Keine Kinderfotos ins Netz

Polizei warnt: Auch harmlose Kinder-Bilder sind bei Pädophilen beliebt 

Zurückhaltung üben: Die Polizei empfiehlt, möglichst keine Kinderbilder ins Netz zu stellen. Auch auf die Online-Aktivitäten von Kindern und Jugendlichen sollten Eltern ein Auge haben.
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Zurückhaltung üben: Die Polizei empfiehlt, möglichst keine Kinderbilder ins Netz zu stellen. Auch auf die Online-Aktivitäten von Kindern und Jugendlichen sollten Eltern ein Auge haben.

Bei der Polizei werden bundesweit mehr Fälle von Kindesmissbrauch angezeigt – im Werra-Meißner-Kreis hingegen weniger. Die Polizei warnt vor einem neuen Trend unter Pädophilen.

Werra-Meißner – Bei der Polizei sind bundesweit mehr Fälle von Kindesmissbrauch aktenkundig geworden – außer im Werra-Meißner-Kreis. Hier sank die Zahl der angezeigten Fälle von sexuellem Missbrauch an Kindern von 25 im Jahr 2019 auf 15 (2020), teilt Polizeisprecher Jörg Künstler mit. Im Schwalm-Eder-Kreis dagegen stieg die Zahl der Fälle von sexuellem Kindesmissbrauch von 19 im Jahr 2019 auf 35 im Jahr 2020. Bundesweit lag die Steigerung bei 6,8 Prozent, das Bundeskriminalamt (BKA) nennt 14 500 Fälle.

Einen größeren Anstieg – nämlich 53 Prozent – gab es laut BKA beim Straftatbestand „Verbreiten kinderpornografischer Bilder“. Hier wurden bundesweit 18 761 Fälle registriert. Im Werra-Meißner-Kreis sank dagegen die Zahl von 15 im Jahr 2019 auf 8 im Jahr 2020. Dass der bundesweite Anstieg in der Corona-Pandemie begründet ist, glaubt Künstler nicht: „Selbstverständlich war man gezwungen, mehr Zeit zu Hause zu verbringen und demzufolge war man bestimmt auch mehr online. Anderseits ist es heute vollkommen normal mit Smartphones dauerhaft – unabhängig von der Örtlichkeit – online zu sein.“

Täter beschaffen Fotos von Kindern aus sozialen Netzwerken und verbreiten sie auf illegalen Internetseiten

Besorgniserregend ist für viele Ermittler ein offenbar neuer Trend unter Pädophilen. Redakteure des ARD-Politmagazins Panorama hatten jüngst aufgedeckt, dass es auf diversen illegalen Internetportalen Kategorien mit Alltagsfotos von Kindern gibt. Diese Kategorien heißen häufig „non nude“ – also „nicht nackt“. Es sei keine Straftat, solche Bilder herunterzuladen oder sie zu besitzen, sagt Jens Breitenbach, Sprecher der Polizei Schwalm-Eder. Wer solche Bilder weiterverbreite, verstoße zwar gegen die Persönlichkeitsrechte der Abgebildeten und mache sich einer Urheberrechtsverletzung strafbar, verbreite aber keine Kinderpornografie. Die Täter blieben quasi straffrei.

Ein weiteres Problem: „Wir wissen nicht, wer die Kinder auf den Bildern sind“, sagt Breitenbach. Da es sich leider um Randerscheinungen handele, würden diese auch nicht ausermittelt. Für die betroffenen Eltern sei es bei Bekanntwerden nur schwer zu ertragen, dass ihre Kinderbilder auf Internetseiten Pädophiler gezeigt würden.

Die Täter beschaffen diese Fotos massenweise und hochprofessionell aus sozialen Netzwerken wie Facebook, Instagram, Pinterest oder Tiktok. Laut der TV-Dokumentation werden diese Bilder tausendfach geteilt und mit abstoßenden Kommentaren versehen. Es handele sich nicht um sexualisierte Bilder, erklärt Breitenbach. Die Motive zeigten Jungen und Mädchen etwa beim Spielen im Garten oder beim Planschen am Strand. (ddd/fst)

Sexueller Missbrauch von Kindern

Der sexuelle Missbrauch von Kindern (oder auch die sexuelle Gewalt) ist in Paragraf 176 des Strafgesetzbuches geregelt. Er umfasst sowohl Taten mit Körperkontakt als auch ohne. Dazu gehören unter anderem der Besitz und Konsum von Kinderpornografie. Er wird mit einer Freiheitsstrafe nicht unter einem Jahr bestraft. (ddd)

Polizei-Tipps: Kinderbilder im Internet vor ungewollter Verbreitung schützen

Im Internet und im Darknet werden Bilder mit kinderpornografischem Inhalt geteilt. Auf den Plattformen gibt es auch vermeintlich harmlose Bilder. Das sind meistens Kinderbilder aus sozialen Netzwerken. 

