Pflanze“: Tetradenia riparia, eine Heilpflanze aus Südafrika. Dort ist umstritten, wer die Blätter sammeln und nutzen darf.

Zukunftsweisende Bildungsarbeit wird derzeit in Kassel und Witzenhausen geleistet: Das Projekt „Die politische Pflanze“ wurde jetzt als offizielles Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt ausgezeichnet.

Witzenhausen - Das Bildungsprojekt wird vom Tropengewächshaus Witzenhausen, der Didaktik der politischen Bildung (beide Universität Kassel) koordiniert. Es will verdeutlichen, welche Auswirkungen Wild- und Nutzpflanzen auf unterschiedliche Lebensbereiche des Menschen haben und zeigt, wie eng Landwirtschaft, Umweltschutz, Wirtschaft, Politik und Soziales miteinander in Beziehung stehen – was oftmals für Konflikte sorgt.

Ein Beispiel für eine „politische Pflanze“ kann man im Tropengewächshaus in Witzenhausen besuchen: Tetradenia riparia, den „Ingwerbusch“ aus dem südlichen Afrika. Biologen interessieren sich besonders dafür, unter welchen klimatischen und geografischen Bedingungen der Strauch wächst. Für Ärzte und für Ethnologen wären seine medizinische Wirkung und Nutzung interessant – in Südafrika werden die Ingwerbusch-Blätter traditionell als Tee bei Bronchialleiden, Magenbeschwerden, Fieber und Malaria eingesetzt, zerrieben soll ihr Duft Kopfschmerzen lindern. Auch Juristen, Politiker und Wirtschaftsexperten könnten sich damit beschäftigen, wenn es um den privaten Gebrauch oder eine kommerzielle Nutzung geht: In Südafrika ist es umstritten, wer die Blätter der Wildpflanze in welchem Umfang pflücken darf, berichtete Martina Hethke, die Kustodin des Tropengewächshauses, bei der Projektvorstellung im Januar.

Die UN-Dekade-Fachjury lobt, dass das auf drei Jahre angelegte Projekt „Die Politische Pflanze“ Bildungsarbeit zur Artenvielfalt eng mit politischer Bildung verknüpft. Die Partner – darunter auch der Verband Botanischer Gärten und der Bundesweite Arbeitskreis der staatlich getragenen Umweltbildungsstätten – entwickeln seit Oktober 2019 unter Federführung der Universität Kassel 16 Veranstaltungsangebote. Dabei arbeiten in neun Bundesländern acht Naturschutzakademien mit jeweils ein oder zwei botanischen Gärten zusammen. Sie testen und entwickeln Formate, wie man das komplexe Wissen am besten an verschiedene Zielgruppen vermitteln kann.

Das Team des Tropengewächshauses Witzenhausen kooperiert dafür beispielsweise mit der Naturschutz-Akademie Hessen (Wetzlar), dem Wissenschaftsgarten sowie der Biologie-Didaktik der Universität Frankfurt. Die vier Einrichtungen haben etwa einen Seminartag zum Thema „Zucker“ für Freiwillige im Ökologischen Jahr (FÖJ) entwickelt. Darin geht es um den Anbau Zucker liefernder Pflanzen auf lokaler Ebene (Rüben) und internationaler Ebene (Zuckerrohr). Auch die Auswirkungen des Anbaus auf die Umwelt, die Arbeitsbedingungen, Zölle, Subventionen und die Zuckersteuer werden einbezogen, um das politische Konfliktpotenzial zu verdeutlichen.

Übergeordnetes Ziel des Projekts ist laut Koordinatorin Eva Maria Kohlmann, unterschiedliche Menschen an einen Tisch zu bringen, damit sie voneinander lernen – und nachhaltiger handeln.

UN wollen biologische Vielfalt der Welt retten

Um dem weltweiten Rückgang der Artenvielfalt entgegenzuwirken, haben die Vereinten Nationen (UN) den Zeitraum von 2011 bis 2020 als „UN-Dekade Biologische Vielfalt“ ausgerufen. Darin soll in der Gesellschaft ein breites Bewusstsein für Arten- und Naturschutz gelegt werden – unter anderem mit der Auszeichnung besonderer Projekte wie der „Politischen Pflanze“. Prämiert werden Projekte, die zeigen, wie Maßnahmen zum Erhalt biologischer Vielfalt, ihrer nachhaltigen Nutzung oder Vermittlung praktisch aussehen können.

Unter biologischer Vielfalt verstehen die UN die Vielzahl der Tier- und Pflanzenarten, Mikroorganismen und Pilze, die genetische Vielfalt innerhalb der Pflanzenarten und Tierrassen sowie verschiedene Lebensräume. Ohne Biodiversität würden Ökosysteme und ihr Nutzen für den Menschen nicht funktionieren, teilt die Geschäftsstelle UN-Dekade Biologische Vielfalt mit. (fst)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.