Interesse an Müll

Praktikum in Kayunga: Witzenhäuser beschäftigt sich mit Abfallmanagement

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Sie wollen dafür sorgen, dass das städtische Abfallmanagement in Kayunga verbessert wird: Bürgermeister Majid Nyanzi (von links), Stadtschreiberin Margaret Nansubuga, Gesundheitsinspektor Daniel Eberu, Umweltingenieur-Student Marius Wille aus Witzenhausen sowie zwei der städtischen Müllsammler auf der örtlichen Mülldeponie.

Witzenhausen. Er studiert Umweltingenieurwesen an der Universität Kassel – jetzt will der Witzenhäuser Marius Wille erleben, wie Länder in Afrika mit ihrem Müll umgehen.

Deshalb macht der 21-Jährige gerade ein dreimonatiges Praktikum in Witzenhausens ugandischer Partnerstadt Kayunga. In seinem Studium spezialisiert er sich auf den Bereich Abfall- und Ressourcenwirtschaft.

Nach den ersten acht Wochen ist Wille beeindruckt: „Uganda hat an landschaftlicher Schönheit fast alles zu bieten: tropische Regenwälder, weitläufige Graslandschaften, viele Seen und Flüsse und zwei atemberaubende Gebirgsketten.“ Und das in einem Land, das kleiner ist als Deutschland. Allerdings: „Der ökologische Reichtum Ugandas steht leider im direkten Gegensatz zu der Armut in großen Teilen der Bevölkerung.“ Nach Zeiten der Diktatur habe sich die politische Führung zwar stabilisiert, tue sich aber schwer, den gesellschaftlichen Bedürfnissen gerecht zu werden – zum Beispiel nach einem nachhaltigen Umgang mit Abfällen in den Siedlungen.

Das sei auch in Kayunga so, wo Wille in seinem Praktikum direkt mit der Stadtverwaltung zusammenarbeitet. „Gemeinsam erarbeiten wir die Probleme und Lücken des aktuellen Abfallmanagements und entwickeln Konzepte für mögliche Verbesserungsansätze.“

Derzeit werde der gesammelte Abfall schlicht auf einer Deponie abgelagert. Wenn das so weitergehe, werde die Deponie allerdings in etwa fünf Jahren vollständig bedeckt sein, da keine Art der Komprimierung stattfindet, so Wille.

Es gebe viel Potenzial, die Abfälle weiterzuverwerten, das werde aber überhaupt nicht genutzt. „Schätzungsweise bis zu 70 Prozent des Mülls sind ausschließlich biologische Abfälle“, hat der Witzenhäuser beobachtet. Daher wäre eine Kompostierung ein erster sinnvoller Schritt hin zu einem nachhaltigen Abfallmanagement.

Es existierten zudem weitere, durchaus realisierbare Verbesserungsansätze – allerdings gebe es Probleme mit der Finanzierung. „Das aktuelle Budget reicht kaum aus, um die vorherrschende Abfallbehandlung zu bezahlen“, berichtet Wille. Die Kommunen erhielten keinerlei staatliche Zuschüsse für das Abfallmanagement.

Die Einführung einer lokalen Abfallgebühr für Haushalte und Gewerbebetriebe wäre ein sinnvolles Instrument, an dessen Gestaltung Wille bereits mitarbeiten darf. „Eine solche Gebühr würde eine konstante und unabhängige Finanzierungsmöglichkeit schaffen, die darüber hinaus als „Tür-Öffner“ für weitere Verbesserungen dienen könnte“, hofft der 21-Jährige.

Ebenfalls sehr wichtig sei aber auch, die Einwohner für das Thema Abfall zu sensibilisieren. Denn, so Wille: „Eine nachhaltige Abfallwirtschaft dient dem Wohle der gesamten Bevölkerung, schafft Arbeitsplätze und schützt die Umwelt.“ Dabei will der Witzenhäuser mithelfen.

Gerne steht er bei Fragen per E-Mail zur Verfügung: marius.wille@web.de. 

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