Im Internet und im Darknet werden Bilder mit kinderpornografischem Inhalt geteilt. Allerdings tauchen auf den Plattformen auch vermeintlich harmlose Bilder auf. Dabei handelt es sich um Kinderbilder aus sozialen Netzwerken. Das bestätigt die Polizei in Nordhessen.

Eine TV-Dokumentation hat jüngst das Ausmaß offengelegt. Abertausende solcher Bilder finden sich in Rubriken mit Bezeichnungen wie „nicht nackt“. Die Polizei gibt Tipps, wie insbesondere Eltern sich schützen können:

Nicht jedes Bild teilen

Über allem stehe die genaue Prüfung, ob ein Bild überhaupt online gestellt werden müsse, sagt Jens Breitenbach, Sprecher der Polizei im Schwalm-Eder-Kreis. „Selbstverständlich gilt auch für die Eltern abzuwägen, welche Fotos der eigenen Kinder an welchen Personenkreis unbedingt gepostet werden müssen“, ergänzt sein Amtskollege Jörg Künstler aus dem Werra-Meißner-Kreis.

Jedes Bild, das nicht online verfügbar sei, könne auch nicht missbräuchlich verwendet werden. Auch bei Bildern, die über Messengerdienste wie Whatsapp verschickt würden, solle man sich diese Frage stellen, so Breitenbach.

Kaum Kontrolle

Die veröffentlichten Bilder landen auf Servern der Messengerdienste, vielfach stünden diese nicht einmal in Europa. Es würden andere Datenschutzbestimmungen gelten und es gebe spezialisierte Hacker, die solche Datenbanken knacken.

Freizügige Bilder sollten auch nicht über Chats geteilt werden. Auch nicht unter Freunden. Das Internet vergesse nicht. „Wer kann schon wissen, wann und in welchem Zusammenhang diese Bilder nicht doch irgendwann auftauchen“, gibt die Polizei zu bedenken. Niemand möchte, dass etwa bei einer Bewerbung Firmen früher mal geteilte Bilder finden. Auch Statusbilder von Kindern seien nicht nötig.

Nutzerkonten sichern

Würden doch Bilder gepostet werden, sollten Eltern darauf achten, dass sowohl die Konten der Kinder als auch der Eltern auf privat gestellt seien. So könnten nur zugelassene Nutzer auf die Bilder zugreifen. Professionellen Bildersammlern sei es möglich, mit Sniffingtools im großen Stil Bilder von Accounts zu erbeuten – auch von privaten.

Eine weitere Option für Eltern: Nur Bilder verwenden, auf denen die Gesichter der Kinder nicht zu erkennen sind. Wer einen Blog betreibt, kann eine Anmeldung mit Klarnamen implementieren. So sind nur registrierte Nutzer zugelassen. Das biete zwar keinen hohen Schutz, erschwere aber den Zugriff, sagt Breitenbach.  

Bei Anbietern von Fotoabzügen und Fotobüchern können die Geschäftsbedingungen geprüft werden. Sie geben Hinweise zum Umgang mit den hochgeladenen Bildern. Außerdem solle man Freunde und Verwandte bitten, geteilte Bilder nicht weiterzuverteilen.

Aufklärung ist alles

Um Kinder vor Missbrauch zu schützen, empfiehlt Künstler sich über Fakten und Risiken rund um das Thema zu informieren. Sexueller Missbrauch dürfe kein Tabuthema sein, denn das erschwere Opfern, sich Hilfe zu holen. Erwachsenen rät Künstler, aufmerksam für mögliche Anzeichen auf Missbrauch zu sein, den Aussagen von Kindern zu vertrauen und im Zweifelsfall Anzeige zu erstatten. „Kinder können den sexuellen Missbrauch nicht beenden, sie brauchen die Hilfe von Erwachsenen.“

Außerdem sei es wichtig, dass Kinder früh den richtigen Umgang mit Internet und sozialen Medien lernen, findet Künstler „Wer seinem Kind ein Smartphone kauft, sollte auch die nächsten Schritte bedenken. Dazu gehören neben den technischen Möglichkeiten, bedenkliche Seiten zu sperren, vor allem die Aufklärung über die Gefahren und den richtigen Umgang mit eigenen Bildern.“

Breitenbach rät auch, die Kinder über mögliche Anbahnversuche und Bilddiebstahl zu informieren. (Damai D. Dewert und Friederike Steensen)

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